Ein paar Fotos von Mädchen in aufreizenden Posen auf dem Handy haben, deshalb landet man schon vor Gericht? Ja, denn diese Straftat werde mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet, erläuterte der Kitzinger Jugendrichter Wolfgang Hülle. Vor sich auf der Anklagebank hat er einen jungen Mann aus dem Landkreis sitzen, dem genau das zur Last gelegt wird: der Besitz kinderpornografischer Schriften.

Auf die Frage des Richters, warum das denn eine Straftat sei, antwortet der 22-Jährige: "Weiß nicht, weil's verboten ist." Hülle korrigiert mit Nachdruck: "Es geht darum, den Kindern zu ersparen, dass diese überhaupt angefertigt werden." Der Angeklagte sagt nichts. Er macht den Eindruck, als sei er überfordert mit der Situation, als wüsste er gar nicht, warum er vor Gericht gelandet ist. Ein Eindruck, den die Beschreibung der Jugendgerichtshilfe bestätigt. Von Reifedefiziten und einem schlichten Gemüt ist da die Rede. Die Schule hatte der junge Mann ohne Abschluss verlassen, die Ausbildung gerade so gepackt.

Handy bei Hausdurchsuchung gefunden

Vor einem knappen Jahr kam es dann zu der Hausdurchsuchung, bei der neben einer geringen Menge Marihuana mehrere Handys gefunden wurden. Und auf der Sim-Karte des einen Mobiltelefons fanden sich die illegalen Fotos: ein kinderpornografisches Bild sowie sechs jugendpornografische Aufnahmen. Deren Besitz gab der Angeklagte direkt zu. Eine Erklärung, warum sie auf dem alten, angeblich nicht mehr genutzten Handy zu finden waren, hatte er aber nicht. "Das war nur noch zuhause rumgelegen."

Vermutlich aus einer Gruppe des Nachrichtendienstes WhatsApp habe er die Bilder bekommen, die Minderjährige in "unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung" zeigen. So lautete die Anklage. Schnell entschieden war, dass das Jugendstrafrecht angewandt wird. Denn der 22-Jährige ist zwar gerade vor kurzem in eine eigene Wohnung gezogen, sei aber noch nicht von zuhause abgenabelt, lautete die Beschreibung der Jugendgerichtshilfe. Die Sozialprognose fällt gut aus: Der junge Mann hat sich vorher nichts zu schulden kommen lassen, steht noch unter dem Erziehungseinfluss seiner Eltern und hat eine Vollzeit-Stelle.

Geldauflage von 1000 Euro 

Zum Abschluss wird Wolfgang Hülle aber nochmals deutlich: "Ich glaube, dass Sie gewusst haben, dass es strafbar ist." Dennoch entscheidet der Jugendrichter, das Verfahren vorläufig einzustellen. Endgültig erledigt ist die Sache, sobald die Geldauflage von 1000 Euro an die Caritas-Suchtberatung bezahlt ist. "Nochmal darf sowas nicht vorkommen", schiebt Hülle aber warnend hinterher.