Jetzt steigt auch die Stadt Prichsenstadt in das Förderverfahren Bayerische Gigabitrichtlinie ein. Das ist gewissermaßen der Nachfolger des eingestellten Höfeprogramms, mit dem in ländlichen Gebieten etwa Einsiedlerhöfe ans schnelle Internet angeschlossen werden sollten. Das war daran gescheitert, dass bei der Markterkundung kein Unternehmen wirkliches Interesse an diesem Programm gezeigt hatte. Mit 17:0 beschloss der Stadtrat am Donnerstagabend, die Verwaltung mit der Einleitung der notwendigen Schritte zur Gigabitrichtlinie zu beauftragen.

Gefördert werden schnelle Zugänge mit Glasfaser in Gebieten, die ein "grauer oder weißer Fleck" sind und in denen kein Netz vorhanden ist, das zuverlässig mindestens 100 Megabit (MBit) für Privatanschlüsse und mindestens 200 MBit für Gewerbebetriebe überträgt. "Ein solches Netz wird in den kommenden drei Jahren von Privatanbietern wahrscheinlich nicht errichtet", sagte Bürgermeister René Schlehr. War das Erschließungsgebiet des Höfeprogramms noch anhand der Landkarte festgelegt worden, sind nun die eigentlichen Hausanschlüsse die Grundlage.

Schler: Gute Möglichkeit, dass sich Prichsenstadt weiterentwickeln kann

Ändern wird sich auch die Förderung. Gab es im Höfeprogramm noch zwischen 500 000 und 950 000 Euro, werden nun die einzelnen "Adressen" gefördert: zwischen 2 500 und 15 000 Euro. Wer sich entscheidet, an diesem Programm teilnehmen zu wollen, kann als Privatperson mit mindestens 200 MBit und als Gewerbebetrieb mit mindestens 1 Gigabit (1000 MBit) rechnen.

"Das ist eine gute Möglichkeit, dass sich Prichsenstadt weiterentwickeln kann", warb Schlehr für das neue Förderprogramm. Aufgrund der Corona-Pandemie würden die Bürger von daheim aus verstärkt aufs Internet zugreifen, etwa beim Homeoffice, dem Homeschooling oder auch beim Streaming von Filmen und Serien. "Wir brauchen diese Infrastruktur, und das wird zukünftig noch viel mehr werden", so Schlehr weiter.

Nun müsse der Rat seinen Eigenanteil an der Finanzierung, dessen Höhe der Bürgermeister in der Sitzung noch nicht beziffern konnte, "in die Hand nehmen". Die eigentliche Umsetzung käme auf den Anbieter an, so Schlehr auf Anfrage von Werner Hillger. Ohne den Namen eines großen deutschen Telekommunikationsanbieters zu nennen wagte Schlehr die Prognose, "dass sich die Gigabitrichtlinie wohl eher für einen Anbieter rechnen würde als das Höfeprogramm". Man sollte den Einstieg wagen, sagte Helmut Hümmer, "auf diese Weise können auch die Aussiedlerhöfe besser mitgenommen werden".