Das große Ausräumen in St. Nikolai hat begonnen. Bereits am Dreikönigstag hatte die evangelische Kirchengemeinde von Marktbreit den letzten Gottesdienst vor der Innensanierung der Kirche gefeiert und war danach ins Gemeindehaus gezogen. Jetzt folgten viele Gegenstände auf diesem Weg.

Rund 20 fleißige Helferinnen und Helfer fanden sich Samstag früh in St. Nikolai ein. Außen erstrahlt die evangelisch-lutherische Kirche schon in neuem Glanz; jetzt beginnen die Arbeiten im Inneren.

St. Nikolai ist in ihrer jahrhundertelangen Geschichte mehrfach umgestaltet und baulich verändert worden. 1293 wird erstmals eine Nikolai-Kapelle erwähnt, bevor diese 1324 Pfarrkirche wird. Ursprünglich, so steht auf einem Schild zu lesen, war es eine mittelalterliche Kirchenburg. Das Turmuntergeschoss ist als frühgotisch datiert, der Chor spätgotisch, das Langhaus wurde 1438 errichtet.

1960 erfolgte die bisher letzte Umgestaltung

1960, so berichtet es die Chronik, wurde die Kirche neugestaltet. Von der einst dreigeschossigen Empore bleibt nur die Fürstenloge an der Nordseite. Neue Emporen entstehen an der Südseite und an der Westseite. Die Orgel kommt auf die Westempore.

An den Emporen befinden sich Gemäldetafeln, die sogenannte Armenbibel. Da die südliche Empore nun zurückgebaut wird, damit mehr Licht durch die Fenster in den Kirchenraum scheinen kann, muss für die Armenbibel eine neue Lösung gefunden werden, über die noch diskutiert wird.

Jetzt ging es aber erst einmal ans Ausräumen. Umzugs- und Bananenkartons stapelten sich im Gang. Rasch füllten sie sich mit kleineren Gegenständen. Vor der Kirche warte ein Auto mit Anhänger darauf, befüllt zu werden. Einige hundert Meter weiter im Gemeindehaus lud eine andere Gruppe alles wieder aus und verteilte die Dinge auf verschiedene Räume im Gemeindehaus.

In der Kirche wurde meist rasch entschieden, was ins Gemeindehaus zur Aufbewahrung während der Sanierungsphase kommt oder, was "weg kann". Einige Dinge, wie zum Beispiel sehr gut erhaltene gusseiserne Christbaumständer, sollen über Ebay an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Die Helferinnen und Helfer schleppten Tische, Stühle oder Schränke ins Freie. Kerzenständer und Kerzen folgten. Die Orgelliteratur wurde ebenso sorgsam verpackt wie die Krippe, die Dornenkrone oder die Heilige Schrift. Auch ein Schokoladennikolaus von der Orgel wurde mitgenommen.

Manche Gegenstände trugen die Freiwilligen per Hand ins Gemeindehaus, damit diese keinen Schaden durch den Transport nehmen. Dazu zählte zum Beispiel das Kreuz, das, wie eine Inschrift bezeugt, 1675 der Kirche gestiftet wurde.

Viele der historischen, mindestens 200 Jahre alten Dachziegel, die man gegen eine Spende zugunsten der Kirchensanierung erwerben kann, wurden ins Gemeindehaus gefahren, ebenso alte Klingelbeutel und ein Teppichklopfer. Letzter diente der Reinigung eines Teppichs vor dem Altar. Die Bilder der Armenbibel und eine alte Fahne blieben aber noch in der Kirche. Darum kümmert sich ein Restaurator. 

Jetzt muss noch die Elektrik abgeschaltet werden. Erst dann können die Bankheizung abmontiert und die Bänke herausgenommen werden. Die meisten Bänke, nämlich zwölf bis 13 Reihen, sind bereits an Interessenten vergeben, denn künftig wird die Kirche bestuhlt sein.

Derzeit läuft noch die Ausschreibung für die Rohbauarbeiten. Wenn alles vergeben ist, beginnen die Arbeiten mit der Herausnahme des Bodens, in dem dann eine Fußbodenheizung verlegt werden soll.