Ein Bauantrag des Mobilfunkanbieters Vodafone auf Errichtung eines Mobilfunkmastes im Prichsenstädter Ortsteil Kirchschönbach schlägt hohe Wellen. Vodafone würde gern einen 45 Meter hohen Schleuderbetonmast mit Antennenbühnen aufzustellen, gut 200 Meter außerhalb des Ortes in Richtung Geesdorf. Den Bauantrag behandelte der Bauausschuss des Prichsenstädter Stadtrats in seiner Sitzung am Donnerstagabend.

Gegen diesen Mast laufen viele Kirchschönbacher Sturm, weil sie bis zum Erscheinen des Amtsblattes am vorigen Samstag überhaupt nichts davon gewusst hatten. Innerhalb von zwei Tagen waren 133 Unterschriften zusammengekommen. Die hatten Andreas Mahr und Christian Hofmann gesammelt und vor der Bauausschusssitzung Bürgermeister René Schlehr überreicht. Was bewirkte, dass der Bürgermeister („Ich war mir der Brisanz dieses Themas gar nicht bewusst“) zunächst sich und dann die Bürger umfassend informieren will. Deshalb vertagte der Bauausschuss auch den eigentlichen Beschluss und will ihn in einer späteren Sitzung fassen.

Drei Ortstermine hatte der Bürgermeister für den Bauausschuss angesetzt, der dritte führte nach Kirchschönbach. Eigentlich sollte dort nur über den Ausbau eines Gehweges beraten werden. Doch nachdem sich etwa 50 Kirchschönbacher eingefunden hatten, um dem Bürgermeister ihre Ängste vorzutragen, stellte sich Schlehr nach dem Ortstermin den Bürgern. Dieser Funkmast habe ein großes Informationsdefizit ausgelöst, sagte Schlehr, „mir selbst war die Tragweite auch nicht bewusst, erst seit dem Gespräch mit zweien von Ihnen sowie einem Telefonat des Arztes Dr. Rudolf Eger ist deutlich, um was es hier geht“. Nämlich um einen Betonmast, der 15 Meter höher ist als der Kirchturm und nach Ansicht der Bürger das Ortsbild verschandelt, durch seine bloße Anwesenheit einen, so Mahr, „horrenden Werteverlust der Immobilien“ mit sich bringe und gesundheitliche Probleme bei den Anwohnern auslösen könne.

„Wir hätten auch 300 Unterschriften zusammen bekommen, hätten wir nur mehr Zeit gehabt.“
Andreas Mahr, Kirchschönbach

Zwei Tage lang waren Mahr und Hofmann im Ort unterwegs, informierten ihre Mitbürger über das Ansinnen von Vodafone und erhielten nach eigenen Angaben keinerlei Absagen. „Wir hätten auch 300 Unterschriften zusammen bekommen, hätten wir nur mehr Zeit gehabt“, so Mahr. Beim Bürgermeister habe er ein „offenes Ohr“ gefunden: „Er nimmt unser Problem sehr ernst, und wir wollen auch nicht gleich mit der Keule ,Bürgerinitiative‘ winken“. Er ist zuversichtlich, dass es dem Bürgermeister gelingen wird, eine für alle tragbare Lösung zu erreichen. Und: Die Kirchschönbacher seien nicht grundsätzlich gegen den Mast. Vielmehr wehrten sie sich gegen den Standort, der ihrer Ansicht nach zu nah am Ort ist.

Aufgrund der Eingaben der Bürger wird nun der Bürgermeister „alle Blickwinkel, Optionen und Möglichkeiten abtasten und klären, bevor wir einen Beschluss fassen können, alles andere wäre gegen den Bürgerwillen“. 133 Unterschriften besorgter Bürger könne und wolle er gar nicht mit einem Federstrich wegwischen, und das sahen die Mitglieder des Bauausschusses genauso und vertagten den Beschluss.