Der Bibergauer Mühlbach darf sich wieder freier bewegen. Auf einer Länge von knapp 500 Metern wurde er von seinem Korsett befreit.

Seit August kann der Bach, der vom Ortsrand Bibergau in Richtung Dettelbach fließt, zumindest auf einer Teilstrecke wieder als Bach erkannt werden. Über Jahrzehnte floss sein Wasser schnurgerade und teilweise in Betonschalen gezwängt parallel zur Ortsverbindungsstraße dem Dettelbach und damit dem Main zu.

Da ein solches Gewässer optisch wenig ansprechend und ökologisch ohne große Bedeutung ist, regte die Umwelt- und Naturschutzgruppe Dettelbach im LBV (Landesbund für Vogelschutz) schon vor vielen Jahren eine Renaturierung an. Dies scheiterte zunächst an den Besitzverhältnissen und auch am Veto des Wasserwirtschaftsamts. Nachdem im Zuge der Euerfelder Flurbereinigung mehrere Flächen im Talgrund in das Eigentum der Stadt Dettelbach übergingen, war ein Hindernis aus dem Weg geräumt. Doch das zweite Hemmnis blieb.

Maximal fünf Meter breiter

Erst im Jahr 2012 erteilte das Landratsamt Kitzingen eine Ausnahmegenehmigung, nach der die Planung der Stadt verwirklicht werden kann. Allerdings ließen Auflagen nur einen beschränkten Eingriff zu. Grund für die zögerliche Haltung und Begrenzung des Eingriffs seitens der Wasserwirtschaft ist die Tatsache, dass der Bach ein Trinkwasserschutzgebiet durchfließt. So durfte der vorhandene Graben nur um maximal fünf Meter verbreitert werden.

Anfang August, nach Aberntung der Felder, rollte endlich der Bagger an und verlieh dem traurigen Bach mehr Raum. Trotz des nur beschränkten Eingriffs hat das Gewässer enorm gewonnen. Darüber sind sich alle Beteiligten einig.

Mehr ökologische Qualität

Sowohl Bürgermeisterin Christine Konrad als auch Planer Thomas Wirth von arc-grün und die Umwelt- und Naturschutzgruppe sind überzeugt, dass der nun leicht mäandrierende Bach nicht nur das Auge der Spaziergänger erfreut, sondern auch wesentlich an ökologischer Qualität hinzu gewonnen hat. Zumindest die Kinder haben das nun viel offenere Gewässer schon als Spielplatz entdeckt und auch die Vögel kommen gerne zum Trinken. Bald werden die Spuren des Eingriffs, für den die Stadt 14 000 Euro aufwenden musste, vernarbt sein und der Bachlauf wird sich harmonisch in den Talgrund einfügen.

Die Renaturierung ist Teil einer größeren Maßnahme. So wurden bereits mehrere Flächen im Bibergauer Grund aufgeforstet. Die Stadt Dettelbach braucht für Eingriffe an anderer Stelle immer wieder Ausgleichsflächen. Als solche erkennt auch das Landratsamt den neuen Bachlauf an: „Als freiwillige Maßnahme der Stadt Dettelbach ist die Planung nach der Fertigstellung und Abnahme durch die Untere Naturschutzbehörde als Ausgleichsfläche oder dem Ökokonto anrechenbar.“ Stadt Dettelbach und Naturschützer wünschen sich, dass es gelingt, in naher Zukunft die Renaturierung sowohl nach Westen als auch nach Osten fortzuführen.