Volkach

Reservisten üben Formaldienst: Im Gleichschritt - Marsch

Tausenden von Wehrpflichtigen war die Formalausbildung in der Bundeswehr eine verhasste Pflicht. Die Wehrpflicht ist ausgesetzt, aber ehemalige Wehrdienstleistende, Zeit- und Berufssoldaten finden nach wie vor Gefallen am Formaldienst. Sie treffen sich regelmäßig zum Üben in der Kaserne.
Den Blick auf die Marschformation gerichtet gibt Stabsfeldwebel d. R. Uwe Hau (rechts) Anweisungen bei Marsch. Foto: Gerhard Bauer

Tausenden von Wehrpflichtigen war die Formalausbildung in der Bundeswehr eine verhasste Pflicht. Die Wehrpflicht ist ausgesetzt, aber ehemalige Wehrdienstleistende, Zeit- und Berufssoldaten finden nach wie vor Gefallen am Formaldienst. Sie treffen sich regelmäßig zum Üben in der Kaserne.

Treten Soldaten in größerer Zahl auf, soll Einheitlichkeit gelten. Gleiche Uniform, gleiches Aussehen und vor allem gleiches Auftreten und gleiches Verhalten. Das gilt im besonderen für Formationen bei öffentlichen Veranstaltungen. Durch ständiges Üben weiß jeder Beteiligte sich entsprechend dem Kommando des Führenden zu verhalten. Dennoch muss immer wieder geübt werden.

Das hat sich die Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) Formaldienst der Kreisgruppe Schweinfurt-Haßberge im Verband der Reservisten der deutschen Bundeswehr (VdRBw) auf die Fahnen geschrieben. Auslöser für die Gründung der RAG war 2010 der Tag der Bundeswehr in Haßfurt. Damals war Erich Weidinger Bezirksorganisationsleiter des VdRBw in Volkach. Er wollte in Absprache mit Kameraden wie Dietmar Göbel etwas besonderes für die Öffentlichkeit bieten und für den Verband werben.

Etwa acht Übungen im Jahr

Eine Umfrage ergab ein überraschend großes Interesse in den Kameradschaften, so dass regelmäßige Trainingseinheiten begannen. So trifft man sich zu etwa acht Übungen im Jahr. Derzeit sind 45 Reservisten gelistet, der jüngste 30 Jahre alt, der älteste über 80. Wie bei Reservisten üblich, spielt der Dienstgrad eine untergeordnete Rolle, daher finden sich bei den Übungen alle Dienstgrade vom Gefreiten bis zum Oberstabsfeldwebel einträchtig nebeneinander in Reih und Glied und marschieren gemeinsam. Der Kreisvorsitzende Klaus Finster führt auch die RAG und marschiert selbst mit.

Geübt wird alles, was zur Formalausbildung im Gruppen- oder im Zugrahmen gehört, je nach Anlass im Feldanzug mit Feldmütze oder im Dienstanzug mit Barett, aus besonderem Anlass auch im Großen Dienstanzug, dann mit Koppel.

Auf das Kommando von Stabsfeldwebel d. R. Uwe Hau oder Oberstabsfeldwebel d. R. Egbert Kraus wird angetreten und entlang einer gedachten Linie an der rechts außen stehenden Person ausgerichtet.

Nach einem Rechtsum wird im Gleichschritt marschiert, gefolgt von Einzelanweisungen wie rechts oder links schwenkt, auch mit Korrekturen des Leitenden, wenn ein Abstand nicht stimmt, und bis hin zum Auftrag "rührt euch, ein Lied".

Wenige Gleichschritte später beginnt die Formation eines der bekannten Soldatenlieder zu singen, im Takt und im Gleichschritt, versteht sich.

Zu offiziellen Anlässen gebucht

Die Mitwirkung bei Veranstaltungen wurde zunächst bei Reservistenkameradschaften zu besonderen Anlässen angeboten. Inzwischen hat die RAG einen so großen Bekanntheitsgrad erreicht, dass sie sogar von der Bundeswehr zu offiziellen Anlässen gebucht wird, um eine Formation zu stellen.

Dann wird fallweise auch mit dem Gewehr G36 angetreten. So kamen die Reservisten bei der Indienststellung des Heimatschutzregiments Bayern zum Einsatz, waren in Fulda, Karlsruhe und Roth, zu internationalem Anlass auch in Bruchsal im Rahmen der deutsch-französischen Brigade.

Wer sich für die Teilnahme am Formaldienst interessiert, kann mit der VdRBw-Kreisgeschäftsstelle Schweinfurt-Haßberge in der Mainfrankenkaserne in Volkach Kontakt aufnehmen, Tel.: (09381) 803606.