Eine prima Stimmung wie eh und je herrschte am Sonntag beim Kirchweihumzug in Sickershausen. Auch wenn die Herbstsonne schien, war doch nicht alles eitel Sonnenschein, denn Christian Kehrer und Martin Köhler legten mit ihrem Wagen Finger in vorherrschende Wunden. Provokant legten sie sich in ein Bett um damit plakativ darauf hinzuweisen: "Ja mei, langsam schläft unner Dorf ei".

Sie prangerten an, dass mittlerweile weder Bäcker, Metzger noch eine Wirtschaft noch vorhanden seien und machten sich auch Sorgen, wie lange es denn die Zweigstelle der Raiffeisenbank noch geben werde. "Kindergarten statt Sickerhalle?" fragten sich die beiden und vermissten die nachrückende Jugend. Daneben monierten sie, dass es seit Jahren keinerlei Bauplätze mehr im Kitzinger Stadtteil gibt.

Einzelne Gruppen haben Wagen für Umzug gebaut

Derweil ließen sich prominente Damen und Herren der Kommunalpolitik mit Landrätin Tamara Bischof, Landtagsabgeordnete Barbara Becker, Oberbürgermeister Stefan Güntner sowie die Sickershäuser Ratsmitglieder Nina Grötsch, Christa Büttner und Klaus Sanzenbacher gut gelaunt in einer Pferdekutsche durch Dorf chauffieren. Junge Buben führten den von vielen Schaulustigen verfolgten Umzug mit dem Motto- und Schnitthapples-Schildern an.

Die teilnehmenden Gruppen hatten ansehnliche Wagen gebaut wie den Prinzessinnenwagen der Weinhoheit Ina Borawski. Als mobiles Impfteam kam der Kartverein daher und die Geometer frönten dem Marktstefter Gerstensaft in ihrem "Geoloon". "Seit unserem Gründungsjahr feiern wir die Meisterschaft jedes Jahr", prangte in großen Lettern am Wagen des FC-Bayern-Fanclubs und weitere Gruppen und Musikkapellen sorgten für einen lebendigen Umzug.

Plaudereien aus dem Nähkästchen

"Der Pfarrer hat’s vorgmacht - und ich machs nach", leitete Thomas Beer seine Kirchweihpredigt ein und versicherte: "dass wir auf unsere Dorfgemeinschaft stolz sein können", angesichts einer zumindest kleine Kirchweih. So hätten die Anna und Nina in den trostlosen Corona-Zeiten jede Woche zum Schoppen eingeladen und viele hätten begeistert mitgemacht. Der Prediger beklagte ein eigene Dilemma als sein Auto in Nürnberg abgeschleppt worden war, wofür er 130 Euro blechen musste. Zudem gab er auch die Probleme seiner Tochter an der Corona-Teststrecke zum Besten.

Thomas Beer plauderte aus dem Nähkästchen als er den mehrere Hundert Euro teure Besuch einer Stripperin bei einem Junggesellenabschied berichtete. Zum Brüllen war die Malaise eines E-Bikers, der mit leerem Akku aus Wiesenbronn zurück nach Sickershausen plagen musste. Weiter spottete er über Missgeschicke beim Bahnfahren und vergessenen Autoschlüsseln, den Begleiterscheinungen einer Corona-Kontrolle der Polizei.

Schubkarrenrennen als Abschluss

Froh sei derweil ein in Quarantäne verdingter Sickershäuser gewesen, dem sein Kumpel pro Quarantäne-Tag einen Kasten Bier eingekauft hatte. Wenig begeistert sei ein Mann darüber gewesen, dass seine gekauften Möbel nach sieben Monaten geliefert wurden. Kurios entpuppte sich die Ausrede eines Spielers beim Training der Alten Herren, denn er sei zu spät gekommen weil er mit den Hausaufgaben nicht eher fertig geworden sei.

Die Sickershäuser scheuten sich nach dem Kirchweihausfall im Vorjahr nicht, außer den Feierlichkeiten in der Sickerhalle, und wurden mit problemlosen Verläufen der Brauchtumsveranstaltungen wie Umzug und Rathaussturm belohnt. Den Abschluss bildeten das Schubkarrenrennen und die Dorfmeisterschaft vor der Sickerhalle.