Der Wettergott hat es am Samstag gut gemeint mit den fränkischen Ökowinzern. Bei der 9. Auflage der Öko-Weinpräsentation auf der Vogelsburg lockte Kaiserwetter mehrere hundert Weinliebhaber, die unter schattigen Obstbäumen an einer außergewöhnlichen Weinprobe mit Erzeugnissen der heimischen Bio-Winzer teilnahmen. „Natürlich Wein genießen“ lautete das Motto auf dem Fleckchen Erde, auf dem einst die Augustinusschwestern der Vogelsburg Pionierarbeit in Sachen biologischer Weinanbau in Franken leisteten.

33 Mitglieder hat der Bund fränkischer Ökowinzer (FÖW) aktuell, die 200 Hektar Anbaufläche biologisch bewirtschaften. 23 Betriebe servierten auf der Vogelsburg ihre Kellererzeugnisse, die aus den fränkischen Anbaugebieten vom Steigerwald bis zum Untermain stammen. Der Vorsitzende des FÖW, Klemens Rumpel, war begeistert von der Resonanz an der Weinpräsentation. „Man sieht rundum glückliche Menschen, die alle zufrieden und in einer tollen Stimmung sind“, sagte Rumpel dieser Zeitung.

Die Ökowinzer bewirtschaften zurzeit etwa vier Prozent der Anbaufläche in Franken. „Tendenz steigend“, so der Vorsitzende. „Wenn sich Weinfranken weiter profilieren will, dann kommt es am Ökoweinbau nicht vorbei“, betonte Rumpel.

Der Grund: Die Bioweine seien vom Ergebnis her individueller als die herkömmlichen Weine. Mit Blick auf die Umwelt würden die klassischen fränkischen Rebsorten wie Weißburgunder, Müller-Thurgau, Silvaner und Riesling ebenso angebaut wie die pilzresistenten Neuzüchtungen Helios, Johanniter und Regent.

Zu den Auswirkungen der Trockenheit in diesem Jahr meinte Rumpel: „Unsere Reben haben den Stress schon immer gut vertragen.“ Nur bei Junganlagen habe man die gleichen Probleme wie konventionelle Winzer. Weil die Weintrauben in diesem kleiner sind, rechnet der Vorsitzende mit einer Ertragsminderung beim Biowein von etwa 20 Prozent. Das sei bei der geringen Niederschlagsmenge in diesem Jahr für die Ökowinzer ein durchaus zufriedenstellendes Ergebnis.

Der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann, und die fränkische Weinkönigin Kristin Langmann nutzten die Gelegenheit, auch einmal Roséweine und Seccos zu kosten. „Es gibt immer mehr Winzer, die tendenziell mit dem ökologischen Weinbau beginnen, aber noch nicht ihren gesamten Betrieb umstellen“, sagte Steinmann zur aktuellen Situation. Auch Nicht-Ökowinzer würden seit vielen Jahren umweltschonend arbeiten. Durch die 150 Wetterstationen in Franken könne Pflanzenschutz ganz gezielt nur bei Schadfällen betrieben werden. Ziel sei es, ein bis zwei Pflanzenschutzspritzungen pro Jahr einzusparen. Dies sei ein wesentlicher Beitrag zum Umweltschutz, für den die Ökowinzer unbestritten die Vorreiter seien.

Einig waren sich Steinmann und die Weinkönigin darüber, bei der Auswahl eines Weines nicht die Art des Anbaus, sondern den Geschmack entscheiden zu lassen. Geschmeckt hat es am Samstag allen Besuchern, die mehr als 100 Weine austesten konnten. Nicht geschmeckt hat ihnen die Parksituation auf der Vogelsburg, mussten sie doch zusätzlich zum Verkostungseintritt Parkgebühren entrichten.