Eine Veränderung in der Tagesordnung stand am Mittwoch in Segnitz am Beginn der Ratssitzung. Vorgesehen war unter Punkt vier die Berufung eines neuen Kultur- und Tourismusreferenten. Kerstin Wirsing, die dieses Amt in der konstituierenden Sitzung übernommen hatte, hatte im Vorfeld ihren Rücktritt bekannt gegeben, wie es in der Tischvorlage zur Sitzung heißt. Elke Breucker beantragte nun, diesen Punkt in der nicht-öffentlichen Sitzung zu besprechen. Bürgermeister Peter Matterne entgegnete, dass er bereits einen geeigneten Nachfolger gefunden habe, der sich auch unter den anwesenden Zuschauern befinde. Daraufhin schlug Breucker eine Vertagung des Punktes vor. Mit fünf zu zwei Stimmen wurde der Vorschlag umgesetzt.

Achim Volkamer beantragte, einen Punkt aus der nicht-öffentlichen Sitzung in den öffentlichen Teil zu verlegen. Mit der Gegenstimme des Bürgermeisters schlossen sich die Räte dem Antrag an. Bei dem Punkt ging es um die Anlage einer Streuobstwiese, die noch der alte Gemeinderat beschlossen hatte. Damals war ein Standort oberhalb des Ortes gefunden worden. Nach den Worten von Bürgermeister Peter Matterne erwies sich die Fläche jedoch als ungünstig, weil sie zu weit außerhalb liege und schwer zugänglich sei. Er schlug alternativ eine Fläche auf einem Feld im Bereich des Kreisverkehres nach Sulzfeld vor. Der Acker gehöre der Gemeinde und seit derzeit verpachtet. Die schwer zu bearbeitende Spitze könnte für das Projekt Streuobstwiese genutzt werden. Der Radweg laufe hier vorbei, Passanten hätten jederzeit Zugang. Etwa 15 Bäume könnten auf der Fläche Platz finden. Zunächst soll ein Bepflanzungskonzept erstellt werden, das nicht nur Obstbäume berücksichtigt und die Lebensräume verschiedener Kleintiere und Insekten im Blick hat. Herbert Müller gab zu bedenken, dass Obstbäume intensiver Pflege bedürfen und der Schwerpunkt deshalb auf anderen Gehölzen liegen sollte. Achim Volkamer erklärte, die ökologische Wirkung wäre auf der ursprünglich geplanten Fläche deutlich größer gewesen, vor allem weil sie deutlich größer ist. Das habe der alte Gemeinderat bewusst so entschieden. Am Ende wurde der Beschluss vom April aufgehoben und die Räte entschieden sich mit zwei Gegenstimmen für die neue Fläche in der Ebene.

Abgelehnt wurde der Antrag auf Neubau einer Garage im Schind. Das Problem war für Räte hier nicht die Überschreitung der zulässigen Grenzbebauung, sondern, dass die Zufahrt nicht die geforderten drei Meter einhält. Mehrheitlich war man der Meinung, hier keinen Präzedenzfall schaffen zu wollen. Der Bürgermeister sah das anders, da das Grundstück an einem wenig befahrenen Wirtschaftsweg liegt. Er wurde aber überstimmt.

Erneut war der Zaun in der Sulzfelder Straße Thema, der zehn Zentimeter zu hoch ist und den Räten optisch missfällt. Der Bauherr hat nun die neue Errichtung in der geforderten Höhe beantragt, dies wurde am Mittwoch genehmigt. Über die Optik kann die Gemeinde nicht entscheiden. Allerdings soll das Denkmalamt gehört werden, ob der graue Kunststoff im Ensemble mit dem Friedhof störend ist.

Beantragt wurde auch die Umnutzung von Wohnraum zu Gewerberaum auf demselben Grundstück. Hier soll eine Tierheilpraxis eingerichtet werden. Auch dieses Projekt war bereits Thema und wurde am Mittwoch nur noch entschieden. Mit vier zu drei Stimmen wurde die Genehmigung zur Umnutzung erteilt.

