„So gute Getreidebestände wie heuer hab ich noch nie gesehen.“ Das sagt Gottfried Schlager aus Buchbrunn. So zufrieden wie Schlager sind nicht alle Landwirte im Landkreis. Vielen drohen statt einer Rekordernte Verlust bis hin zum Totalausfall.

Der Buchbrunner Landwirt, der auf seinen Feldern Versuchsanbau für Saatgutunternehmen betreibt, war Gastgeber des Erntegesprächs des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und des Amtes für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF). Dabei wurde deutlich: Die Bilanz 2014 hat zwei Seiten. Die Gründe sind vielfältig, erklärten Pflanzenbauberater Thomas Karl und BBV-Obmann Hans Haubenreich. Die größte Rolle spielen das Wetter und die Qualität der Böden. Wer gute Böden hat, das sind 40 Prozent der Landwirte im Landkreis, der darf heuer mit einer guten Ernte rechnen, wenn es genug geregnet hat

Den Landwirten, die mit sandigen Böden arbeiten, drohen massive Ernteausfälle. Es gebe Felder, da stehe auf einem Teil das Korn gut da und an anderer Stelle könne man die Ernte mit dem Besen zusammenkehren, so Haubenreich. Bei der Aussaat im Herbst sei es zu trocken und dann zu nass gewesen, aber die Saaten hätten sich ganz gut entwickelt. Da es im Winter kaum Frost gab, fehlte den Böden die so genannte Frostgare. Folge: Die Erde war teilweise steinhart. Besonders zugesetzt habe dem Getreide die Hitze über die Pfingsttage. Hier sei der Regen der letzten Tage zu spät gekommen, so Karl. Ein Teil der Wintergerste sei bereits geerntet, die Weizenernte werde in etwa 14 Tagen beginnen. Insgesamt betrachtet sei das Wachstum gegenüber dem langjährigen Durchschnitt heuer zwei Wochen voraus.

Beim Winterweizen, der auf fast einem Viertel der 40 000 Hektar Anbaufläche im Landkreis angebaut wird, erwarten die Fachleute eine eher schwache Ernte. Bei der Wintergerste mit einer Anbaufläche von rund 4700 Hektar dürfte sie durchschnittlich bis gut ausfallen, sagt Karl. Allerdings wird es auch hier je nach Standort Ertragsschwankungen zwischen 30 und 100 Doppelzentner pro Hektar geben.

„Das Wasser ist der entscheidende Faktor.“
Thomas Karl Pfanzenbauberater

Schlecht bestellt ist es um den Kartoffelanbau. Wer seine Äcker nicht bewässern könne, müsse teilweise mit einem Totalausfall rechnen, so Karl: „Das Wasser ist der entscheidende Faktor.“ Gut stehen Silo-Mais, Sonnenblumen und Zuckerrüben da. Die brauchen allerdings dringend Niederschläge, so Haubenreich. Die 20 bis 26 Liter pro Quadratmeter der letzten Tage seien rechtzeitig gekommen. Allerdings haben die sich sehr unterschiedlich verteilt. Insgesamt erwarten die Fachleute eine Ernte ähnlich der im Jahr 2013.

Ungewissheit herrscht bei den Bauern noch über die Preise. BBV-Geschäftsführer Rudolf Bender berichtet, dass die derzeit am Sinken seien. Wo sie im November stehen, wisse keiner und Überraschungen seien nicht ausgeschlossen.