Am Europäischen Tag der jüdischen Kultur wurde in der Alten Synagoge in Kitzingen die Ausstellung "Jüdische Portraits" mit Fotografien von Herlinde Koelbl eröffnet. 

Bei der Begrüßung unterstrich die Vorsitzende des Fördervereins ehemalige Synagoge Kitzingen vor rund 50 Gästen mit dem Antisemitismusbeauftragten der bayerischen Staatsregierung Ludwig Spaenle an der Spitze die Bedeutung der Ausstellung.

Spaenle bezeichnete Europa nach der Shoa als einen Schicksalskontinent, auf dem eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte stattgefunden habe. Bereits seit dem Jahr 321 sei Deutschland der historische Boden für jüdisches Leben und jüdische Kultur. Jüdisches Leben sei nördlich der Alpen womöglich älter als das Christentum. Nach mehr als 1000 Jahren jüdischer Geschichte erbose es ihn, wenn verbreitet werde, Juden seien erst gekommen, obwohl sie Leben und Kultur maßgeblich mitprägten.

Unmöglich, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen

Immer wieder seien Juden aus christlichem Judenhass und Rassenideologie verfolgt worden. Eine große Verfolgungswelle hatte im 16. Jahrhundert den Aufbruch nach Osten zur Folge. Daneben sei es immer wieder unmöglich gewesen, sich am öffentlichen Leben zu beteiligen.

Judenhass mit besonderer Aggression sei von den Nationalsozialisten mit industriell betriebenem Massenmord ausgeübt worden. Sinti und Roma wurden in dieser Zeit ähnlich menschenverachtend verfolgt. Spaenle bezeichnete es als "unglaublich perversen Treibsatz des Regimes", dass Züge mit Juden auf dem Weg in Vernichtungslager Vorrang bekamen vor Zügen, die zur Versorgung der Bevölkerung und sogar der Soldaten an der Ostfront unterwegs waren.

Heute wird das besondere Erbe im Landkreis behütet

Heute werde das besondere historische Erbe besonders in Unterfranken und im Landkreis Kitzingen behütet, in kleinen Gemeinden, wo man einmal guter Nachbar war. Antisemitismus und Judenhass seien nicht zu verstehen, die jüdische Bevölkerung stehe daher für das älteste Muster eines Sündenbocks.

Das Erbe mit bestehenden Gebäuden zu bewahren, erfordere mitunter großen Mut, wenn sie gegen Widerstände aufgebaut und renoviert werden. Dass dies gelinge, mache Mut. Der Langlebigkeit von Judenhass müsse man sich intensiv stellen. Die ehemalige Synagoge in Kitzingen bezeichnete Spaenle als Musterbeispiel für die Nutzung ehemals jüdischer Immobilien.

Archivalien aus einst 368 bayerischen Gemeinden mit jüdischer Bevölkerung seien in Israel erhalten geblieben.

Die Eröffnungsveranstaltung wurde von Charlotte Eitel (Horn) und Stephan Eitel (Flügel) musikalisch begleitet.

Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet und endet am 26. September.