Von einer bewegten Situation auf dem Berg spricht Schwanbergpfarrerin Maria Reichel. Damit meint sie nicht nur Corona, sondern auch verschiedene Personalwechsel beim Geistlichen Zentrum. Doch sie schaut optimistisch in die Zukunft, denn mit dem 54-jährigen Friedemann Stöckle ist die Stelle des Geschäftsführenden Vorstands zum 1. September wiederbesetzt.

Nach dem überraschenden Weggang Anfang März von Ute Hellwig, "die das Geistliche Zentrum professionell und freundschaftlich gut aufgestellt, die Organisationsstruktur angepasst und die Abläufe strukturiert hat", wie es im Schwanberg-Newsletter hieß, wurde Kurt F. Braml, vormals Aufsichtsratsvorsitzender des Geistlichen Zentrums, kommissarisch Geschäftsführender Vorstand.

Ein Ort für besondere Erfahrungen

Schwanbergpfarrerin Maria Reichel gehört seit April mit zum Leitungsteam als Theologisch-Pädagogischer Vorstand. Für sie bedeutet die verantwortungsvolle Position, dass sie sich noch mehr – gemeinsam mit Schwester Anke Sophie Schmidt – um die inhaltliche Arbeit und die Zukunftsausrichtung des Geistlichen Zentrums kümmern wird. Andere Aufgaben in der Communität Casteller Ring werden reduziert, zum Beispiel die Anzahl der von ihr gehaltenen Gottesdienste. Maria Reichel behält das große Ganze im Blick, kümmert sich um das Zusammenwirken in verschiedenen Bereichen und um die Außenwirkung.

Das Geistliche Zentrum sei ein Kind der Communität. Aber die Schwestern führten es nicht mehr. Es solle aber etwas Besonderes bleiben, "ein Ort, an dem Spiritualität lebendig ist", sagt Reichel. Da brauche es auch eine geistliche Leitung, beschreibt sie ihre Rolle mit Stöckl in der nun theologisch-wirtschaftlichen Doppelspitze. Das Geistliche Zentrum sei nicht nur Tagungsort, sondern vielmehr ein Ort, an dem man besondere Erfahrungen machen könne. Dafür gelte es, gute Bedingungen zu schaffen.

Entwicklung eines Gesamtkonzeptes

"Wir sind miteinander Kirche", sagt die Schwanbergspfarrerin. Jede der Einrichtungen – die Communität und das Geistliche Zentrum – leisteten dazu einen besonderen Beitrag. "Wir ergänzen uns", betont Reichel.

Wenn der Geschäftsführende Vorstand dann im Amt sei, gehe es um die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes, das auf die Zukunft ausgerichtet ist. "Wir wollen auf die Menschen hören, was sie zum Schwanberg zu sagen haben", betont Reichel. Deshalb habe es eine Umfrage gegeben. Etwa 150 Bögen seien verschickt worden, rund 90 Antworten habe es gegeben. Die seien sehr differenziert gewesen, hätten viele Ideen beinhaltet und ganz wichtig: viele Goldkörnchen. Als Beispiel nennt Reichel nennt ein Lesecafé oder Maßnahmen im Schlosspark. Aber auch das Schwanbergscafé sei ein Thema, "das uns auf den Nägeln brennt"

Bewusster durch die Umfrage sei geworden, dass das "Zusammenwirken deutlicher zur Geltung kommen soll". Auch Kooperationen in der Region werde man weiterverfolgen. Zum Beispiel bei der Friedensdekade. Auch mit den Bildungswerken will man zusammenarbeiten, sei es durch Vorträge oder Kurse. "Der Schwanberg steigt noch mehr vom Berg herunter", beschriebt Reichel vage das Ziel. Doch sie weiß, dass man vieles nur auf dem Berg erleben könne. "Das kann man auch nicht heruntertragen", sagt sei. "Der Schwanberg ist ein stiller Ort." Das solle er auch bleiben, aber es sollen auch Gäste kommen.

Corona hat den Schwanberg verändert

Corona hat auch auf dem Berg vieles anders werden lassen als geplant. Maria Reichel nennt dabei die Kurzarbeit der meisten Mitarbeiter und ausgefallene Seminare. So langsam laufe alles wieder an. Aber der Jugendhof könne noch nicht so richtig betrieben werden. Ein weiterer Grund, warum man sich trotz erfolgter Stellenausschreibung mit der Neubesetzung der Leitung noch etwas Zeit lassen will.

Nur eines konnte wegen Corona schneller vorangebracht werden: Die Sanierung der Räume im Schloss nach dem verheerenden Wasserschaden. Die Zimmer konnten fertig gemacht werden, nur die Trocknung des Gewölbes dauert noch ein wenig.