Die Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid aus Kitzingen (LZR) darf in Düllstadt auf einer Fläche von 55 000 Quadratmetern Sand abbauen. Weil das Gelände unmittelbar an die Wohnbebauung angrenzt, genehmigte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstag das Vorhaben unter Auflagen. Unter anderem wurden ein Lärm- und Staubschutzwall sowie der Abbau innerhalb von zwei Jahren gefordert. Vier Ratsmitglieder stimmten nach regen Diskussionen gegen das Vorhaben, gegen das sich auch eine Düllstadter Interessengemeinschaft (IG) ausgesprochen hatte. Die Planung wird nun dem Landratsamt Kitzingen zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt.

Vor einem Jahr stellte LZR das Vorhaben südlich des Baugebiets Koppelwasen in Düllstadt im Gemeinderat vor. "Der Abstand zu den Häusern beträgt lediglich 30 Meter", erläuterte Bürgermeister Volker Schmitt. Um die Anwohner vor Lärm und Staub zu schützen, soll ein drei Meter hoher Wall aufgeschüttet werden. Die Maßnahme werde im Trockenbau durchgeführt, Wasserschichten seien nicht betroffen, erklärte das Gemeindeoberhaupt. Der Zeitplan für den Sandabbau sieht zwei Jahre vor, ist aber laut Schmitt "abhängig von der regionalen Nachfrage". Das Gelände wird nach Ausbeute rekultiviert. Bei der Wiederverfüllung fordert Schmitt Z0-Material. Die LZR-Planungen sehen Z1-Material vor.

Firma rechnet mit 20 Lkw-Fahrten pro Tag

Die Betriebsgenehmigung für die Sandgrube und die in unmittelbarer Nähe liegenden LZR-Tongrube soll Ende 2024 enden. Der Abtransport erfolgt über den eigenen Grund von LZR. Die Firma rechnet mit 20 Lkw-Fahrten pro Tag, so Schmitt. Zwei Drittel der Fläche sind für die Zukunft im Flächennutzungsplan der Marktgemeinde als Wohngebiet ausgewiesen.

Der Bürgermeister hatte dem Gremium auch die Anregungen der IG Düllstadt mit an die Hand gegeben. Deren Mitglieder äußerten Bedenken gegen das Projekt. Sie fordern, dass der Abstand zum Wohngebiet den rechtlichen Bestimmungen angepasst wird. Die IG hegt Zweifel an dem Gutachten bezüglich der Staubentwicklung und befürchtet Veränderungen am Grundwasserspiegel sowie eine massive Staubentwicklung durch Laster und Bagger. Mit einer Unterschriftenliste gegen den Sandabbau bekundete die IG, dass "die große Mehrheit der Düllstadter Bürger gegen den Abbau und das geplante Vorgehen von LZR" ist. Die Meinungen im Gemeinderat gingen auseinander. Max Hegler sprach sich gegen das Projekt aus: "Das ist mir viel zu nahe am Wohngebiet dran. Ich bin gegen den Sandabbau." Ähnlich sah es Simon Weckert: "Das ist eine Zumutung für die Bewohner von Düllstadt, die in den nächsten Jahren durch die Dorferneuerung genug belastet sind."

Verständnis für LZR zeigte Hartmut Ratz. Rohstoffe seien notwendig. "Wir weisen Baugebiete aus und die Leute müssen doch auch Baumaterial haben", so Ratz. Auch in Hörblach-Nord seien ähnliche Probleme und Bedingungen. Er stimme dem Vorhaben aber nur unter dem Vorbehalt zu, dass der Zeitplan eingehalten wird. Auch Peter Kuhn votete für den Sandabbau unter Einhaltung der Auflagen. Thomas Weckert meinte: "Die Abbaumaßnahme muss innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen sein, damit in Düllstadt wieder Ruhe einkehrt." Dass die Genehmigungsauflagen auch eingehalten werden, müsse kontrolliert werden, betonte Christoph Gerhard. Georg Ruhsert meinte: "Wir werden das nicht verhindern können, müssen aber darauf schauen, dass das Projekt für die Bürger erträglich ist."

Samstags soll nicht vor acht Uhr in der Früh begonnen werden

Lukas Bremer erinnerte an das bisherige Prozedere bei der LZR-Tongrube: "Auch die Genehmigung für die Tongrube musste immer wieder verlängert werden, weil LZR den Zeitplan einfach nicht eingehalten hat." Maria Fieber forderte bei den Abbauzeiten, dass samstags nicht vor acht Uhr in der Früh begonnen wird zum Schutz der Anlieger. Verwaltungschef Norbert Filbig sicherte zu, dass die Vorschläge der IG mit ans Landratsamt zur Prüfung gegeben werden.

Der gefasste Ratsbeschluss beinhaltet folgende Auflagen: Nach Abschluss der Wiederverfüllung muss LZR durch ein Bodengutachten eine ausreichende Tragfähigkeit des Untergrundes für eine spätere bauliche Nutzung nachweisen. Aufgrund der möglichen Folgenutzung als Baugebiet soll lediglich eine Verfüllung mit Z0-Material erfolgen. Die Nutzung des Abfuhrwegs auf öffentlichem Grund wird analog der Tongrube und dem Zwischenlagerplatz von LZR in Düllstadt bis zum 31. Dezember 2024 befristet. Alle im Antrag und im Immissionsgutachten genannten Angaben zu den Betriebszeiten, den benannten Maschinen und der Fahrwege sind zum Schutz der betroffenen Anwohner genauestens einzuhalten und zu überwachen.