Wenn Otto Hünnerkopf am Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert, wird sich die Zahl der Gäste im Wiesentheider Ortsteil Untersambach in Grenzen halten. Angesichts der geltenden Kontaktbeschränkungen darf nicht allzu groß gefeiert werden, was den einstigen CSU-Landtagsabgeordneten nicht unbedingt stört. Er ist schon froh, dass jetzt zwei Familien wieder zusammen kommen dürfen. „Die Welt dreht sich weiter, wenn ich den 70. nicht groß feiere. Wenn die Leute an dem Tag an mich denken, oder mir schreiben, freue ich mich auch“, meinte er im Vorfeld.

Glückwünsche wird es sicher einige geben für Hünnerkopf, der 2018 nach 15 Jahren als Abgeordneter im Bayerischen Landtag nicht mehr kandidierte. Die Kontakte hat er nach wie vor, auch nach ganz oben, zum Ministerpräsidenten. "Mit Markus Söder bin ich häufiger im Austausch, über WhatsApp. Da schreib ich ihm auch mal länger. Zum Thema Kanzlerkandidatur habe ich ihm auch mitgeteilt, was ich ihm da empfehle.“ Welchen Rat er gegeben habe, das bleibe geheim. Söder schreibe regelmäßig zurück, die Antwort lasse meist keine 30 Minuten auf sich warten.

15 intensive Jahre

Zu Hünnerkopfs 60. Geburtstag, der damals in der Wiesentheider Steigerwaldhalle gefeiert wurde, hielt Söder, damals Bayerischer Finanzminister, als Gast eine sehr persönliche Rede. Beide kennen sich aus dem Umweltministerium, wo sie einst eng zusammen arbeiteten. Den heutigen Ministerpräsidenten habe er, so Hünerkopf, bereits damals als jemanden erlebt, der seine Mitarbeiter sehr fordere.

Im Rückspiegel bezeichnet der Jubilar die 15 Jahre im Parlament als sehr intensive Arbeit, die er gern gemacht habe. „Alles hat seine Zeit. Es waren für mich die interessantesten 15 Jahre“. Allerdings beneide er seine Polit-Kollegen, die gerade in Corona-Zeiten in der Verantwortung sitzen, aktuell nicht. Mit vielen Auffassungen und Interessen, die auf einen einprasseln - bis hin zu Anfeindungen - müsse man klarkommen. „Was ich am meisten denke: Wie schwer ist es, nachhaltig Entscheidungen zu treffen, für die du keine Kritik kriegst.“

Stressig sei es, das Politikerleben, das habe er am eigenen Leib verspürt. Mit etwas Abstand frage er sich heute, wie er die vielen Termine und Verpflichtungen als Volksvertreter wahrnehmen konnte.

Diesen Druck und die Hatz verspürt Otto Hünnerkopf nicht mehr, das vermisst er nicht. Einen Terminkalender hat er zwar noch, der ist aber längst nicht mehr so voll. Heute genießt er die Zeit mit weniger Verpflichtungen. Langweilig werde und sei ihm bestimmt nicht, durch manch gebliebenes Ehrenamt und den alten Bauernhof der Eltern sei er beschäftigt. Zurzeit schneidet er seine mehr als 80 eigenen Obstbäume. „Da muss man ständig hinterher sein, sonst sind sie gleich kaputt.“

Sich weiterhin einbringen

Nicht alle der Posten hat er abgegeben. So sitzt Hünnerkopf nach wie vor im Gemeinderat in Wiesentheid, weil es ihm Spaß mache, sich einzubringen. . Im unterfränkischen Obst- und Gartenbauverband bekleidet er den Vorsitz, das liege ihm eben nahe. In seinem Wohnort Untersambach ist er Obmann im Bauernverband.

Im Ruhestand nimmt sich der Familienmensch gerne viel Zeit für seine Enkel. Vier hat er, zwei davon wohnen in der Nähe, in Wiesentheid, bei deren Betreuung Otto Hünnerkopf und seine Frau Irene die Eltern unterstützen. So klingelt sein Wecker werktags um 6.15 Uhr. Dann werden die Enkel zu Kindergarten und Schule gebracht, mittags wieder abgeholt. Es folgen Hausaufgaben, Musikinstrument üben und so weiter.

Besonders gerne geht Opa Otto mit ihnen in die Natur, genau wie damals, als er selbst Kind war, wird nach den Tieren geschaut, wie dem Biber in der Nähe. Barfuß im Bach laufen, darf auch mal sein. Die Enkel um sich zu haben, genießt er. „Das ist so etwas Schönes! Für mich ist es das Lebenselixier.“

Hünnerkopfs Leitsatz stammt vom früheren Papst Johannes XXIII.: „Immer beschäftigt sein, aber nicht unter Eile leiden. Das ist ein Stück Himmel auf Erden.“ Gesund und fit fühle er sich, trotz zweier künstlicher Kniegelenke. Im Wald körperlich arbeiten, das sei ihm lieber als zehn Stunden zu sitzen. Dazu geht er regelmäßig zu Fitness-Kursen oder nutzt das Rudergerät zuhause.

Mit den Bayern fiebern

Abends hat er nun die Muße, auch mal über einem guten Buch sitzen zu bleiben, was sonst kaum möglich war. Der Fernsehapparat läuft am ehesten bei Natursendungen - oder beim Fußball. „Ich schaue es einfach gerne und habe es auch früher gerne gespielt.“ Mit dem FC Bayern München fiebert er nach wie vor.

Das Gefühl, irgendetwas unbedingt noch tun oder sehen zu müssen, treibt ihn nicht um. Auf Reisen geht es mit dem Wohnmobil, nicht zu lange, am liebsten in Deutschland. Von der Landschaft und der Weite in der Lüneburger Heide schwärmt er, ganz der Naturmensch eben.

Ein weiteres Projekt hat sich Otto Hünnerkopf vorgenommen, das Zeit bedarf. So hat er begonnen, seine Erinnerungen aufzuschreiben, um sie den Nachkommen weiter zu geben. Der Anfang ist gemacht, zwei Drittel davon fehlen noch, wie er sagt. In nächster Zeit wird allerdings der anstehende Hausbau seiner Tochter Elisabeth fordern, wo er  tatkräftig mithelfen will. Ganz nach seinem Sinn. „Ich möchte nicht nur Zeit verbringen, sondern immer etwas tun.“