Anfang Juni eröffnete Noah Weißenberger den "Fränkischen Hof" in Marktbreit. Wegen des November-Lockdowns hat er jetzt wieder geschlossen. Seit Mittwoch kann er nun die von der Bundesregierung beschlossenen November-Hilfen beantragen. Demnach erhalten Unternehmen 75 Prozent des Umsatzes, den sie November 2019 erwirtschaftet haben, vom Staat. Doch weil Weißenberger im vergangenen Jahr noch nicht geöffnet hatte, fehlt ihm der Referenzwert. 

Für diesen Ausnahmefall hat der Gesetzgeber eine Alternative festgelegt. Es gilt dann entweder der Oktober 2020 als Bezugsgröße oder ein Durchschnittswert der Monate seit der Firmengründung. Dies kann der Unternehmer selbst auswählen. Weil aber im Corona-Sommer besonders für Gastronomie und Hotellerie besondere Auflagen galten und viele Veranstaltungen und Feste ausfielen, war der Umsatz in vielen Fällen niedriger. Müssen die Gastronomen, die in diesem Jahr erst eröffneten, also mit weniger Geld vom Staat rechnen?

"Theoretisch ja", erklärt Michael Schwägerl, Bezirksgeschäftsführer für Unterfranken beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). "In Würzburg oder Schweinfurt, wo Hotels und Gastronomie stärker von Tagungen und Veranstaltungen abhängig sind, ist dies sicher ein Problem für neu gegründete Unternehmen." Im Landkreis Kitzingen dagegen scheint es so, als würden die Novemberhilfen recht reibungslos funktionieren. Auch für neu eröffnete Unternehmen, wie den "Fränkischen Hof" in Marktbreit.

Guter Sommer sorgt für ausreichend Hilfen

"Bei uns lief die Biergartensaison wirklich super, deshalb bekommen wir, denke ich, auch ausreichend November-Hilfen", so Weißenberger. Die staatliche Unterstützung beantragte er allerdings erst auf Nachfrage dieser Redaktion. Zuvor hatte er von seinem Steuerberater die falsche Info, dass Unternehmen, die im Laufe dieses Jahres eröffnet haben, von den Hilfen ausgenommen seien.

"Bei uns läuft auch das Abholgeschäft super", berichtet der Wirt, der vorher Restaurantleiter im Restaurant "Kuno" in Würzburg war, weiter. Die Umsätze, die er damit erzielt, dürfen zu den 75 Prozent, die er als November-Hilfe erhält, dazugezählt werden. Nur wenn das Unternehmen zusammen dann mehr Umsatz macht als im Durchschnitt der Vormonate, werden die Hilfen reduziert. Zufrieden mit den Staatshilfen, die wegen des Lockdowns nötig wurden, ist auch Philip Aczél vom im Sommer neu eröffneten Hotel und Restaurant "Tuchhaus" in der Volkacher Innenstadt.

Hilfen sollen schnell ausgezahlt werden

Weil Volkach im Sommer insgesamt sogar mehr Besucher empfangen konnte als im Vorjahr, bekommt auch das "Tuchhaus" ausreichend Hilfen für den jetzigen Lockdown. Auch Aczél hat die Zuschüsse bereits beim Staat beantragt. Weil durch das Beherbergungsverbot bereits der Oktober in seinem Hotel nicht so gut lief, entschied sich auch er, den durchschnittlichen Umsatz aller Monate seit Öffnung zu verwenden. "Für unsere Branche ist das auf jeden Fall ganz gut gemacht von der Politik", findet der Geschäftsführer.  Der Tourismus im Landkreis litt nicht so stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie wie andere Landkreise.

"Die Unternehmen können die Hilfen erst seit vergangenem Mittwoch beantragen, aber wenn alles so gezahlt wird wie angekündigt, ist es eine gute Hilfe", bestätigt auch Michael Seufert, stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel und Gaststättenverbands in Kitzingen. Er freue sich über jede Unterstützung, die seine Branche bekomme. Diese müsse nun aber auch zügig ausgezahlt werden. "Ich hoffe, der erste Abschlag kommt bald", sagt Bezirksgeschäftsführer Schwägerl, "denn im Dezember müssen wir ja jetzt auch weiterhin geschlossen haben."

Er ist auch froh, dass das Bundesfinanzministerium in einem weiteren Punkt nachgesteuert hat: "Mischbetriebe, die nur einen Teil ihres Umsatzes mit der Gastronomie machen, sind jetzt nicht mehr von den Hilfen ausgeschlossen", erklärt er. Damit bekomme ein Restaurant, zu dem auch eine Metzgerei gehöre, was gerade im Landkreis Kitzingen häufiger vorkomme, auch Hilfe. Auch die vielen Winzer, die zusätzlich noch eine Gastronomie betreiben, wären sonst außen vor gewesen. "Das hätte viele Unternehmen in die Insolvenz getrieben." So aber freut sich Schwägerl: "Zum Glück hat die Bundesregierung da jetzt eingelenkt."