Großer Andrang schon bei der Premiere: Der Kinder- und Jugendchor Young Harmony führte „Oliver Twist Now“ auf. Bereits eine Stunde vor Beginn am Sonntagabend füllten sich die Reihen in der Mehrzweckhalle, nicht nur mit erwartungsvollen Eltern und Großeltern. Und das Publikum spendete nach über drei Stunden – gegen 23 Uhr – begeisterten Beifall für eine herausragende gesangliche und schauspielerische Leistung der Kinder und Jugendlichen.

Bewundernswert, mit welcher Begeisterung die 60 Kinder und Jugendlichen unter Chordirektor und Komponist Uwe Ungerer dieses neue anspruchsvolle Werk auf die Bühne gebracht haben. Das bedeutet drei Stunden volle Konzentration auf Text und Stimme. Anfängliche Unsicherheiten bei der Premiere waren schnell der reinen Spielfreude gewichen. Hauptdarsteller Pascal Hipp als Oliver Twist verstand es, das arme Kind aus dem Waisenhaus im eigentlichen Wortsinn zu „verkörpern“. Auch seine Stimme gewann zunehmend an Kraft und Sicherheit.

Professionelle Hilfe

Komponist Ungerer (Mainstockheim) hatte diesmal den literarischen Stoff von Charles Dickens „Oliver Twist“ zu Beginn der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert als Vorlage gewählt. Die Geschichte des Waisenkindes Oliver Twist, das seinem trostlosen Leben entkommen will, habe auch in heutiger Zeit nichts von ihrer Aktualität und Brisanz verloren, meint Uwe Ungerer. Geschrieben hat er das Stück in der Tradition klassischer Musicals. Sechs professionelle Kammermusiker von der Hochschule unterstützen den mehrstimmigen Jugendchor und die Solisten.

Professionelle Hilfe erhielten die jungen Darsteller auch in Sachen Schauspielkunst. Marion Baden, Theaterpädagogin, erarbeitete mit den Kindern und Jugendlichen unter anderem das „echte Fühlen des Charakters – was du tust, musst zur Rolle passen“. Das Ergebnis dieser Lernprozesse konnte sich bei der Erstaufführung sehen lassen – mit starken Charakteren: die bösartigen Frauen Dreschmann und Sauerkohl (Lea Zepter und Emmi Wendemuth), der gebeugt-servile Fänger (Christopher Tellinger) oder der brutale Chef JB Spike (Florian Langer) als Gangster und seine sanfte Schwester Elisabeth (Magdalena Eckstein).

Landrätin als Schirmherrin

Witziger Einfall am Rande: André Henftling als Obdachloser pumpte die Landrätin in der ersten Reihe an: „Haste mal 'n Euro?“ - und sie hatte einen! (Unter den Gästen waren unter anderen wieder die Landrätin und Schirmherrin Tamara Bischof und Bürgermeister Karl-Dieter Fuchs.)

Gut in ihren Rollen waren auch die Kinderbande und die Drei vom FBI. Fetzige Songs der Gang und ein gelungenes Bühnengeschehen mit Litfaßsäule, Einkaufswagen und Wurstverkäufer sorgten für Abwechslung. Einfühlsam begleitete das Orchester mit Klarinette und Flöte die Traumkinder oder mit Stakkato am Klavier den Bösewicht JB.

Lehrerin Frau Goldmund (Jessica Jacobi) erfreute mit schöner Stimme im Duett mit Oliver Twist (Pascal Hipp).

Begeisterter Beifall für eine herausragende gesangliche und schauspielerische Leistung der Kinder und Jugendlichen.

Die halbe Stunde Pause von 21 Uhr bis 21.30 Uhr hatten sich die Akteure verdient. Aber es war doch eine Herausforderung nicht nur für die „Traumkinder“ im Grundschulalter, die bis zum Schluss um 23 Uhr durchhalten mussten. Die Talkrunde „Menschen bei Vornberger“ hat den Abend zusätzlich in die Länge gezogen.

Zum Musical gibt es ein Programmheft, originell in Form eines Tagebuches gestaltet.

„Oliver Twist now“: Weitere Vorstellungen der Young Harmony sind am Feiertag, 1. November, sowie am Freitag und Samstag, 4. und 5. November, jeweils um 19.30 Uhr. in der Turnhalle in Mainstockheim. Infos dazu im Internet unter www.chorjugend-mainstockheim.de