Rosa und Raimund Krämer aus Mainbernheim sind seit 60 Jahren verheiratet. Am 12. November konnte aber wegen Corona nur ganz klein gefeiert werden. "Sonst mieten wir uns immer einen Saal", erzählt Rosa Krämer. Bei neun Kindern, 15 Enkeln und 14 Urenkeln ist das auch nötig. Nicht mehr lange wird es dauern, dann zählt auch der erste Ururenkel zur Familie.

Lichterzauber fällt aus

Die Familie Krämer aus Mainbernheim ist eigentlich deutschlandweit bekannt durch ihr alljährliches "Weihnachtshaus". Eine Idee, die sie vor zig Jahren aus Amerika mitgebracht haben. Dort nämlich sind zwei ihrer Töchter verheiratet. Doch in diesem Jahr wird der Lichterzauber ausbleiben. "Die Corona-Vorschriften wären nicht zu erfüllen", erzählt die 80-Jährige. Ein "Einbahnverkehr im Haus ist nicht möglich, auch müsste ständig desinfiziert werden." Sie und ihr Mann hoffen auf nächstes Jahr. Da soll dann auch die Diamantene Hochzeit groß nachgefeiert werden.

In Würzburg, wo Rosa damals in einem Hotel arbeitete, hat sie Raimund Krämer (81) kennengelernt. Abends sei sie ausgegangen. In einer Gaststätte beim Alten Kranen trafen sich die beiden zufällig. Als sie gemeinsam die Wirtschaft verlassen hatten, seien einige Burschen hinter ihnen hergelaufen und hätten Streit gesucht. Einer hatte Raimund Krämer dabei sogar mit einem Messer in den Daumen gestochen.

Den Mantel geliehen 

Da er dann noch mit dem Mofa nach Fahr am Main hatte fahren müssen, lieh sie ihm ihren Mantel. Den brachte er ihr natürlich später wieder. Ein Jahr waren sie dann zusammen, bevor sie in Birklingen, an ihrem neuen Wohnort, heirateten. Was damals gar nicht so einfach war. Sie war evangelisch, er katholisch. Sie entschloss sich dann zu konvertieren. Hatte Raimund zunächst als Schreiner gearbeitet, wechselte er später zum Bau.

Zwei Jahre weilten sie in Birklingen. Da es zum damaligen Zeitpunkt aber noch kein fließend Wasser gab, stand ein Umzug nach Volkach an. Dort wohnten sie direkt am Turm. Doch der Verkehr dröhnte in der Wohnung, ihr Kind schrie deswegen, weswegen sie nach drei, vier Jahren von Volkach nach Fahr zogen. Dort wollten sie eigentlich bauen, der Bauplatz war schon gekauft. Quasi in letzter Sekunde zerschlug sich ein eigentlich zugesagter kleiner, noch notwendiger Flächentausch. So kaufte die Familie mit ihren mittlerweile sechs Kindern das Anwesen in der Herrnstraße in Mainbernheim. Seit Dezember 1973 wohnen sie dort.

Flohmarkt-Fans

Gerne pflegen sie ihr Hobby, Flohmärkte zu besuchen. Von dort stammen auch die Möbel, die sie nach dem Brand ihres Hauses im Jahr 1992 kaufen mussten. Zusammen mit ihrer ältesten Tochter und deren Familie sowie dem jüngsten Sohn bewohnen sie heute das Anwesen.

In der Kirche hatten sie sich den Zusammenhalt in guten wie in schlechten Zeiten versprochen, also durch dick und dünn zu gehen. Es habe viele schlechte Zeiten gegeben, erinnert sich Rosa Krämer. "Das bindet", erklärt sie die 60 Ehejahre. Und fügt humorvoll hinzu, dass ihr Raimund eine Scheidung bei neun Kindern hätte gar nicht bezahlen können. Wobei sie sofort klarstellt: "Ich hätte keinen besseren finden können."

Zu dem Gratulanten zählte auch Bürgermeister Peter Kraus. Er überreichte vor dem Haus dem Jubelpaar Blumen und einen Mainbernheimer Bocksbeutel.