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KITZINGEN

Schlappmaul: Zwischen Frontfrauen und Talkshow-Queens

Es ist ein gut gehütetes Geheimnis. Am Donnerstag, 11. Januar, wird um 12.30 wird bekannt gegeben, wer von den Kitzinger Narren als „Schlappmaul 2018" geehrt wird.
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Mögliche Schlappmäuler (von links im Uhrzeigersinn): Horst Lichter, Günter Grünwald, Marietta Slomka, Django Asyl, Christian Lindner, Andreas Nahles, Barbara Schöneberger, Reinhold Beckmann, Sahra Wagenknecht sowie Alexander Dobrindt. Foto: Fotomontage: Jutta Glöckner

Es ist wie immer ein gut gehütetes Geheimnis. Am Donnerstag, 11. Januar, wird es endlich gelüftet: Um 12.30 wird bekannt gegeben, wer von den Kitzinger Narren als würdig befunden wurde, den Titel „Schlappmaul 2018" zu bekommen. Oder anders gesagt: Wer wird Nachfolger von CDU-Mann Wolfgang Bosbach?

Wie das so ist bei Geheimnissen: Sie sorgen dafür, dass spekuliert wird. Wer hat aktuell das Zeug, ein – laut Satzung der Kitzinger Karnevalsgesellschaft – „schlagkräftiges Wort“ zu führen und verfügt zudem über eine „gar trefflich lockere Zunge“?

Spekulieren wir also im Vorfeld ebenso wild wie kräftig in der Gegend herum. Würde das Schlappmaul einer Partei angehören, so wäre es wohl die FDP. Regelmäßig tauchen die Freien Demokraten als Preisträger auf. Urgestein Wolfgang Kubicki ist seit seiner Ehrung 2013 vor lauter Begeisterung inzwischen sogar Stammgast bei den Ordensverleihungen.

Lindners Ein-Mann-Show

Zuletzt konnte die FDP-Frau Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vor zwei Jahren den Preis einheimsen. Falls der ehemaligen FDP-Bundesjustizministerin wieder ein Parteifreund nachfolgt, könnte das diesmal nur einer sein: Christian Lindner. Auf ihn war der jüngste Bundestagswahlkampf seiner Partei zugeschnitten, er ließ die Jamaika-Verhandlungen mit einem Urknall platzen. Eine Ein-Mann-Show – das schreit fast nach dem Schlappmaul.

Vielleicht macht's aber auch die politische Konkurrenz? Linken-Frontfrau Sahra Wagenknecht gehörten zweifelsohne auch 2017 wieder viele Schlagzeilen. Einmischen, klare Kante zeigen – dafür steht Wagenknecht. Eine moderne Jeanne d'Arc. Und Talkshow-Queen ist sie sowieso.

Vor jeder Fernsehkamera

Gut stehen die Schlappmaul-Sterne sicher auch für Alexander Dobrindt. Er unterhielt das Wahlvolk erst als Verkehrsminister und Mautspaßmacher. Neuerdings springt er als Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag vor jede Fernsehkamera.

Was auch für Andrea Nahles gilt: Die ehemalige Ministerin und jetzige Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion sang schon im Bundestag, haut der politischen Konkurrenz gerne mal „auf die Fresse“ und schreckt selbst vor „Bätschi, Bätschi“ nicht zurück – das reicht eigentlich für mehrere Schlappmaul-Preise.

Oder wird die Ehrung am Rosenmontag, 12. Februar – erstmals in der Florian-Geyer-Halle – ein Kabarettist entgegennehmen? Django Asül und auch Günter Grünwald beispielsweise.

Beide bürgen seit Jahren für beste Comedy-Unterhaltung aus Bayern und würden auch in Kitzingen das geneigte Narren-Publikum ganz sicher gut unterhalten.

Erfolgreicher Dauerbrenner

Womöglich macht aber wieder ein Moderator das Rennen? Barbara Schöneberger wäre hier die erste Ansprechpartnerin: Sie moderiert alles weg und verstummt quasi nie. Was auch für Horst Lichter gilt, der mit „Bares für Rares“ schon seit Jahren einen ungewöhnlich erfolgreichen Dauerbrenner liefert.

Gerne genommen werden von der Jury auch Sport-Kommentatoren – die Palette reicht inzwischen von Waldemar Hartmann bis Marcel Reif. In diesem Fall wäre Reinhold Beckmann an der Reihe, der sich Mitte vergangenen Jahres von der ARD-Sportschau zurückgezogen hat und auf eine ansehnliche Karriere zurückblicken kann.

Womöglich kommt doch wieder alles anders – und die Wahl fällt mit Marietta Slomka auf eine Nachrichten-Frontfrau. Jedenfalls brachte sie mit ihren Heute-Journal-Interviews schon so einige Politiker ins Schwitzen.

Das Kitzinger Schlappmaul

Der Vorverkauf zur Rosenmontagssitzung in der Florian-Geyer-Halle mit der 34. Schlappmaulorden-Verleihung 2018 läuft seit Mitte Dezember. Karten gibt es in Kitzingen in der Buchhandlung Schöningh. Erstmals wird der Preis in der Florian-Geyer-Halle vergeben. Grund: Statt zwei findet nur noch eine Prunksitzung statt. Der bisherige Standort, das Kitzinger Dekanatszentrum, bietet nur die Hälfte der Plätze. Das erste Schlappmaul war im Jahr 1990 der Sport-Moderator Bernd Heller, gefolgt von Wolfgang Bötsch, Jürgen Möllemann und Hans-Dietrich Genscher. Weitere berühmte Schlappmäuler waren unter anderem Helmut Kohl (2000) und Guido Westerwelle (2002).
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