Tags zuvor, da konnte man noch im T-Shirt bis in die frühen Abendstunden draußen sitzen. Ein goldener Herbst machte den 25. Tag der Deutschen Einheit zum Feiertag für die Sonnenanbeter oder auch für die zahlreichen Winzer, die in den Weinbergen die Ernte einholten. Tags drauf zeigte sich der Herbst jedoch von seiner schmuddeligen Seite: Der Himmel grau in grau, und bis zum frühen Abend nieselte oder regnete es. Die vielen aufgestellten Tische und Bänke bleiben meist leer, da die Besucher die durch Pavillons geschützten Plätze bevorzugten.

Im Mönchsondheimer Kirchenburgmuseum fand zeitgleich das jährliche Herbst- und Kelterfest statt, eigentlich ein Garant für viele Besucher. Doch die Massen blieben diesmal aus. Der „harte Kern“ aber freute sich über die zahlreichen Darbietungen und entfloh dem Nass von oben zugunsten eines Blicks in die erst vor wenigen Monaten neu eröffneten Museumsräume.

Einer war zum ersten Mal dabei: Otto Rückert aus Geckenheim nahe Uffenheim bediente eine Strohbänder-Drehmaschine, ein über 100 Jahre altes Gerät aus seiner Sammlung. Seile aus Stroh binden, die dann auch noch halten – daran hatte sich Museumsleiter Reinhard Hüßner und sein Team bereits ausprobiert. „Es hat einfach nichts gehalten“, erinnert sich Hüßner. Erst Rückert habe die entscheidende Zutat verraten: Seegras wird mit eingeflochten, dann halten die Seile. Am Sonntag drehten Rückert samt Gattin jedoch nicht nur Seile, sondern bastelten daraus auch gleich Herzen, die für einen kleinen Obolus verkauft wurden. Die Kinder durften freilich mitdrehen – ein echtes Erlebnis, und herausgekommen ist etwas ganz Individuelles.

Mitmachen, das ist beim Herbst- und Kelterfest ohnehin ein tragendes Element. Apfel- und Traubensaft keltern wie anno dazumal, auch mal an die Maschine mit ran und mit voller Kraft auch den letzten Tropfen herauspressen – da schmeckt der Saft anschließend gleich umso besser.

Und dass die Butter nicht nur als rechteckiger Klotz im Kühlregal des Kaufhauses steht, sondern vom Butterstampfer kommend gleich noch viel intensiver riecht – das fasziniert auch die Älteren, die dieses Handwerk vielleicht nur vom Hörensagen kennen.

Authentizität – ein schwierig auszusprechendes und mittlerweile inflationär gebrauchtes Wort. Reinhard Hüßner nimmt es auch nicht gerne in den Mund, aber es charakterisiert am Ende doch, um was es im Kirchenburgmuseum Mönchsondheim geht. Altes Handwerk, passend zur Jahreszeit, wird beim Herbst- und Kelterfest nicht in alten Klamotten oder mit viel Brimborium inszeniert, sondern es wird einfach gearbeitet: Kräuterkränze gebunden, mit dem Dreschflegel gedroschen oder Klee aufgebockt. Zuschauen, mitarbeiten, Fragen stellen, sinnlich erleben – eine runde Sache.

Dazu passt auch das kulinarische Angebot, das bei diesem Herbst-Highlight im Veranstaltungsreigen des Kirchenburgmuseums ebenfalls wie die berühmte Faust aufs Auge passt: Frisch gedämpfte Kartoffeln mit Presssack, die mittlerweile „berühmte“ Krautwurst oder Quark, als Nachtisch „Apfelkräpfli“ mit Vanillesoße und Waffeln. Das sind jetzt meist nicht die Sachen, die man sich vorwiegend im Restaurant bestellt oder die man statt der üblichen Grilladen vielleicht auf solch einem Fest erwarten würde. Aber frisch aus dem Kessel schmecken beispielsweise die Kartoffeln, die inklusive Schale verputzt werden, einfach besser. Vielleicht liegt's auch am Ambiente.

Auch wenn die vielen aufgestellten Tische und Bänke meist leer blieben und sich die Besucher mit Sitzfleisch unter die durch Pavillons geschützten Reihen flüchteten: Die Stimmung bei den Helfern ließ sich nicht durch die Witterung trüben. Auch mal schlechtes Wetter, das gehört zum Herbst eben mit dazu, und somit auch zum Fest in der Kirchenburg.