Der inzwischen jahrelange – häufig auch juristisch ausgefochtene – Nahkampf um den Kanal- und Straßenbau in der Prichsenstadter Altstadt, ist vermutlich bald um eine Auseinandersetzung reicher: Werner Reuß, Sprecher der Bürgerinitiative „Gegen den Kanal- und Straßenwahn in SKF“, hat jetzt am Verwaltungsgericht Würzburg Klage erhoben. Grund ist die Ablehnung eines Bürgerbegehrens zum Straßenausbau in Prichsenstadt.

Das Begehren zum „gerechten Straßenausbau in ganz Prichsenstadt“ hatte der Stadtrat Ende Februar mit 14:2 Stimmen als unzulässig abgelehnt. Die Forderungen der Initiatoren, die Anwohner von Anliegerstraßen über einen Ausbau entscheiden zu lassen und ihnen ein Mitspracherecht bei der Art der Erneuerung zu geben, hatte damals Bürgermeister Adolf Falkenstein abgelehnt: „Das sieht das Kommunalrecht nicht vor.“

Ob das stimmt, will Reuss vom Verwaltungsgericht prüfen lassen: „Man muss uns schon vorlegen, ob man das gegen den Bürger machen kann.“ Ermutigt sieht sich der BI-Sprecher durch einen Bürgerentscheid im brandenburgischen Bernau. Danach dürfen dort – seit Jahresbeginn 2014 – Anliegerstraßen nur dann ausgebaut werden, wenn die Mehrheit der Anwohner das will.

Bei der ganzen Geschichte um die Erneuerung von Anliegerstraßen, ob in Bernau, Volkach, Würzburg oder Prichsenstadt – geht's um Geld: Um das der Anwohner, deren von den Kommunen geforderte Beiträge auch mal ans Eingemachte gehen. Folge sind regelmäßig Proteste wie in Würzburg in der Trautenauer Straße oder in Prichsenstadt in der Schloss-, Kirch- und Freihofgasse.

Die Erneuerung der Prichsenstadter Altstadtgassen ist ein teures Paket. Nach Berechnungen von 2011 sind etwa 960 000 Euro für eine Sanierung fällig, wobei die Anlieger den Löwenanteil (rund 80 Prozent) zu tragen hätten. Inklusive der Beiträge für die Kanalsanierung (400 000 Euro) kämen auf manche Grundstücksbesitzer fünfstellige, höhere Beträge zusammen.

Kein Wunder also, wenn die Bürgerinitiative mit aller, auch juristischer Macht gegen die Straßenpläne kämpft und, wie sie es in ihrer Begründung zum Bürgerbegehren formuliert, auch eigene Vorschläge zum Sparen einbringt: „Nicht erneuern, sondern reparieren heißt die eine Lösung – Ausführung in privatem Modell die andere.“