Sie machen Dreck, Lärm und sind extrem hartnäckig. So sehr, dass ihnen der Spielplatz im Kitzinger Rosengarten – trotz vieler Proteste – weichen musste. Bald werden die Saatkrähen wieder einfallen, möglicherweise schon Mitte Januar, wie Vogel-Experte Robert Endres meint. Bis dahin könnten etliche alte Nester entfernt und mancher Landeplatz – per Astschnitt durch die Stadtgärtnerei – entschwunden sein.

Beim ersten Ei ist Schluss

Die Abwehrmaßnahmen der Stadt gegen die geschützten, aber oft auch lästigen Vögel, sind jedoch begrenzt. Was geht, hat die Obere Naturschutzbehörde in der Regierung von Unterfranken nach einem Ortstermin im November festgelegt. Immerhin: In der Kanzler-Stürtzel-Straße, wo auf bis zu acht Bäumen einzelne Brutpaare im Vorjahr siedelten, dürfen die Nester weg – aus Sorge vor Krankheitserregern, wie Frank Winterstein, Leiter des Amts für öffentliche Ordnung sagt. Ein Saatkrähen-Pärchen hatte sein Zuhause schließlich direkt vor einer Arztpraxis.

Ob die Nester-weg-Methode – geplant für Anfang 2017 – hilft, wird sich zeigen. Im Rosengarten jedenfalls war die Dickschädligkeit der Saatkrähen stärker. Die Vögel bauten nach diversen Entfernungsaktionen jedes Mal ihre Brutstätten neu ins Astgeflecht. Und dann war Schluss, nach den klaren Vorgaben der Regierung: „Sobald das erste Ei drin liegt, ist die Sache beendet“, betont Winterstein. So war's im Vorjahr im Rosenpark. Gleiches gilt für die Kanzler-Stürtzel-Straße.

Rückschnitt wegen aggressivem Pilz

Am Ort des verlorenen Ringens mit den Saatkrähen, da wo der Spielplatz den gesundheitsgefährdenden Ausscheidungen der Vögel weichen musste, kann die Stadt zumindest defensive Maßnahmen ergreifen. An einzelnen Bäumen im Rosengarten, die von einem aggressiven Pilz befallen sind, ist laut Winterstein ein kräftiger Rückschnitt erlaubt. Und dem dürften wohl auch die verwaisten Nester zum Opfer fallen, die weit oben im Geäst sitzen.

Null Eingreifen ist an den Bäumen an der B 8 – zwischen Falterturm und Zufahrt Friedenstraße – angesagt. Die Bäume seien weder krank, noch ein anderer Grund für ein Eingreifen gegeben, so Winterstein. Damit bleibt's, falls die Saatkrähen hier wieder einfallen, bei einer schnell mit Vogelexkrementen verschmutzten Fahrbahn und dem einen oder anderen Volltreffer auf Autoscheiben.

Vögel kommen wegen Schutz in die Stadt

Wann die Saatkrähen wiederkehren ist noch nicht ganz klar. Vogelfachmann Endres, der einstige Leiter der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (über 20 Jahre), ist sich nicht ganz sicher: „Es kann in zehn Tagen, aber auch erst in drei Wochen passieren.“ Derzeit seien die Vögel da, wo es genügend Futter gibt – in der freien Natur, meist an den Äckern, wo das Getreide aufgeht.

Da lassen sich die Saatkrähen laut Endres vornehmlich die Spitzen der jungen Halme schmecken. Erst kürzlich habe er zwischen der Lindelbacher Höhe und Kaltensondheim zwischen 150 und 200 Krähen beobachtet, die hier ihren Futterplatz hätten. Der wird erst verlassen, wenn die Brutzeit kommt. Da fliegen die Saatkrähen dahin, „wo der Schutz am größten ist“ – in die Stadt.