Der Schreck stand so manchem Kreisrat ins Gesicht geschrieben. Dass der Ausbau der Kreisstraße 56 zum Schwanberg teuer werden würde, war klar. Dass es aber am Ende auf um die zehn Millionen Euro plus x hinauslaufen würde, hatte wohl keiner auch nur geahnt. Fünf, sechs Millionen – das waren die Überlegungen gewesen. Es kam anders, und das kollektive Schlucken im Sitzungssaal ließ sich nicht übersehen.

Die Planungen für den Ausbau der höchsten Kreisstraße im Kitzinger Land hatte man im Landratsamt im Jahr 2017 in Angriff genommen. Weil die Straße so ganz anders ist als alle anderen Straßen, wurde ein Planungsbüro ins Boot geholt. Dann wurde untersucht, gerechnet und geplant – das Ergebnis bekam am Montagnachmittag nun erstmals der Verkehrs- und ÖPNV-Ausschuss zu hören.

Klar war schon vorher: Der Ausbau ist ein Brett. Doch wie dick dieses Brett sein würde, ließ selbst erfahrene Kreisräte wie Josef Mend staunen. Ein Problem: Da es keine weitere Zufahrt gibt, kann nur halbseitig gearbeitet werden. Und selbst das bedarf aufwändiger Vorarbeiten. Die steile Hanglage lässt die Sanierung endgültig zum Extremfall werden. Unterteilt ist die Maßnahme in fünf Abschnitte, die Bauzeit ist mit vier Jahren veranschlagt.

Den Hang bändigen

Auf der 2,5 Kilometer langen Zufahrt von der Staatsstraße 2420 bis zum Parkplatz auf dem Schwanberg-Plateau kann nicht einfach die alte Straße wegbaggert und eine neue drauf gebaut werden. Vielmehr müssen regelrechte Klimmzüge gemacht werden, um den Hang zu bändigen. Weil an manchen Stellen selbst Stützmauern und Bohrpfähle nicht mehr ausreichen, muss mit sogenannten Pfahlböcken gearbeitet werden. Das Ganze kann man sich wie einen gespreizten Zirkel vorstellen, der bis zum Anschlag in die Erde gerammt wird.

Der aktuelle Zustand der Straße ist, vorsichtig ausgedrückt, bedenklich. Schon wenige Meter von der Abfahrt der Staatsstraße warten "30" und das Warnschild "Straßenschäden". Es ist absehbar, dass sich bei einigen Abschnitten schon bald die Frage nach der Verkehrssicherheit stellt. Selbst der Laie sieht: Gerade am talseitigen Fahrbahnrand sieht es oft alles andere als vertrauenserweckend aus. Längsrisse, Fahrbahnstreifen- und Bankettabsenkungen, viel Flickwerk, provisorische Sanierungen – die Schwanbergstraße ist so richtig am Ende. Sehr lange kann die Sanierung, die dann ab 2024 starten könnte, nicht mehr hinausgezögert werden.

Drei Millionen werden angespart

Auch wenn in den kommenden drei Jahren – das war schon länger beschlossen – jeweils eine Million Euro für die Sanierung extra zur Seite gelegt werden soll, ist der Über-zehn-Millionen-Brocken selbst bei einer möglicherweise 40-prozentigen Förderung nicht leicht zu stemmen. Entsprechend gestaltete sich nach der Präsentation des Ausbau-Entwurfs die anschließende Diskussion, die vor allem auf mögliche Alternativ-Konzepte abzielte.

Der Dettelbacher Marcel Hannweber (CSU) regte eine Vollsperrung an, damit die Arbeiten an einem Stück gemacht werden können. Geiselwinds Bürgermeister Ernst Nickel (Freie Wähler) warf in den Raum, ob nicht eine steilere und dafür verkürzte Strecke möglich wäre. Vorschläge, die von den Experten des Planungsbüros als nicht machbar eingestuft wurden.

Mend schlägt Teillösung vor

Der ehemalige Iphöfer Bürgermeister Josef Mend (Freie Wähler) sprach sich dafür aus, nur zwei oder drei der fünf vorgeschlagenen Abschnitte in Angriff zu nehmen und den Rest mit einem entsprechenden Deckenbau so weit es eben geht noch einmal auf herkömmliche Art auf Vordermann zu bringen.

Doch macht eine abgespeckte Version Sinn? Wie genau könnte die aussehen? Was könnte eingespart werden? Die Verwaltung bekam den Auftrag, erst noch einmal Alternativ-Konzepte zu erarbeiten. Wobei so oder so feststeht: Die Schwanberg-Zufahrt ist ab 2024 für viele Jahre eine Baustelle. Und sie ist, wie es Landrätin Tamara Bischof ausdrückte, nicht nur "unsere allerliebste und allerhöchste Straße" – sondern vor allem die allerteuerste.