Als im Casteller Gemeinderat am Montagabend der Haushalt einstimmig verabschiedet wurde, gab es Beifall in der Runde. Der bezog sich nicht nur auf das Zahlenwerk 2015, sondern darauf, dass es seit Jahren gelingt, Schulden abzubauen und hohe Investitionen zur Weiterentwicklung von Castell, Greuth und Wüstenfelden zu tätigen, wie Bürgermeister Jochen Kramer darlegte. Und das, obwohl Castell in puncto Steuerkraft zu den Schlusslichtern im Landkreis gehört. Die Gemeinde steht bei den 31 Kommunen an 28. Stelle.

Der Gesamthaushalt liegt 2015 bei rund 2,2 Millionen Euro, wovon 884 860 Euro auf den Vermögenshaushalt entfallen, der die Investitionen einer Gemeinde enthält. Unter dem Strich ergibt das eine Steigerung von 12,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Baugebiet wird erweitert

Größter Brocken bei 828 000 Euro an Investitionen im Vermögenshaushalt sind die Baumaßnahmen (772 000) mit dem Schwerpunkt Erweiterung des Baugebiets Schupfäcker. Weitere Punkte sind die Ausgaben für die Feuerwehr (24 000), da der Digitalfunk eingeführt wird, die Planungskosten für den DSL-Ausbau und die Sanierung des Kriegerdenkmals.

Haupteinnahmequellen sind wie gehabt der Anteil an der Einkommenssteuer (360 460) und die Schlüsselzuweisung (289 000). Davon geht aber die Kreisumlage (257 449) ab, die nach Worten des Bürgermeisters nicht den richtigen Namen hat, „da vom Casteller Betrag 106 000 Euro an den Bezirk fließen“.

Die VG-Umlage erhöhte sich um zehn Euro auf 95 Euro pro Kopf, was bei 827 Einwohnern einen Betrag von 78 565 Euro ergibt. Die Schulverbandsumlage liegt bei 38 200 Euro und der Beitrag für die Sing- und Musikschule bei 6120 Euro. Erfreut ist der Bürgermeister, weil bei den Schülern Castell nicht im Trend sinkender Zahlen liege, sondern Konstanz aufweise. Für den Kindergarten muss die Gemeinde rund 100 000 Euro aufbringen. Als „wichtigen Indikator dafür, dass der Verwaltungshaushalt in Ordnung ist“, bezeichnete Kramer die Zuführung zum Vermögenshaushalt, die in diesem Jahr bei 211 000 Euro liegt. Vom Freistaat gibt es eine Investitionspauschale von 126 500 Euro, die freie Finanzspanne liegt insgesamt bei 638 000 Euro. Für die Mehrausgaben im Vermögenshaushalt werden den Rücklagen 190 000 Euro entnommen; die Gemeinde muss keine Kredite aufnehmen.

Der Schuldenabbau schreitet voran: Von 640 000 Euro Minus im Jahr 2007 sind 2015 254 000 Euro übrig geblieben, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 305 Euro entspricht (Landesdurchschnitt: 569 Euro). „Und wenn wir die Rücklagen einkalkulieren, sind wir so gut wie schuldenfrei, aber wir werden deshalb nicht übermütig werden“, lautete die leise Mahnung des Bürgermeisters. Die Rücklagen betragen am Jahresende 473 000 Euro, „wenn alles planmäßig abläuft“.

Was der Bürgermeister in seinem Statement ausgedrückt hatte, bestätigte Kämmerin Angela Ross: „Eine stabile finanzielle Entwicklung und eine sparsame Haushaltsführung über Jahre hinweg erlauben investive Maßnahmen“.