"Den Bürgern zuhören, daraus möglichst viel mitnehmen" – unter diesem Motto arbeitet die Nordheimer Bürgermeisterin. Sie weiß aber auch: "Einem jedem Recht zu tun, ist eine Lebenskunst." Die 49- jährige Sibylle Säger, seit Mai neue Chefin im Rathaus, kann sich bei dieser Aussage auf eine zwölfjährige Tätigkeit im Gemeinderat stützen.

Dass Säger nicht "nur mit den schönen Seiten des Bürgermeister-Amtes, sondern auch mit Sorgenkindern der Gemeinde konfrontiert" wird, darüber ist sie sich im Klaren. Aber sie sagt: "Ich habe mich um dieses Amt beworben, weil ich weiß, dass es eine Arbeit ist, mit der man etwas bewirken kann." Schon in ihren ersten Ratssitzungen ließ sie Dynamik und Unternehmungsgeist erkennen und sorgte  bei der Aufgabenverteilung für klare Verhältnisse. So wurden alle Ratsmitglieder eingebunden und sie stellte klar: "Nur gemeinsam kann man viel erreichen."

Kindergarten hat höchste Priorität

Auf der Agenda der Gemeindechefin ganz oben steht der Neubau des Kindergartens, der neben dem Friedweinberg am Ortsrand von Nordheim in Richtung Volkach auf einer Gesamtfläche von 4000 Quadratmetern entstehen soll. "Ich freue mich tierisch auf diese Baumaßnahme", berichtet Säger und erklärt, dass mit der Baumaßnahme nach Abschluss der Weinlese begonnen werden soll. Die Gesamtkosten des Projektes, das 2022 beendet sein soll, belaufen sich voraussichtlich auf 4,5 Millionen Euro.

Der Kindergarten-Neubau ist für die Bürgermeisterin ebenso eine Herzenssache wie der 21. Terror-f-Punkt in Franken. Demnach soll der bis Ende September 2021 in der Nordheimer Weinbergsflur entstehen. Bekanntermaßen hat die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau mit der Förderung des letzten Terroir-f-Punktes Nordheim bedacht und somit diese touristische Aufwertung ermöglicht. "Auch Freizeitmaßnahmen wie das "Weinkino" und das "Wetterhäuschen" stehen im Flurbereinigungsprojekt 5 in den Startlöchern, berichtet Säger.

Bewässerungsprojekt wartet auf staatliche Förderung

Dringend notwendig ist aus ihrer Sicht das Bewässerungsprojekt, mit dessen Bau auf dem Weinbergplateau ein Großteil der Weinberge bewässert werden könnte. In der jüngsten Ratssitzung wurden fünf Varianten mit Kosten zwischen zehn und 15 Millionen Euro vorgestellt. Nun liegt es an der Staatsregierung, ob die Gemeinde die erforderlichen Zuschüsse dafür erhält.

Auf der ellenlangen Vorhabensliste von Sibylle Säger stehen auch die Ausweisung von zwei kleineren Baugebieten, die Intensivierung der bestehenden Partnerschaft mit der elsässischen Gemeinde Nordheim, der Bau von Parkplätzen in unmittelbarer Ortsnähe und eine verstärkte Seniorenarbeit. Dabei könnte sich Säger durchaus vorstellen, die bisherige, dann nicht mehr genutzte Kindertagesstätteneinrichtung für die Versorgungs-Tagespflege für Senioren zu nutzen. Alles in allem ein großes Programm. "Mir schwirren noch zahlreiche Projekte im Kopf herum, aber ich habe am Abend keine Probleme abzuschalten", sagt Säger dennoch.

Die Bürgermeisterin wagt einen Blick in die Zukunft und äußert sich zum zunehmenden Tourismus an der Mainschleife. Das sei ein kompliziertes Thema: "Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu viel wird." In diesem Zusammenhang bringt sie ein Sorgenkind der Gemeinde, nämlich den Kanu-Anleger mit Liegewiese an der Nordheimer Mainfähre, ins Gespräch. "Das Verhalten der hier oftmals zu vielen Badegäste bereitet mir große Sorge", berichtet die Gemeindechefin. "Der Fährbereich mit Inselstrand beschäftigt mich eigentlich sieben Tage die Woche", sagt Säger.

Aber alles in allen fühlt sie sich in ihrem neuen Amt "sehr wohl" und will die Winzergemeinde mit Herzblut und Gemeinschaftsgeist voranbringen.