Die Corona-Lockerungen in Bayern haben das Leben an der Mainschleife wieder zum Blühen gebracht. Am Pfingstwochenende strömten Touristen und Einheimische in die Region um Volkach und in die Altstadt, so als hätte es die Pandemie nie gegeben. Lediglich die eine oder andere Atemschutzmaske zeugte von möglichen Ansteckungsgefahren. Aufgrund des Massenansturms waren die geforderten Sicherheitsabstände oft nicht einzuhalten. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus tummelten sich viele Radfahrer, Spaziergänger und Familien.

Beim Blick von der Mainbrücke hinab auf die Freizeitmeile der Weinstadt wird klar: Hier atmen die Menschen wieder in vollen Zügen auf. Die Stellplätze des Wohnmobilstellplatzes reichen für den Andrang der Freizeitfahrzeuge nicht aus. Auch das Parkgelände vor der eigentlichen Stellplatzfläche haben die Wohnmobilisten in Beschlag genommen. Eine nicht enden wollende Karawane von Radfahrern und Spaziergängern durchstreift die Gasse zwischen den Reisemobilen.

Corona kaum spürbar

Hochbetrieb herrscht beim benachbarten Kanuverleih Waterwalker. Mit der ganzen Familie und Freunden wartet Claudia Meßthaler auf den Startschuss für die geplante Kanutour den Altmain hinunter. Sie sind aus Düsseldorf angereist, um das Pfingstwochenende an der Mainschleife zu verbringen. Die beiden Kinder sind aufgeregt, bevor es los geht. "Wir freuen uns so, dass wir diesen Ausflug machen können", sagt Claudia Meßthaler. Die Stimmung in ihrem Hotel und in der Stadt sei entspannt, Corona kaum spürbar. Mit den Abstands- und Hygieneregeln könne man leben, meint sie. Hauptsache mal wieder raus aus den eigenen vier Wänden.

Walterwalker-Chef Markus Schönfelder weist die wartenden Kanuten vor der Tour in Paddeltechniken und Regeln auf dem Fluss ein. "Seit Samstag läuft das Geschäft wieder gut", schwärmt er von interessierten Freizeitsportlern und dem schönen Wetter. Während er in seinem Biergarten Mainblick ab und zu Gäste auf die Corona-Regeln hinweisen muss, seien die Paddler eher vernünftig. Die meisten Familien seien mit Mundschutz ausgestattet, auch die Abstände würden eingehalten. Vorherige Online-Anmeldung und die Einhaltung der Dokumentationspflichten sind für Schönfelder obligatorisch.

Mächtig was los in der Altstadt

Auch die Rücktransporte in den Bussen, die seit Samstag wieder erlaubt sind, werden minutiös dokumentiert. "So könnten wir bei Bedarf Infektionsketten nachvollziehen", erklärt er. Natürlich seien in den Bussen Atemschutzmasken Pflicht. Was Schönfelder besonders gefällt: "Die Leute gehen alle sehr rücksichtsvoll mit einander um und nehmen sich Zeit." Fast alle, denn der Wellengang PS-starker Motorboote bringt die Paddelanfänger auf dem Wasser gehörig ins Schwitzen.

Während auf dem Parkplatz zur Wallfahrtskirche Maria im Weingarten, einem sonst beliebten Ausflugsziel, gähnende Leere herrscht, ist in der Innenstadt mächtig was los. Viele Radfahrer nutzen den kurzen Schwenk vom Maintalradweg in die Altstadt. Die zentrumsnahen Parkplätze sind voll. Der Einheimische Klaus Barth ist begeistert: "Endlich kehrt wieder Leben ein in unserer Altstadt." In der Hauptstraße und am Marktplatz sind die Biergärten und Straßencafés gut gefüllt. Am Marktbrunnen pulsiert das Leben, es ist eng. Und: Schutzmasken trägt kaum jemand.

"Seit Samstag läuft das Geschäft wieder gut."
Markus Schönfelder, Walterwalker-Chef

Gastronomen und Hoteliers sind durch die Bank zuversichtlich, dass es wieder aufwärts geht. Der verspätete Start in die Tourismus-Saison an der Mainschleife hat bei herrlichem Wetter den erwarteten Ansturm gebracht und viele Menschen glücklich gemacht - aber auch die Ansteckungsrisiken wieder erhöht.