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Wiesentheid

Per Live-Stream ins Internet: Gottesdienst in Zeiten von Corona

Aus der Wiesentheider Mauritiuskirche sendet die Pfarreiengemeinschaft täglich um 19 Uhr ein Gebets- oder Gottesdienstangebot. Dekan Göttke erklärt das Besondere daran.
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Kurz vor der Live-Sendung in der Sakristei in Wiesentheid: IT-Fachmann Jonas Schug (von links) gibt Pater Isaak, Pater Philippus und Dekan Peter Göttke letzte Hinweise für den Online-Gottesdienst. Foto: Andreas Stöckinger
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Dienstag, kurz vor 19 Uhr in der Wiesentheider Mauritiuskirche. Die Übertragung im Internet läuft bereits, die Kamera zeigt den Blick in den Altarraum, dazu gibt es live im Hintergrund Orgelmusik von Organist Fabian Lorey. Die Bankreihen im großen, frisch renovierten Gotteshaus sind leer. Die in Kürze beginnende Messe wird live übers Internet ausgestrahlt. In Zeiten des Coronavirus' dürfen die Gläubigen nicht vor Ort sein, sie können jedoch zuhause am Computer daran teilnehmen.

In der Sakristei bereitet sich Dekan Peter Göttke zusammen mit Pater Isaak und Pater Philippus vom Kloster Münsterschwarzach auf den in wenigen Minuten folgenden Gottesdienst vor. Die drei Geistlichen von der Pfarreiengemeinschaft St. Benedikt werden anschließend einen Gottesdienst halten, den zweiten, der ausgestrahlt wird.

Am Vortag hat Dekan Göttke bereits zur Premiere mit Pater Philippus eine Messe gelesen. "Es ist schon etwas surreal, du weißt, dass Menschen da sind, aber eigentlich sind sie ja nicht da", beschreibt Göttke, was in ihm dabei vorging. Es ist nicht nur für die drei Geistlichen eine völlig neue Form, das Wort Gottes zu verkünden, zu den Gläubigen zu sprechen. Die Pfarreiengemeinschaft St. Benedikt, zu der neben Wiesentheid noch 13 Pfarreien mit mehr als 20 Ortschaften gehören, nutzt diesen Weg, um die Gläubigen zu erreichen. Die Verantwortlichen der Pfarreiengemeinschaft hätten bereits im Vorfeld überlegt, so Göttke, was man tun und anbieten kann.

Abtei Münsterschwarzach plant Ähnliches

So soll bis auf Weiteres jeden Tag ab 19 Uhr ein Gebets- oder Gottesdienstangebot live aus der katholischen Kirche übertragen werden. An den Wochenenden werde man auch ein Angebot senden – was und wie genau, müsse man noch klären. Die Abtei in Münsterschwarzach, die zum pastoralen Raum gehört, habe Interesse gezeigt und wolle mit einsteigen. Dort ist man dabei, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, heißt es. Ziel des Ganzen ist es, "ein Netzwerk des Glaubens und des Gebetes zu bilden", so die offizielle Mitteilung. Die hing auch in den Kirchen am vergangenen Wochenende aus.

Das Ganze erleichtert habe es, dass in der Wiesentheider Mauritiuskirche die notwendige Technik für eine Live-Übertragung bereits eingebaut ist, sagt Göttke. Dort ist eine Kamera an der Empore unweit der Orgel fest installiert, in der Sakristei hat IT-Fachmann Jonas Schug ein Live-Broadcasting-System eingerichtet. Vereinfacht gesagt, koordiniert das kleine Kästchen die eingehenden Bild- und Tonsignale, zudem lässt sich von dort aus die Kamera bei Bedarf steuern, erläutert er.

Die Technik sei für Fernuniversitäten gedacht, damit Studenten Vorlesungen verfolgen könnten, wenn sie selbst nicht am Studienort sein können, schildert Schug. Warum nicht für die Kirche anwenden, habe man in Wiesentheid überlegt. Dort zog man es in Erwägung, um zum Beispiel den Sonntagsgottesdienst aus der Mauritiuskirche auch live, zum Beispiel ins Altenheim im Ort, zu übertragen. "Damit auch die älteren Menschen die Möglichkeit haben, daran teilzuhaben", sagt der Wiesentheider Kirchenpfleger Paul Schug. Später könne man vielleicht auch mal Konzerte aus der Kirche live ins Internet übertragen, so Schug weiter, doch das ist erst einmal Zukunftsmusik. Zunächst geht es um die kirchlichen Angebote während das Coronavirus grassiert, solange die Gottesdienste nicht besucht werden dürfen.

Die Investition zahlt sich aus

Bevor der aktuelle Gottesdienst los geht, erklärt Jonas Schug den Geistlichen noch kurz einiges zur Technik. Über einen You-Tube-Kanal wird gesendet. Mit etwa zehn Sekunden Verzögerung kommt das Bild vom Live-Gottesdienst auf die PC der Nutzer. Nicht nur sie staunen über die Möglichkeiten. Sie müssten sich erst daran gewöhnen, dass man eben keinen direkten Blickkontakt zu den Gläubigen habe, meint Pater Isaac. Man dürfe aber nicht vergessen, es sei eine Notsituation, wendet Pater Philippus ein. "Die Gesichter hat man so eben in seinen Herzen." Die Übertragung solle "nicht zu geisterhaft" wirken, meint er. Generell sei man dankbar, dass die Möglichkeit in Wiesentheid beim Umbau der Kirche geschaffen wurde. Die zusätzliche Investition von über 5000 Euro zahle sich nun aus.

Die Gläubigen können und sollen sich auch an den Gottesdiensten oder Gebetsangeboten beteiligen, darauf weisen die Zuständigen hin. Per E-Mail können sie im Vorfeld Gedanken und Vorschläge einbringen. "Wir wollen die Menschen in den Blick nehmen, die Anliegen der Leute aufnehmen und auf den Altar legen", so formuliert es Pater Isaak.

Dann beginnt die Messe. Dekan Göttke begrüßt die Gläubigen, die im Internet dabei sind. Er erläutert ihnen kurz, warum man diese Form gewählt hat. Es folgen Lesung, kurze Predigt, Gabenbereitung, zwischendurch spielt die Orgel Lieder, eben wie im Gottesdienst. Der dauert etwa 45 Minuten, dann ist Schluss. Den Live-Stream haben diesmal immerhin 131 Gläubige verfolgt, am Tag zuvor waren es 58. Auch das kann Jonas Schug über seinen PC ermitteln.