„Die Integration der vorderen Gebäude lief nie. “
Thomas Othmer Vertreter des Investors

Das Stimmungsbild zu den Plänen für das lange verwaiste Grundstück in der Kitzinger Schmiedelstraße 1 war deutlich: Der Verwaltungs- und Bauausschuss begrüßt einen Biomarkt auf dem 2000 Quadratmeter großen Areal, hält aber die Supermarkt-Architektur an der Ecke zur B 8 für höchst unpassend – mit Blick auf den benachbarten Luitpoldbau.

Nutzungspläne bisher gescheitert

Etliche Ausschussmitglieder sprachen sich am Donnerstagabend für den Erhalt der Stadtvilla Schmiedelstraße 1 aus.

Der Schatten der Abrissbirne über dem repräsentativen Gebäude hat seine Gründe: Alle Versuche, in den vergangenen Jahren eine sinnvolle Nutzung des Grundstücks – bei Erhalt der Villa – zu finden, seien gescheitert, so Bauamtschef Oliver Graumann. Der Vertreter des (nur der Stadt bekannten) Investors, Thomas Othmer von der Firma Zielinvesthaus (Winnenden), stieß ins gleiche Horn: „Die Integration der vorderen Gebäude lief nie.“

Knapper Platz für Markt plus Wohnen

Der Platz auf dem Grundstück sei ohnehin schon knapp genug, so Othmer bei der Vorstellung der Entwurfsplanung: „Ein Minimum für den Markt.“ Schließlich solle hier im Erdgeschoss der Bioeinkaufsmarkt mit bis zu 660 Quadratmetern Verkaufsfläche und einem kleinen Café (am Eck zur B 8) errichtet werden und darüber bis zu sieben Wohnungen entstehen. Daneben brauche der Markt noch rund 20 Stellplätze auf der Fläche. Für die Mieter seien Garagen vorgesehen, sagte Othmer.

Die „sehr hochwertige Nutzung“ (Othmer) stieß im Ausschuss offensichtlich auf ein positives Echo – nicht jedoch die vorgestellte Architektur des Baus, der mit Flachdach geplant ist: „Das fügt sich überhaupt nicht ein in die Umgebung“, betonte Oberbürgermeister Siegfried Müller vor allem mit Blick auf den prächtigen Luitpoldbau, in dem die Volkshochschule residiert.

Supermarkt-Optik stößt auf Widerspruch

Die geplante Optik am Eck Wörth-/Schmiedelstraße stieß auch bei Stadtentwicklungsreferent Thomas Rank auf Widerspruch. Der vordere Teil des Projekts müsse der Umgebung stärker angepasst werden und sich von dem gewerblichen Nutzbau absetzen: „Es darf nicht als Supermarkt wirken.“

Eine Umplanung reicht etlichen Stadträten und auch OB Müller nicht. Am deutlichsten sagt es Thoms Steinruck: Schmiedelstraße 1. das muss erhalten werden.“ Das fordert auch Stadtheimatpfleger Harald Knobling, der in einer schriftlichen Stellungnahme das einstige Wohnhaus des früheren Bürgermeisters Andreas Schmiedel (1828-1882) als wertvolles Architektur- und Geschichtsdenkmal bezeichnet und den Erhalt fordert.

Denkmalschützer fordern Sanierung

Unterstützung findet Knobling beim Landesamt für Denkmalpflege. Der Abriss leite einer historische Fehlentwicklung ein, die nicht mehr korrigierbar sein werde, schriebt die Behörde. Sie schlägt eine Sanierung vor und erinnert an mögliche Fördermöglichkeiten und Steuervorteile. Das Landesamt ist allerdings auch recht realistisch: Wenn die ortsbildprägende Villa erhalten bleibe, reichten die Flächen für den Supermarkt nicht. Deshalb müssten alternative Nutzungen für das Restgrundstück gefunden werden.

Gestalterischer Spielraum oder Erhalt der Villa

Diese Abkehr vom Bio-Fachmarkt vollzog der Ausschuss (noch) nicht. Bauamtschef Graumann sah noch „gestalterischen Spielraum“, Jens Pauluhn (Ödp) schlug den Planern Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege vor und OB Müller regte an, dass der Investor neu nachdenkt, ob die Integration der Schmiedelstraße 1 in die Biomarkt-Pläne möglich sei: „Er muss klären, ob das machbar, denkbar und finanzierbar ist.“