Das nach dem Abbruch des ehemaligen Hortes in der Flugplatzstraße brach liegende Grundstück wird wieder bebaut. Acht Reihenhäuser sollen in zwei Bauabschnitte die offene Baulücke in Etwashausen schließen.

Der Verwaltungs- und Bauausschuss des Kitzinger Stadtrats hat in der letzten Sitzung seiner Amtszeit von den Plänen Kenntnis genommen und sie begrüßt. Nach den Worten von Bauamtsleiter Oliver Graumann plant der Antragsteller den Bau von Reihenhäusern in Gruppen zu drei und fünf Häusern mit einheitlichen Dimensionen. Nach Ansicht der Verwaltung entsteht so auf dem seit vier Jahren brach liegenden Gelände mit offener Baugrube „hochwertiger Wohnraum für die Bevölkerung“. Der Ausschuss nahm die Plan mit zur Kenntnis.

Das Grundstück hat eine einigermaßen bewegte Geschichte. Wie ein Blick ins Archiv zeigt, ist das zuletzt als Kinderhort genutzte Gebäude nach einem kapitalen Wasserschaden im Juni 2010 abgerissen worden. Die Pläne der Stiftung Haus Marienthal, dort einen Neubau zu errichten, waren wenig später an den Kosten gescheitert.

Die Geschichte des Johann-Sander-Hauses geht weit zurück und war zunächst ein Kinderheim. 1929 wurde es laut den Unterlagen auf dem Grundstück der Gärtnerswitwe Margarete Weiler durch den Evangelischen Verein und die Innere Mission als Pflegeheim für Kinder von berufstätigen Eltern gebaut. Schwestern aus Neuendettelsau führten das Haus. 26 Jahre lang leitete Schwester Barbara Binder das Heim, das sich zu einem Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens der evangelischen Bevölkerung entwickelte.

Ab 1945 diente das Gebäude als Unterkunft für Obdachlose, Vertriebene und Waisenkinder. Nach dem Krieg wurde es bis zum Neubau des Kindergartens Sankt Michael, 1975, als Kindergarten genutzt. Danach diente es als Heim für Desorientierte, bis die Geschäftsstelle des Diakonischen Werkes in den 90er Jahren einzog. Nach deren Umzug in die Glauberstraße begann die Stiftung Marienthal in dem Haus mit dem Betrieb des Hortes und der Schulkinderbetreuung.

Der Name des Hauses geht auf den Kitzinger Johann Sander zurück, der sich um den Erwerb und die Ausstattung der Stadtkirche Verdienste erwarb. Zusammen mit einem Weinhändler brachte er vor 85 Jahren den Kaufpreis von 12 000 Mark für das Grundstück auf auf.