Stefan Güntner fühlt sich angekommen im Amt. In den fünf Monaten nach seinem Einzug ins Kitizinger Rathaus hat der neue Oberbürgermeister seinen Platz gefunden und auch manches verändert. Sein Arbeitsplatz im historischen Rathaus ist geprägt von schwarz-weißen Schreibtafeln an den Wänden statt bunter Gemälde. "Mein Büro ist Arbeitsplatz und keine Kunstgalerie", lautet seine Devise.

Besprechungen nutzt der OB nämlich gerne dazu, gemeinsame Ideen schriftlich und gut sichtbar festzuhalten. Den Unterschied zwischen seinem Stellvertreter-Posten vor der Wahl und der Gesamtverantwortung jetzt bezeichnet er als "gravierend". "Für den früheren OB Siegfried Müller war ich ein zuverlässiger Einwechselspieler", sagt der ehemalige Bayern-Kicker Güntner. Aber ins Alltagsgeschäft sei er nicht eingebunden gewesen. Jetzt ist Güntner Spielmacher. Seinen neuen Job hat er Viertklässlern neulich so erklärt: "Ich sitze im Büro und denke: Was könnte für Kitzingen gut sein? Dann frage ich meine Amtsleiter, ob das umsetzbar ist, und am Ende legen wir die Idee dem Stadtrat zur Entscheidung vor."

Güntner als Passgeber und Torvorbereiter? Auf jeden Fall sieht er seine Rolle im Team – sowohl in der Runde der Amtsleiter als auch im Stadtrat. Dort will der OB die bunte Diskussion der zehn Gruppierungen moderieren. Die Verwaltung und sich sieht er weniger als Diskussionspartner. Schließlich habe man mit den Sitzungspapieren bereits die Vorlagen geliefert. Einnetzen soll das Gremium.

Harmonischer Start im Stadtrat

Den Start des Stadtrats mit immerhin zwölf neuen Mitgliedern findet Güntner gelungen. Ob es bei der Auftakt-Harmonie bleibt, wird sich zeigen, wenn das Gremium im November die begehrten Posten der Referenten verteilt. Aber auch danach hat das Gemeindeparlament noch viele heftige Themen vor der Brust. Auf seiner Wandtafel hat Güntner einige dicke Brocken notiert. Da ist zunächst das Pflichtprogramm: Der Stadt fehlen immer noch rund 200 Kinderbetreuungsplätze, obwohl die Eltern einen gesetzlichen Anspruch darauf haben. Also muss Kitzingen schnellstens handeln. Die Erweiterung in der Alemannenstraße, bei St. Johannes und St. Vinzenz ist vollzogen oder am Laufen. Darüber hinaus sucht die Stadtverwaltung nach weiteren Standorten. Ein Millionenprojekt.

Mit der Wirtschaftsschule geht es weiter: Allein die Sanierung des denkmalgeschützten Dachstuhls soll sieben Millionen Euro kosten, sagt Güntner. Er hofft, dass die Sanierung 2021 beginnt, frühestens ab den Sommerferien. Bis dahin muss aber eine Ausweichgelegenheit geschaffen werden, denn eine Sanierung bei laufendem Unterricht sei in der Friedrich-Bernbeck-Schule nicht möglich.

Millionenschwere Vorhaben vor der Brust

Die Sickergrundhalle wird für über 16 Millionen Euro saniert. Zwar erhofft sich Güntner hier noch weitere zwei, drei Millionen Euro Zuschuss aus einem neuen Förderprogramm, doch der städtische Anteil wiegt auch dann noch millionenschwer. Nach der Hallensaison, also im April/Mai 2021 oder spätestens 2022, soll es losgehen. 

Auf einen Startschuss wartet auch die Verwirklichung des Konzepts für das Notwohngebiet samt Obdachlosenunterkunft in der Kitzinger Siedlung. Die in die Jahre gekommenen Billig-Unterkünfte sollen mit einem aktuellen Standard neu gebaut werden. Die erfreuliche Entwicklung dort: Inzwischen würden sich auch private Investoren darum bewerben, solche Sozialwohnungsbauten zu erstellen, sagt Güntner. Lange Zeit galt das für Unternehmer als wenig lukrativ. Sollte Kitzingen dafür einen Investor finden, würde es die Stadtkasse entlasten.

"Die Prioritäten setzt der Stadtrat."
Stefan Güntner, Oberbürgermeister der Stadt Kitzingen

Die wird durch andere Projekte in Anspruch genommen: Der OB will den verlotterten Bahnhof und sein Umfeld auf Vordermann bringen: Auf dem Schotterparkplatz soll ein Zentraler Omnibus-Bahnhof entstehen, wenn der Bahnhofsbesitzer das Gelände an die Stadt verkauft. Der Privatinvestor soll außerdem dazu bewogen werden, das leere Gebäude wieder mit Leben zu füllen, Aufenthaltsraum und Toiletten zur Verfügung zu stellen. Und nicht zuletzt bohrt die Stadt an der Bahn, damit die im Rahmen ihres Umbauprogramms endlich den Kitzinger Bahnhof barrierefrei ausbaut.

Spannend ist Güntners Vorstellung vom Ausbau der städtischen Florian-Geyer-Halle: Sie soll durch mehr Toiletten und Fluchtwege so ertüchtigt werden, dass zumindest die zehn genehmigten Veranstaltungen pro Jahr darin stattfinden können – zuvorderst die KiKaG-Schlappmaulorden-Prunksitzung und der Sport- und Spielenachmittag der TGK. Größere Veranstaltungen, wie Messen, kann sich Güntner in Zusammenarbeit mit privaten Hallenbesitzern außerhalb der Innenstadt vorstellen.

Langfristige Ziele

Zwei langfristige Vorhaben hat der OB noch vor Augen: Zum einen will er die längst fällige Neugestaltung der Innenstadt angehen und dabei im kommenden Jahr so viele Bürger und Betroffene wie möglich an der Konzepterarbeitung beteiligen. Und zum anderen strebt er eine langfristige Bodenpolitik an. Das Ziel: neue Grundstücke für Gewerbe und Wohngebiete in der Kernstadt und den Stadtteilen erschließen und die Altstadt quartiersweise sanieren. 

Bei all diesen Projekten und Millionensummen spricht sich der Oberbürgermeister für eine ehrliche Haushaltsplanung aus. Man solle nur das einplanen, was auch zu schaffen sei, lautet seine Devise. In diesem Punkt wird der Spielmacher wieder Teamspieler: "Die Prioritäten setzt der Stadtrat."