Was vor 20 Jahren nie denkbar war, wird heutzutage harte Realität: Die Verkaufspreise von Weinbergen haben in durchschnittlichen Lagen enorm abgenommen und nähern sich immer mehr dem Preisniveau für Acker- und Gründlandflächen an. "Bald kosten die Äcker mehr als die Weinberge", sagt der Rödelseer Weinguts-Chef Michael Melber und spielt damit auf ein Szenario an, das die Branche beschäftigt und vor allem die Hobbywinzer und Traubenerzeuger tangiert. Für viele Weinbergsflächen sind heute weit niedrigere Verkaufspreise zu erzielen als noch um die Jahrtausendwende.

Tendenz zu höheren Bodenpreisen

In den 1990er-Jahren waren die Weinberge viel mehr wert als heute, da wechselten Weinberge für 50 D-Mark (mehr als 25 Euro) pro Quadratmeter den Besitzer. Auch um die Jahrtausendwende brachten Rebflächen gutes Geld ein. Damals bewegte sich der Ackerpreis um die vier Mark, was meilenweit entfernt vom Niveau der Weinbergpreise war.

Für gute Ackerflächen heute acht Euro und sogar bis zu zehn Euro pro Quadratmeter bezahlt, weiß Wilfried Distler, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Kitzingen. "Die Tendenz zu höheren Bodenpreisen herrscht seit Jahren vor", so Distler. Alleine im Jahr 2018 sind die durchschnittlichen Bodenpreise in Bayern um 6,7 Prozent gestiegen. Die Zahl der kaufbereiten Landwirte und die Bewirtschafter der Flächen werden immer niedriger. Damit ist klar: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist längst noch nicht abgeschlossen. Dass sich die Flächen auf immer weniger Betriebe konzentrieren, bekommen gerade Feierabendwinzer immer mehr zu spüren.  

Pachtzins wird gedrückt

Viele Weingüter sind schon mit Flächen oder Erträgen gesättigt, was den Pachtzins drückt. Diese Entwicklung wird dadurch verstärkt, dass die EU im Jahr 2015 den Anbaustopp, der seit 1984 in Europa gegolten hatte, aufgehoben hatte. Nicht nur Politiker wie die heutige Bundestagsabgeordnete und ehemalige Europaparlaments-Abgeordnete Anja Weisgerber (CSU) haben sich im vergangenen Jahrzehnt gegen die Aufhebung des Anbaustopps gestemmt. "Auch wir als Fränkischer Weinbauverband haben unsere Stimme gegen die Abschaffung erhoben, leider erfolglos", erklärt dessen Geschäftsführer Hermann Schmitt. "Natürlich hatten wir in den 1980er-Jahren andere Trauben- und Pachtpreise", weiß Schmitt, doch der Strukturwandel und Generationswechsel hätten klare Tendenzen erzeugt.

Durch den nicht mehr existierenden Anbaustopp unterliegen Neuanpflanzungen weniger strengen Vorschriften. Deswegen ist es nicht verwunderlich, wenn heutzutage manche Steillagen-Rebflächen brach liegen. Denn seit 2015 können Winzer viele leichter relativ ebene Weinberge pflanzen, die einfacher zu bewirtschaften sind, weswegen der Bedarf an Kauf- oder Pachtflächen gesunken ist.

Obendrein nehmen Weingüter mit ausgeprägten Qualitätsstreben auch deswegen mehr Abstand vom Traubenzukauf, da die Eigenerzeugung die gewollte Qualität sichert. Dementsprechend befinden auch die Pachtzinsen für Weinberge im Vergleich mit den Jahren vor der Jahrtausendwende im Sinkflug. Einst hatte ein Verpächter als Faustzahl ein Drittel des Traubenertrags als Pachtzins bekommen. In der Dekade der Nachfrage-Spitze zahlten Weingüter gar eine Festpacht von über einem Euro pro Quadratmeter – diese paradiesischen Jahre für Verpächter sind längst Vergangenheit.

Selten Spitzenpreise 

Freilich werden heute für Spitzenlagen wie den Iphöfer Julius-Echter-Berg oder den Escherndorfer Lump immer noch sehr gute Kaufpreise auf den Tisch gelegt, doch sie machen nur einen Bruchteil der breiten Masse aus.

Laut den Daten der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim hat sich seit Aufhebung des EU-Anbaustopps im Jahr 2015 die Gesamtfläche im Fränkischen Weinland nur unwesentlich erhöht. Wies die LWG-Statistik für das Jahr 2000 noch eine fränkische Rebfläche von 6253 Hektar aus, sind es heute rund 6300 Hektar. Nur ist die Anzahl der Nebenerwerbswinzer merklich niedriger und die Durchschnittsfläche der Weingüter angestiegen, was den Strukturwandel und Generationswechsel belegt.

Wilfried Distler ist nach Feierabend Landwirt und Traubenerzeuger. Er gibt die gesellschaftliche Entwicklung zu bedenken, "dass ich als 44-Jähriger heute einer der Jüngsten im Weinberg bin, viele andere wollen sich die Handarbeit im Weinberg nicht mehr antun". Das Ende vom Lied: Es kommen immer mehr Weinberge auf den Markt als von den Weingütern her Nachfrage besteht.