Wer einen Porsche fährt, hat es meist zu etwas gebracht. Die Sportwagen aus Zuffenhausen sind weltbekannt und mehr als ein Statussymbol. Kaum einer weiß heute noch, dass Porsche nicht nur Sportwagen baute, sondern Ende der 50er Jahre der zweitgrößte Traktorenhersteller Deutschlands war. 20 der Gefährten machen am Samstag in Mönchsondheim Station.

Rund 120 000 Fahrzeuge, in Sammlerkreisen liebevoll Rotnasen genannt, verließen zwischen 1950 und 1963 die Werkshallen der Porsche-Diesel Motorenbau GmbH in Marzell beziehungsweise Friedrichshafen. Der Name „Rotnase“ rührt von der langen Motorhaube und der porschetypischen feuerroten Lackierung her. 1963 rollten die letzten 16 000 Traktoren vom Band, dann wurde das Werk an Renault verkauft.

Im deutschen Traktorenbau ging eine Ära zu Ende und die Porsches wurden zu begehrten Sammlerobjekten. Je nach Typ und Zustand kann man einen der Rotnasen für laue 2500 Euro ergattern oder muss bis zu 20 000 Euro hinblättern. Für manche Sammler sind, angesichts von Micker-Zinsen bei den Banken, diese Liebhaberstücke inzwischen zu einer Kapitalanlage geworden.

Große Fangemeinde

Wie für fast alles, was alt ist und zwei oder vier Räder hat, gibt es auch für Porsche-Traktoren eine Fangemeinde. Zusammengeschlossen hat sie sich im Porsche-Diesel-Club-Europa kurz PDCE. Seine Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden. Rund 1000 Mitglieder zählt der Verein.

Knapp 40 Mitglieder, aus der Region Frankfurt-Spessart, waren am Samstag mit 20 ihrer Liebhaberstücke zu einem Ausflug in die Kirchenburg nach Mönchsondheim gekommen. Angereist waren die Trecker-Freunde teilweise sogar aus Rüdesheim, Fulda oder Offenbach aber auch aus dem Landkreis Kitzingen waren einige dabei, darunter Mitglieder der „Porschefreunde Willanzheim und Umgebung“.

Mit Tempo 20 unterwegs

Für die Gäste aus den weiter entfernten Orten war es eine Reise, bei der man Zeit und Muse hat, die Landschaft zu entdecken, denn die meisten der Oldtimer erreichen gerade mal 20 Stundenkilometer als Höchstgeschwindigkeit. Während die Fahrer und ihre Begleiter eine Führung durch das Museum genossen, versammelten sich um die Fahrzeuge die rings um die Kirchenburg parkten, kamen nach und nach immer mehr Mönchsondheimer und einige Tagesbesucher des Museums, um sich die Oldtimer anzusehen und über die Technik zu fachsimpeln.

Erstaunliches Detailwissen

Vor allem die Landwirte unter den Zaungästen bewiesen in Mönchsondheim ein Detailwissen über die luftgekühlten Fahrzeuge. Zu bestaunen waren der einzylindrige „Junior“ mit 12 bis 15 PS, Modelle der Baureihe Standard mit Zweizylindermotoren mit bis zu 30 PS oder einige der seltenen Typen der Reihe „Super“ mit Dreizylindertriebwerken. Ins Auge stachen ein orangefarbener und ein grüner Porsche-Allgaier, die aus den Anfangszeiten der Traktorenproduktion stammten.