Volkach/Astheim — Rund 1 000 Schaulustige verfolgten das Einschwimmen der 1 100 Tonnen schweren neuen Mainbrücke von Volkach über den Fluss ans andere Ufer.
Es war ein Tag, den Jung und Alt nicht so schnell vergessen werden. Vom aufgeweckten Säugling bis zum rüstigen Senioren zeigten sich alle Altersgruppen als Brückenfans. Die dichten Nebelschwaden, die das Geschehen am frühen Morgen wie eine Dunstglocke einhüllten, lösten sich mit dem Augenblick auf, als der riesige Stahlkoloss gegen 13.30 Uhr die Astheimer Seite erreichte. Ab diesem Zeitpunkt, dem die Zaungäste beharrlich entgegenfieberten, strahlte der Himmel von seiner schönsten Seite.
Schon um neun Uhr hatten sich die ersten Besucher am Schauplatz des Einschwimmens eingefunden. Einige verfolgten das Geschehen am Wohnmobilstellplatz am Volkacher Ufer. Andere suchten sich den besten Platz zum Zuschauen auf dem Gehweg der alten Mainbrücke oder am Astheimer Ufer aus. Nach den letzten Vorbereitungen auf der "Brückenwerft" hieß es gegen 10.30 Uhr "Leinen los" für die 120 Meter lange Stahlbogenkonstruktion, deren Spitze mit Schwerlastfahrzeugen auf einem großen schwimmenden Ponton positioniert wurde. Knapp drei Stunden dauerte die Überfahrt im Schneckentempo, die mittlerweile Massen von Schaulustigen verfolgten.
Auf der alten Brücke lief der Verkehr ungehindert weiter, auch wenn der eine oder andere Autofahrer kurz anhielt, um einen visuellen Schnappschuss von dem Spektakel zu erhaschen. Alle Hände voll zu tun hatte Polizeibeamte, die den uneinsichtigen Zuschauern, die sich auf der engen und für Fußgänger gefährlichen Seite der alten Mainbrücke postiert hatten, einen Platzverweis erteilen mussten. Millimeter um Millimeter rollten gegen 15 Uhr die schweren Brummis mit ihrer Tonnenlast vom Ponton herunter auf die eigens angefertigten Rampen am Astheimer Ufer. Gut drei Stunden dauerte es, bis die Brücke auf den Pfeilern in exakter Position aufgesetzt wurde.
"Wir waren schneller als unser vorgegebener Zeitplan", sagte der örtliche Bauleiter vom Staatlichen Bauamt Würzburg, Jens Brust, gegenüber unserer Zeitung. Bereits um 17.30 Uhr konnte deshalb die Schifffahrt auf dem Main wieder frei gegeben werden.
Die Feinjustierung der Stahlkonstruktion auf den beiden Brückenfundamenten war bis gegen 19 Uhr abgeschlossen.
Einem kleinem Volksfestplatz glich das Gelände der Firma LZR am Astheimer Ufer. Dort versorgte die örtliche Festgemeinschaft die hungrigen und durstigen Menschen mit Nahrung und Getränken, die bitter nötig waren, um die lange Einschwimmzeit von gut zehn Stunden durchzuhalten. An einem Stand informierten die Stadt und das Bauamt über die Details des Brückenneubaus. Über Lautsprecher wandten sich Volkachs Bürgermeister Peter Kornell und Tourismuschef Marco Maiberger an die Gäste, gingen auf die Hintergründe des Brückenbaus und die Geschichte der alten Mainbrücke ein, die im kommenden Jahr abgerissen wird.
Zu jeder vollen Stunde gaben sie den jeweiligen aktuellen Stand des Fortschritts beim Einschwimmen bekannt. Das Stadtoberhaupt strahlte: "Das ist für die Stadt, die Region und für mich ein ganz besonderer Tag". Zwar müsse man die Brücke diesmal nicht mitfinanzieren, aber die Volkacher seien mit Herzblut dabei. "So etwas erlebt man in seinem Leben nur einmal", betonte er gegenüber der "Kitzinger". Mit der neuen Brücke könne der Verkehr künftig ohne Engstellen zügig fließen. "Für Fußgänger und Radfahrer ist das in Zukunft eine komfortable und sehr sichere Situation."
Den kompletten Abriss der alten Brücke, die den Volkachern ans Herz gewachsen sei, bedauerte Kornell. Er hätte sich gewünscht, dass ein Stück der alten Brücke auf Astheimer Seite erhalten bleibt. Doch das sei an den notwendigen Geldmitteln gescheitert.
Nach dem Abriss soll lediglich ein kleines Teilstück der 60 Jahre alten Pionierbrücke mit zehn Meter Länge als Denkmal aufgestellt werden.