Normalerweise hat das Landgericht Würzburg wenig zu tun mit dem teuren Ehrgeiz eines Fußballvereins in Thüringen, in die dritte Liga aufzusteigen. Aber eine Durchsuchung in der Geschäftsstelle des Viertligisten Wacker Nordhausen (nördlich von Erfurt) am Dienstag lässt auch am Stammsitz der Unternehmer-Familie Knauf im 300 Kilometer entfernten Iphofen (Lkr. Kitzingen) und in Würzburg aufhorchen.

Fragwürdige Geschäfte 

Völlig überraschend kam die Durchsuchung durch Beamte des Landeskriminalamtes nicht. In der Affäre um fragwürdige Geschäfte zur Rückzahlung von Millionenschulden des Vereins spielt auch Carlo Knauf eine Rolle, Mitglied der fränkischen Unternehmerfamilie.

Der fränkische Gips-Hersteller ist mit einem Werk in Rottleberode einer der größeren Arbeitgeber im Südharz. Carlo Knauf wirbt seit Jahren bei Veranstaltungen als Mäzen gemeinsam mit dem Präsidenten Nico Kleofas für die Aufstiegspläne des Vereins. Der prominente Unterstützer von Wacker Nordhausen wurde in Medienberichten sogar als "Chef des millionenschweren Weltkonzerns Knauf" vorgestellt, was er nicht ist und nie war.

Gläubiger wandten sich hilfesuchend nach Würzburg

Die Durchsuchung bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen: Es gehe um Ermittlungen gegen Geschäftsführung und Präsidium des Vereins. Für drei Darlehen in Gesamthöhe von rund einer Million Euro soll Carlo Knauf gerade stehen, dessen Vater Nikolaus lange Jahre das weltweit bekannte Gips-Unternehmen in Iphofen (Lkr. Kitzingen) führte.

Nach uns vorliegenden Unterlagen machten mehrere Gläubiger am Landgericht Würzburg ihre Forderungen geltend, darunter ein Leverkusener Unternehmer, den nach eigener Aussage Ex-Nationalspieler Ulf Kirsten dem Verein vermittelt hatte. Darüber hatte die "Thüringer Allgemeine" aus Erfurt berichtet. Die Geldgeber hatten dem Verein jeweils sechsstellige Beträge für hohe Zinsen kurzfristig zur Verfügung gestellt und geglaubt: Ihre Investition sei gut abgesichert durch Bürgschaften für den Verein, unter denen der Name von Carlo Knauf steht. 

Aus sportlicher Krise wird ein Kriminalfall

Knaufs Wohnort fiel zum Zeitpunkt der Bürgschaft in den Verantwortungsbereich des Landgerichts Würzburg, weshalb man sich zu Jahresbeginn auch hier mit den Thüringer Verhältnissen beschäftigen musste. Dies bestätigte Gerichtssprecher Rainer Volkert.

Während der hoch verschuldete Verein am Rande des Harzes um sein Überleben kämpft, wird aus einer sportlichen Krise ein Kriminalfall. Denn Carlo Knauf bestreitet, die Bürgschaft unterschrieben zu haben. Nur eine Version kann stimmen. Ist die Unterschrift möglicherweise gefälscht?

Die Wacker Spielbetriebs-GmbH, deren Geschäftsführer Kleofas ist, hatte Mitte Dezember Insolvenz anmelden müssen. Zu den Vorwürfen äußert sich Kleofas nicht.

Staatsanwalt ermittelt

Die Gläubiger fürchten nun um ihr Geld. Der Frankfurter Rechtsanwalt Matthias Schröder, der einige von ihnen vertritt, stellte Strafanzeige. Inzwischen ermittelt in dem Fall die Staatsanwaltschaft Mühlhausen. Das bestätigt auf Anfrage Pressesprecher Dirk Germerodt. Das Landeskriminalamt sei mit Ermittlungen beauftragt. Es gehe um den Vorwurf des Betrugs bei verschiedenen Darlehen in Höhe von 100 000, 350 000 und 600 000 Euro.

Gutachten: Unterschrift "mit hoher Wahrscheinlichkeit" nicht von Knauf

Der Anwalt von Carlo Knauf teilt auf unsere Anfrage mit, dass sein Mandant als "Geschädigter" zu laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben möchte. Nach unseren Informationen präsentierte Knaufs Rechtsvertreter aber dem Landgericht Würzburg bereits das Gutachten eines Sachverständigen für Handschriften.

Das von Knauf finanzierte Gutachten, das dieser Redaktion vorliegt, sagt: Die Unterschriften stammten "mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aus der Hand des Herrn Carlo Knauf".

Die Würzburger Richter bleiben aber davon verschont, den Fall entscheiden zu müssen. Knauf ist umgezogen, künftig ist Nürnberg zuständig, wie das Gericht dort bestätigte.

Am Firmensitz in Iphofen sah man sich bereits im Dezember, wie das "Handelsblatt" schreibt, zu einer Erklärung veranlasst: "Unternehmen der Knauf-Unternehmensgruppe haben den FSV Wacker Nordhausen zu keiner Zeit in nennenswertem Umfang finanziell unterstützt."