Fast alle Bauplätze in Prichsenstadt sind verkauft, aktuell laufen die Bebauungspläne der Wohngebiete Im Gehäg in Stadelschwarzach mit acht Bauplätzen und die Erweiterung Krautäcker II in Laub mit 13 Plätzen. Und weil für einen Bauplatz schon mal acht Bewerber anstanden, sah Ratsmitglied Alexander Schöpfel, wie Bürgermeister René Schlehr in der Ratssitzung sagte, die Notwendigkeit zur Aufstellung des Bebauungsplanes Ziegelgärten VII. Diesen Bebauungsplan und dessen Ausführung stellte der Rat auch mit 9:6 Stimmen auf und beschloss gleichzeitig, neben einem vollständigen Leerstandskataster auch ein Innenentwicklungskonzept anzustoßen.

Wobei sich dieser Beschluss aus zwei verschiedenen Beschlussvorschlägen zusammensetzt, die Schlehr vorbereitet hatte: entweder einen Bebauungsplan aufstellen oder das Leerstandskataster mit Innenentwicklungskonzept auf den Weg bringen. Ein abschließendes Leerstandsverzeichnis, so Schlehr in seinem Sachvortrag weiter, gebe es für keinen der Ortsteile, und aus Personalgründen müsse es durch eine externe Fachfirma erstellt werden. Ein reguliertes Leerstandsverzeichnis mitsamt Fördermöglichkeiten existiere auch nicht. Angesichts der Wünsche nach mehr Bauplätzen solle zuerst dort angesetzt werden, und in der ganzen Großgemeinde seien 30 Bauplätze in privater Hand. "Wie können oder sollen die mit in die Planung einfließen?" fragte Schlehr. Seine nächste Frage: ein neues Baugebiet Ziegelgärten VII würde etwa 35 Bauplätze ergeben. "Kann die Stadt die in absehbarer Zeit verkaufen, ohne sie zu lange vorzufinanzieren?"

"In Rödelsee geht es ratzfatz mit neuen Baugebieten"

Denn es müsse auf jeden Fall eine Verbindungsstraße von der Wiesentheider Straße in das Baugebiet gebaut werden, und die noch nicht kalkulierten Kosten können nicht auf die Anlieger umgelegt werden. Die notwendige Abbiegespur auf der Wiesentheider Straße würde der Landkreis bauen und der Stadt mit geschätzt 400 000 bis 450 000 Euro in Rechnung stellen, inklusive der Unterhaltskosten.

In der Diskussion wies Schöpfel auf umliegende Orte wie etwa Rödelsee hin, "dort geht es ratzfatz mit neuen Baugebieten". Er sei, sagte er sinngemäß, schon für eine Innenentwicklung, doch Bauwillige wären eher dagegen. Jeder Bauwillige bringe der Stadt Geld, andere Gemeinden würden über Prichsenstadt lachen. "Die Bauplätze werden uns aus der Hand gerissen, da müssen wir weitermachen", so Schöpfel, und die beiden Vorschläge dürften sich nicht gegenseitig blockieren. Schlehr verwies darauf, dass über alle Siedlungsgebiete in allen Ortsteilen geredet werden müsse, "da haben wir uns schon in der Allianz Dorfschätze Gedanken gemacht". Fabian Uhl regte an, gleich beides anzugehen, das Bebauungsgebiet und die Innenentwicklung. Die privaten Grundstücksbesitzer könne man nicht enteignen, die "Ressource Ziegelgärten VII gehört uns schon".

"Erst das eine fertigmachen, dann das andere anfangen"

Wolfgang Brosche war der Ansicht, den Bebauungsplan nicht aufzustellen. "Wir sollten Stück für Stück vorgehen: erst das eine fertigmachen, dann das andere anfangen", so sein Argument. Auch sprach er die Kosten für die Abbiegespur und die Verbindungsstraße an, die von der Stadt gezahlt werden müssten. Kämmerer Marco Kölln gab zu bedenken, dass mit den notwendigen Schulden die nächsten Generationen belastet würden. Christoph Schmidt ist nach eigenem Bekunden "Fan der Innenentwicklung", aber es würde die Leute doch eher auf die grüne Wiese ziehen.

Werner Hillger befand, dass für eine Innenentwicklung die notwendigen Anreize geschaffen werden müssten, denn "nicht jeder will ein leerstehendes Haus kaufen". Das schließe aber ein Neubaugebiet nicht aus, weshalb er den Antrag stellte, parallel den Bebauungsplan aufzustellen und das Leerstandskonzept einzuleiten. Dem stimmte der Rat dann mit 9:6 Stimmen zu.