"Es geht wieder einmal um das geplante Baugebiet Am Graben", kündigte Bürgermeisterin Gerlinde Stier zu Beginn der Sitzung des Marktgemeinderates am Dienstagabend im VfL-Sportheim an, nachdem die Teilnehmer negativ auf das Corona-Virus getestet worden waren.

Bürgermeisterin, VG-Mitglieder, Ratsrunde und Tobias Schramm vom Planungsbüro TIG Ingenieure stellten die Weichen dafür, dass das Baugebiet am Westrand der Ortschaft endlich verwirklicht werden kann, die entsprechenden Satzungsbeschlüsse wurden einstimmig mit dem Zusatz gefasst, dass neben der ortsüblichen Bekanntmachung auch die im Internet erfolgen wird. "Das ist jetzt der dritte Anlauf, der aufgrund der fehlenden Veröffentlichung notwendig wurde", stellte die Bürgermeisterin fest.

Gemeinderat segnete Stellungnahmen ab

Noch einmal notwendig wurden am Dienstagabend die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange (TÖB) und Bürger zur Aufhebung des Bebauungsplans vom 19. November 2018 und zum rückwirkenden Inkraftsetzen der Satzungsbeschlüsse zu Aufhebung und Aufstellung des Bebauungsplans zum 18. Dezember 2020 im Parallelverfahren. Für das dritte Verfahren lagen die Unterlagen vom 9. April bis 10. Mai 2021 aus.

Das Planungsbüro wertete Stellungnahmen, Bedenken und Anregungen aus, das Ratsgremium segnete alle diesbezüglichen Kommentare zur Aufstellung des Bebauungsplans einstimmig meist mit dem Zusatz ab, "dass Veränderungen an der Bauleitplanung nicht veranlasst sind". Zur Aufhebung des Bebauungsplans wurden von Bürgern keine Einwände, Anregungen, Hinweise oder Bedenken vorgebracht. Die Stellungnahmen der TÖB, des Planungsbüros und der Verwaltung wurden von Tobias Schramm verlesen.

Bauernverband bezweifelt Bedarf an Baugebiet

21 TÖB äußerten sich nicht noch einmal, weitere verwiesen auf frühere Stellungnahmen, wie zum Beispiel die Höhere Landesplanungsbehörde der Regierung von Unterfranken. Zur Aufstellung des Bebauungsplans äußerten sich 18 TÖB nicht noch einmal, weitere TÖB gaben zwar eine Stellungnahme ab, hatten jedoch keine weiteren Anmerkungen gegenüber der ursprünglichen Beteiligung oder bezogen sich auf ihre ursprüngliche Stellungnahme.

Der Bayerische Bauernverband bezweifelte den Bedarf neuer Baugebiete aufgrund des Rückgangs der Bevölkerung. Dem wurde entgegen gehalten, dass für Kleinlangheim eine Bevölkerungszunahme prognostiziert ist und der Baugebietbedarf zur Weiterentwicklung der Gemeinde in der Begründung "ausführlich und fundiert" dargelegt ist. Die Höhere Landesplanungsbehörde wollte den Umfang der Planung nochmals überdacht sehen.

Dazu kam die Erklärung, dass zwischenzeitlich für die 33 geplanten Grundstücke Interesse besteht, "obwohl das Baugebiet bisher nicht aktiv beworben wurde". Das staatliche Bauamt stellt fest, dass zur verkehrsgerechten Anbindung des Baugebiets an die Staatsstraße 2272 eine Vereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Straßenbaulastträger getroffen wurde.

Hinweise des Wasserwirtschaftsamts

Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Aschaffenburg gab verschiedene Hinweise, wie zum Beispiel auf die sparsame Verwendung des Trinkwassers, auf Abwasserbeseitigung und Gewässerschutz oder auf den Schutz vor Starkniederschlägen, der durch geplanten Graben am Südwestrand und den Graben entlang der Staatsstraße erzielt wird, wie der Kommentar lautet.

Der Bund Naturschutz verweist auf die Pflicht des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden und fordert standortgerechte und heimische Gehölze für die öffentlichen Grünanlagen, was durch die Pflanzliste gewährleistet ist, wie der Kommentar besagt. Einwände, Anregungen, Hinweise und Bedenken von zwei Ehepaaren bezogen sich auf die eventuelle Rückführung des Feldwegs auf das ursprüngliche Niveau nach der Erschließung, was nach den Leitungsverlegungen geschehen wird, wie die Antwort lautet.

Langer und steiniger Weg zum Baugebiet ist zu Ende

Bemängelt wird die fehlende Verbindung des muldenförmigen Anwandwegs zum Regenrückhaltebecken. Der Weg soll bei Starkniedereschlag das Oberflächenwasser aus den angrenzenden Grünflächen zur Versickerung bringen und auch in das Regenrückhaltebecken entwässern, "somit ist ein maximaler Schutz für die westlich gelegenen Altanlieger gegeben", wie die Planungsstellungnahme lautet. Verwiesen wird zudem auf den Klimawandel und seine eventuellen Folgen. Eine angeregte Reaktivierung des Baugebiets "Am Geißberg 2" ist nach Aussage von Planung und Verwaltung aufgrund der Nähe zur Autobahn nicht möglich.

"Wir haben einen langen und steinigen Weg hinter uns mit einer einstweiligen Verfügung gegen das Baugebiet, einem Normenkontrollverfahren und einer Petition an den Landtag", fasste die Bürgermeisterin die bisherige Entwicklung zusammen. Sie bedauerte, dass die Gemeinde dadurch um fast eineinhalb Jahre zurückgeworfen wurde, "aber ich habe jetzt die Hoffnung, dass es planmäßig weiter geht und dass heute der letzte Schritt getan wurde. Wir brauchen das Baugebiet, es besteht sehr große Nachfrage".