Dem Gemeinderat lag ein Antrag auf einen Liegeplatz für ein Sportboot vor. Dabei soll in Ufernähe eine Boje am Grund des Maines verankert werden, die mit einer Kette mit dem Ufer verbunden wird. Außerdem ist eine zurückbaubare Einstiegsmöglichkeit am Ufer geplant. Die Räte stimmten dem Antrag grundsätzlich zu. Eine weitere Überprüfung erfolgt durch das Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt.

Bürgermeister Peter Matterne informierte darüber, dass am 28. und 29. Oktober im Dorfgemeinschaftshaus Sprechstunden zur Niederschlagswasserberechnung stattfinden. An beiden Tagen können Segnitzer Bürger ihre Bescheide über Wasser- und Abwassergebühren prüfen lassen und mit der zuständigen Fachfirma besprechen. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig.

Zweiter Bürgermeister und Jugendreferent Christian Lauck informierte, dass für den Jugendraum inzwischen ein Hygienekonzept erstellt wurde. Er kann ab sofort mit entsprechenden Auflagen wieder genutzt werden.

Viehweide oder Spazierweg? Diskussion um Rinderhaltung am Main in Segnitz

Der ehemalige Gemeinderat Norbert Bischoff hatte im Vorfeld der Sitzung einen Antrag eingereicht, der sich mit einem Dauerthema beschäftigt: Zwei Flurstücke am Main, am Kreisverkehr nach Sulzfeld werden derzeit von einem Landwirt als Viehweide für Rinder genutzt. Das Problem: Am Mainufer entlang und mitten durch die Flurstücke führt ein öffentlicher Weg. Der ist allerdings umzäunt und nicht zugänglich. Mehrfach hatte die Gemeinde in der Vergangenheit versucht, mit dem Landwirt eine Einigung zu finden und zum Beispiel Drehkreuze zu installieren, die den Durchgang ermöglichen. Nach den Worten von Bürgermeister Matterne ist der Untergrund nicht für eine Drehkreuz geeignet. Deshalb habe er zwischenzeitlich einen Zauntritt anfertigen lassen, der das Übersteigen des 80 cm hohen Elektrozaunes möglich mache. Norbert Bischoff hingegen fordert die Gemeinde nun auf, den Landwirt den Zaun entfernen zu lassen und auf die Grundstücksgrenzen zurückzubauen. Für die Tiere könne ein verschließbarer Übergang geschaffen werden, sodass sie weiterhin am Main getränkt werden können und beide Flurstücke genutzt werden können. Die Lösung per Drehkreuz hält er für nicht sinnvoll, da Fußgänger so auf freilaufende Stiere stoßen könnten, vor denen sogar mit Schildern am Zaun gewarnt werde. Auf Antrag von Achim Volkamer wurde Bischoff als Zuschauer in der Sitzung das Wort erteilt und er legte sein Anliegen dar: "Das ist ein öffentlicher Weg, ein Grundstück der Gemeinde, das nicht einfach genutzt werden darf." Vor kurzem habe die Feuerwehr im Rahmen einer Vermisstensuche wegen des Elektrozauns das Mainufer nicht anfahren können.

Der Bürgermeister erklärte, für ihn sei die Lösung mit Zauntritt völlig ausreichend. Er befürchtet, dass die geforderten Einschränkungen dazu führen, dass die Rinder nicht mehr dort geweidet werden. Die Tiere tragen seiner Meinung nach aber zu einem schönen Ortsbild bei. In seinen Augen werde der fragliche Weg ohnehin kaum genutzt.

Die Gemeinderäte waren anderer Meinung. Christian Wunder übernahm es, Bischoffs Antrag offiziell ins Gremium einzubringen. Mit sechs zu eins Stimmen wurde entschieden, dass der öffentliche Weg geräumt werden muss und für die Rinder ein Übergang geschaffen werden kann, sodass Mensch und Tier hier sicher passieren können.