Einen Verletzten aus einem mehrere Meter tiefen Schacht bergen – das ist eine schweißtreibende und kräftezehrende Aufgabe. Das mussten die Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks Kitzingen (THW) am Freitagabend erfahren. Zum Glück nicht bei einem ernsthaften Einsatz. Aber auch bei der Nachtübung in den ehemaligen Marshall Heights am Freitagabend war volles Engagement gefordert.

Explosion mit starkem Rauch

Der Plan: In einem stillgelegten Wärmekraftwerk der ehemaligen US-Wohnkaserne kommt es zu einer Explosion mit starker Rauchentwicklung. Fünf Personen werden vermisst, die Aufgabe des THW wird es sein, die vermissten Personen zu finden und zu bergen.

Gar keine leichte Aufgabe. Denn schon bei der Anfahrt der Rettungskräfte steht ihnen ein verwirrter Mann im Weg, der durch sein aggressives Verhalten auffällt. Er hat den Unfall miterlebt, konnte die Notrufnummer wählen, aber viel ist mit ihm nicht anzufangen – er steht unter Schock.

Es ist stockdunkel

In dem betroffenen großen Gebäude mit mehreren Stockwerken ist es stockdunkel. Erste Erkundungen zeigen: Da muss Licht her und es ist äußerste Vorsicht geboten. Denn überall tun sich Löcher auf, die Gefahr, in der Dunkelheit ein Stockwerk tiefer zu fallen, ist groß. Positiv: Ein erster Verletzter, er ist ansprechbar, liegt nicht weit vom Eingang und kann recht schnell geborgen werden.

Anders sieht es im Keller aus. Der Zugang ist mit einer massiven Kette verschlossen, die erst mit einem Bolzenschneider geknackt werden muss. Unten liegt ein weiteres Opfer der Explosion, schwerer verletzt, bewusstlos. Er und eine weitere Person können mit einer Trage geborgen werden. Zwischenzeitlich sind auch die Atemschutzträger im Einsatz, denn in einem weiteren Kellerabteil ist dichter Rauch, was nicht nur die Sicht schwer einschränkt, sondern auch normales Atmen unmöglich macht.

Schwierig gestaltet sich auch die Bergung eines weiteren Opfers von außerhalb des Gebäudes. Hier müssen die Retter erst in einen tiefen, engen Schacht steigen. Die Rettungstrage aus Metall passt gerade so nach unten. Sie wieder mit dem Verletzen, in diesem Fall eine Puppe, nach oben zu bekommen, erfordert vollen Krafteinsatz der vier THW'ler. Aber es gelingt.

Rettungstrage passt gerade so

Daniel Bonic und Max Spiegel sind zufrieden. Sie haben die Übung vorbereitet und beobachten die Arbeit der rund 20 Einsatzkräfte. Die Übung läuft schneller ab, als geplant, obwohl ein breites Einsatzspektrum vorgesehen war: Die Erkundung der gesamten Fläche, die Tiefenrettung aus einem Schacht, der Atemschutzeinsatz und natürlich die Beleuchtung der Szenerie klappen gut: „Es geht flott voran“, sagt Spiegel, die Verletzten können recht schnell geborgen werden.

Biebelried Wehr hilft

Mindestens zwei Mal in Jahr übt die Truppe vom Kitzinger THW nachts. Daneben stehen natürlich noch etliche andere Übungen, auch auf dem Wasser. Hilfe hat das THW am Freitagabend von der Feuerwehr Biebelried bekommen. Die hat die Verletzten gestellt und ein weiterer Dank Spiegels geht an Marshall Heights-Entwickler Georg Wittmann, der das Gebäude für das Szenario der Übung zur Verfügung gestellt hat.