Der 10. April 1945 gehört zu den traurigsten Tagen des Iphöfer Stadtteils Dornheim. An jenem denkwürdigen Tag wurde das Dorf im Zuge von Kriegshandlungen zu mehr 85 Prozent zerstört.

Bereits im Vorjahr musste eine geplante Gedenkfeier abgesagt werden. Unter ähnlichen Vorzeichen organisierten Ursula Berninger und Carmen Hardung-Albert nun einen Dorfrundgang, der Bildern vor und nach 1945 zeigt. Textbeiträge aus Zeitungen und Berichten steuerte Susanne Kornacker aus dem Stadtarchiv Iphofen bei. Der katholische Pfarrgemeinderat und der evangelische Kirchenvorstand unterstützten das Vorhaben. Will man alle 27 Stationen besichtigen, ist man etwa eineinhalb Stunden unterwegs.

Die beiden Initiatoren suchten im Vorfeld zahlreiche Bürger auf, sammelten Bilder und Berichte. Laminiert wurden die Unterlagen in einer dreistündigen abendlichen Aktion von Carmen Hardung-Albert; ihr Bruder Jonas hängte sie aus.

Eigentlich sollte das Material 2020 nach einem Gottesdienst gezeigt und anschließend in einer Ausstellung im Bürgerhaus gezeigt werden, erklärt Berninger. Aber das Material sprengte rasch den Umfang. Auch wegen Corona und der Abstands- und Hygieneauflagen wurde schließlich als Alternative der Rundgang gefunden.

Auftakt war eine ökumenische Andacht mit Pfarrerin Christine Kern und Pastoralreferent Peter Segna, die – um Abstände einhalten zu können – mit rund 50 Bürgern auf dem Friedhof stattfand. Zahllose Bürger nutzten den Sonntag zu einem Spaziergang im Familienkreis und staunten, was Berninger und Hardung-Albert "ausgegraben" hatten.

Blick in die Geschichte

Hier ein Blick zurück: Bereits am 9. April 1945 stand das Dorf im Brennpunkt der in der Hellmitzheimer Bucht auf breiter Front angreifenden US-Truppen, denen aus nur dünn besetzten deutschen Linien erbitterter Widerstand entgegen schlug.

Das Kommando über die deutschen Verteidiger hatte Oberstleutnant Cord von Hobe erst am Vortag übernommen. Anders als seinem Vorgänger gelang es ihm immer wieder, sich bei Angriffen zurück zu ziehen und die verlassenen Stellungen anschließend neu zu besetzen. Dabei mussten die Amerikaner erhebliche Verluste hinnehmen.

Sie antworteten mit Artilleriebeschuss und schließlich am 10. April 1945 mit dem Angriff von acht Tieffliegern, die das Dorf in kürzester Zeit mit Brand- und Sprengbomben in Schutt und Asche legten. 57 Häuser, 53 Scheunen und Ställe auf 84 Anwesen wurden zerstört, ein Einwohner kam ums Leben, bis der Bürgermeister das Dorf schließlich übergab.

Bitterer Blutzoll

Die deutschen Soldaten zogen sich verfolgt von den Amerikanern zum Forsthaus zurück. Rekruten der Panzerschule Erlangen (alle Jahrgang 1927) bildeten eine nur mit Handfeuerwaffen ausgerüstete sechsköpfige Nachhut, die in einem kurzen Rückzugsgefecht mit den nachstoßenden Panzern aufgerieben und eine Woche später am Waldrand beigesetzt wurde.

Die Einheit erlitt Tage später in Willhermsdorf erneut einen bitteren Blutzoll, als weitere 29 jugendliche Soldaten fielen.

Die Reservistenkameradschaft Kitzingen errichtete an den Waldgräbern eine Gedenktafel und erneuerte die Grabanlage 2013 mit Hilfe des Bauhofes Iphofen und des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK). Die Dorfgemeinschaft um Barbara Alt sorgt für die regelmäßige Pflege.

Der geschichtliche Rundweg bleibt bis zum 8. Mai bestehen.