Still wurde es in den Reihen der Fünftklässler, als der Brief von Gefängnisseelsorger Georg Ruhsert verlesen wurde: „Ich möchte euch Danke sagen für die tolle Plätzchenaktion. Wir bringen am 23. Dezember jedem Gefangenen eine Tute von euren Platzchen als Weihnachtsgruß in die Zelle. Und ich werde naturlich erzahlen, dass ihr die gebacken habt. Ich bin mir sicher, dass sie deshalb fur viele Haftlinge etwas ganz Besonderes sein werden; denn sie bedeuten: Da interessieren sich vollig unbekannte Funftklasser dafur, wie es mir als Gefangenem geht! Und das hilft ein bisschen, wenn die Weihnachtstage in der Zelle schwer werden.“ Ruhsert ist Seelsorger in den Justizvollzugsanstalten (JVA) Würzburg und Schweinfurt.

Schon seit drei Wochen machen sich die Fünftklässler des Egbert-Gymnasiums Münsterschwarzach im Religionsunterricht Gedanken, wie Weihnachten wahrhaftig zu feiern sei, teilt die Schule mit. Dabei gab es auch Diskussionen, zum Beispiel darüber, ob man trotz Schuld Geschenke verdient habe. Beim gemeinsamen Nachdenken entdeckten die Kinder selbst, dass es keinen Menschen ohne Schuld gibt und dass man Geschenke nicht verdienen, sondern einfach nur unverdient empfangen kann.

In der Schulkapelle hörten sie eine Geschichte über die verwandelnde Kraft der Liebe. Jeder Mensch lebt von dem Ansehen, dass er in den Augen anderer hat. Und wenn man, trotz begangener Schuld, nicht mehr als Verbrecher, sondern als Mensch angesehen wird, dann kann etwas Neues beginnen.

Die vielen gefüllten Plätzchentüten, die von den Kindern zusammengetragen wurden, möchten ein Zeichen des freundlichen Ansehens sein. Und so endet der Brief des Gefängnisseelsorgers an die Kinder so: „Weihnachten ist für viele Gefangene die schlimmste Zeit. Aber es hilft ihnen, dass sich jemand für ihr Leben, für ihre Geschichte interessiert. Mancher wird nach der Entlassung wieder rückfällig, vielen bleiben aber auch positive Erfahrungen, die ihnen später im Leben helfen.“