Repperndorf hat eine bewegte Geschichte. Darüber gibt es viel zu berichten, aber leider wenig zu lesen. Das wollte der Kitzinger Verleger Gerd Högner ändern und verlegt alte historische Aufzeichnungen über die Historie der Gemeinde neu.

Als Kitzinger Kulturpreisträger hat er schon einigen, fast vergessenen Geschichten und Personen wieder neues Leben eingehaucht. Auch am Jubiläum „150 Jahre Eisenbahn in Kitzingen“, das vor kurzem mit einem Umzug und einer Ausstellung gefeiert wurde, war der 72-Jährige beteiligt.

Jetzt widmet sich Högner der Gemeinde Repperndorf. 2006 verlegte er das Buch „Mein Repperndorf“, das die Geschichte der Gemeinde beschreibt. In diesem Jahr erschien der zweite Band, bei dem Högner einen anderen Blickwinkel einnimmt: Er lässt diesmal einen Gleichgesinnten zu Wort kommen, veröffentlicht die historischen Texte von Gustav Adolf Zeuner.

Dieser wurde 1889 in Wiesenbronn geboren, war Hauptlehrer in Kitzingen und 16 Jahre lang Leiter des verwaisten Ortsarchivs von Repperndorf. Derart begeistert von den Archivarbeiten, beschloss er, seine interessanten Funde zu veröffentlichen: ähnlich, wie jetzt Gerd Högner.

„Für meine Enkeltochter und die Repperndorfer ist das Buch gedacht.“
Gerd Högner über seine Beweggründe

Zeuner fasste unter anderem alte Gerichtsakten zusammen und zog daraus seine Schlüsse zur Chronik der Stadt. Seine Beobachtungen veröffentlichte er ab 1941 in der Wochenrubrik „Am Fränkischen Herd“, der Kitzinger Zeitung. Die Artikel Zeuners sind aber keine bloße Aneinanderreihung historischer Fakten, sondern zeichnen sich durch eine gehörige Prise Humor aus.

So schreibt er beispielsweise von einem schlechten Weinjahr: 1676 sei kein Liter Wein oder Most mehr in den Kellern der Winzer gewesen, die Zeuner als „arme Repperndörfer“ bezeichnet, die nicht mehr wissen „wohin mit dem Durst.“ Auch über weinselige Streitigkeiten und Schmierereien wie „die Repperndorfer Ratsherren sind lauter dumme Schöpse“ berichtet Zeuner mit einem Augenzwinkern: Schöpse meint einfältige, dumme Menschen.

Neben der Geschichte des Repperndorfer Weines, behandelt das Buch auch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs und die Kriegslasten unter Napoleon auf Repperndorf.

Verleger Högner hat Zeuners Artikel mit Hilfe dessen 84-jähriger Tochter übertragen und ein Wörterverzeichnis mit Erläuterungen eingefügt. „Mich interessiert immer, was all diese Worte bedeuten. Und durch so ein Verzeichnis sieht man auch, wie reich die deutsche Sprache ist“, erklärt Högner.

Das Buch hat der Verleger bei sich zu Hause in Eigenregie gedruckt und verlegt. Verkauft wird es unter anderem in den beiden Kitzinger Buchhandlungen. Für den 72-Jährigen sind die Buchveröffentlichungen aber nicht nur Arbeit und Hobby zugleich, stellt er klar: „Ida, meine Repperndorfer Enkeltochter, wird jetzt zwei Jahre alt. Für sie und die Repperndorfer, deren Familien oft tief in der Gemeinde verwurzelt sind, ist das Buch gedacht.“

Der Stoff für weitere Veröffentlichungen geht Högner nicht aus, denn im Kitzinger Stadtarchiv schlummern noch viele vergessene Schätze, für die er, wie er sagt, „mindestens 120 Jahre alt werden müsste.“