Die Stadt Prichsenstadt wird ab dem 1. Januar ihre Bürger bei den Abwassergebühren und den Beiträgen spürbar entlasten. Während das Trinkwasser weiterhin 2,15 Euro pro Kubikmeter (tausend Liter) kosten wird, gehen die Kosten für das Abwasser zwar in einem Posten hoch, dafür aber in anderen Positionen über die Hälfte bis zu einem Drittel zurück.

Grund für diese erfreuliche Nachricht, die die Räte in der Sitzung am Donnerstagabend beschlossen hatten, ist eine Kalkulation über die Gebühren und Beiträge, die noch der Bürgermeister a. D. Adolf Falkenstein in seiner Amtszeit beim bayerischen kommunalen Planungsverband (BKPV) in Auftrag gegeben hatte. Dieter Mühlfeld vom Verband hatte die Jahre 2011 bis 2014 überprüft und kam zu dem Ergebnis einer „Kostenüberdeckung“, was die Abgabe von Schmutzwasser (SW) und von Regenwasser ins öffentliche Kanalnetz betrifft. „Das ist nicht gleichzusetzen mit Gewinn“, sagte Mühlfeld und ermöglichte den Räten eine Stunde lang einen intensiven Einblick in die komplexe Materie Abwasserwirtschaft und deren Kosten, Gebühren und Beiträgen.

Am Ende der Diskussion ergaben sich mehrere Beschlüsse. Der Ortsteil Neudorf, einer von neun Ortsteilen, wird der sogenannten Gruppe zugeschlagen (wegen der Kläranlage), und Bimbach wird allein für sich neu berechnet. Ab dem 1. Januar gelten neue Kosten für das Abwasser. Einzig die Kosten für das Trinkwasser bleiben unverändert. Die Gebühren für das Abwasser betragen nun für die Gruppe (inklusive Neudorf) 2,90 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser (vorher 1,90 Euro), das Regenwasser wird mit 0,16 Euro (0,10 Euro) pro Quadratmeter Grundstück berechnet. Die Beiträge für das Schmutz- und Niederschlagswasser gehen um gut die Hälfte zurück auf 8,53 Euro beim Schmutzwasser und auf 1,05 Euro für das Regenwasser, jeweils pro Quadratmeter Grundstück.

Auf fast ein Drittel der bisherigen Kosten sinken die Beiträge für Bimbach. Die Bürger zahlen dort ab dem 1. Januar 5,60 Euro für das Schmutzwasser und 60 Cent für das Regenwasser pro Quadratmeter Grundstücksfläche.

Erneut beschäftigte ein Nachbarschaftsstreit den Stadtrat. Dieses Mal beklagte sich ein Anwohner im Baugebiet Ziegelgärten darüber, dass ein anderer Bauherr anstelle der im Bauplan beantragten roten Dachziegel graue gewählt hatte. „Das ist auch kein direkter Nachbar, sondern ein etwas entfernt wohnender Bürger“, ergänzte Schlehr. Da sich mittlerweile auch das Landratsamt eingeschaltet hatte, musste vom Hausbesitzer eine Befreiung von seinem Bauantrag beim Rat beantragen. Dieser Aspekt führte fast zum Streit im Stadtrat, denn in einem vergleichbaren Fall hatte der Rat die nachträgliche Befreiung abgelehnt, und der Tenor ging in der jüngsten Sitzung in Richtung „ja, wir befreien“.

Der Bürgermeister hielt mit seiner persönlichen Meinung nicht hinter dem Berg. „Mir stinkt es, dass da jemand einen konkreten Bauantrag stellt und dann doch was ganz anderes macht, so dass sich dann der Stadtrat darum kümmern muss“, schimpfte er. Andererseits hatte das Landratsamt darauf aufmerksam gemacht, dass schon ein paar Wohnhäuser weiter, in einem anderen Wohngebiet, farblich gemischte Dächer zulässig seien. Im Endeffekt stimmte der Rat mit 12:1 den roten Dachziegeln zu. In einer der nächsten Sitzungen will sich der Rat damit befassen, ob außer rot auch die Alternativfarbe grau-anthrazit zulässig sein kann.