Nach zwei Jahren Zwangspause konnte das Schwanberger Jugendforum des Kreisjugendrings Kitzingen stattfinden. Geladen wurde zu einem Thema, dass für viele Teile unserer Gesellschaft noch relativ unbekannt und neu ist.

Multiplikator:innen der Jugendarbeit, sowie Lehrer:innen und Politiker:innen kamen zusammen, um sich mit der Thematik „Geschlechtsspezifische Jugendarbeit und LGBTQI+“ auseinanderzusetzen.

Cornelia Grundler, kommunale Jugendpflegerin moderierte durch den Abend. Zu Beginn richtete sich Hanna Friehs, Bildungsreferentin des Bezirksjugendrings Unterfranken, mit einer Videobotschaft an das Plenum. Sie erläuterte die unterschiedlichen Spektren der LGBTQI+ Bewegung und ermutigte alle Akteur:innen der Jugendarbeit zu Offenheit und neuen Wegen. Sie appellierte an alle, sich durch Fortbildungen, Workshops und andere Angebote für das Thema zu sensibilisieren. Für Fragen und Hilfestellungen steht sie gerne zur Verfügung (hanna.friehs@jugend-unterfranken.de, Tel.: 0931/73041077.)

Geladen waren außerdem zwei ganz spezielle Gäste, die anschaulich von ihren eigenen Erfahrungen berichteten. Leopold ist homosexuell und Künstler. In seinen selbst geschriebenen Songs spielt er mit Geschlechterrollen und Queerness. Er will mit seiner Musik Klischees aufbrechen und sensibilisieren. Um sich auf der Bühne zu verwirklichen, hat der Mensch hinter Leopold einen Showcharakter entworfen. Als Leopold trägt er Make-up auf und kleidet sich in Shorts, bauchfreiem Shirt und hohen Schuhen. Mit seiner hohen, markanten Stimme performte er drei seiner Songs.  Er rief das Publikum dazu auf, allen Menschen Akzeptanz entgegenzubringen und betonte, dass das „Normalsein“ lediglich gesellschaftlich definiert ist.

Als weiterer Gast ließ Moritz A. Krumpholz alle an seinem Weg vom biologischen Mädchen zum jungen Mann teilhaben. Moritz ist 18 Jahre alt und Transgender. Er merkte schon sehr früh, dass er eigentlich ein Junge und anders als die anderen Mädchen ist.  In einem Interview berichtet er von den zahlreichen Hürden auf seinem langen Weg. Er betont dabei wie wichtig für ihn Menschen waren, die ihn auf der Metamorphose von Frau zu Mann unterstützt haben und mit welchen Problemen er in der Vergangenheit und heute zu kämpfen hat. Als Moritz in die Pubertät kam, und sein Körper sich in die völlig falsche Richtung zu entwickeln begann, versuchte er wieder wie ein Mädchen zu leben, weil er das Gefühl hatte, die Gesellschaft erwarte es von ihm. Für Moritz war das eine schwere Zeit. Er erzählte, wie „fehl am Platz“ er sich beim Schullandheim im Mädchenzimmer gefühlt hatte. Nach seinem Outing und ein Jahr später war er dann in der Skifreizeit schon bei den anderen Jungs im Zimmer und fühlte sich „glücklich und frei“ endlich der sein zu können, wie er sich schon immer gefühlt hatte. Er erzählte auch, dass der Umgang der Schule mit seinem Thema einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hat, dass es mit seinem Outing so gut geklappt hat.

Der anwesende Schulleiter betonte daraufhin, dass es nur so gut funktionieren konnte, weil Moritz selbst so offen mit dem Thema umgegangen sei und es eine gute Zusammenarbeit war. Leider gibt es für die meisten Queeren Jugendlichen keine Rollenvorbilder sagt er und es ist die Aufgabe der Gesellschaft, offen mit allen Menschen umzugehen und dem Thema Raum zu geben und „nicht darüber zu schweigen und es zu ignorieren“. Auch aus diesem Grund hat Moritz ein Buch geschrieben, denn er möchte anderen helfen, die sich in der gleichen Situation befinden. Moritz ist ein beeindruckender junger Mann der an diesem Abend einige Menschen mit seiner Geschichte fasziniert hat.

Von: Cornelia Grundler (Jugendpflegerin, Kreisjugendring Kitzingen)