Vor gut fünf Monaten mussten Hoteliers und Gastronomen plötzlich zuschließen. Sämtliche Einnahmen fielen vom einen auf den anderen Tag weg und die Existenz vieler Betriebe war bedroht. Während Bars und Clubs weiter geschlossen sind, haben die meisten Hotels und Restaurants wieder geöffnet und sich an den Corona-Alltag gewöhnt , doch von einer Rückkehr zur Normalität kann noch keine Rede sein.

"Mein Fazit nach fast einem halben Jahr Corona ist sehr zwiespältig", fasst Thomas Dauenhauer, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga  zusammen. Denn von dem Boom, den es in Tourismusgebieten an der Nord- und Ostsee, im Allgäu oder in den Alpen gab, habe er im Fränkischen Weinland nicht viel mitbekommen. Das läge vor allem daran, dass sämtliche Feste und große Veranstaltungen ausgefallen seien. "Biergärten, Cafés und Restaurants laufen dagegen sehr gut, weil viele Gäste, die einen Tagesausflug machen, kommen", berichtet Dauenhauer.

Corona-Hilfen der Regierung haben geholfen

Bei Familie Roßkopf, die in Iphofen den Gasthof Goldene Krone mit angeschlossenem Hotel betreibt, sieht es ähnlich aus. Die Umsätze im Restaurant waren im Juni noch verhalten, haben aber mittlerweile fast das alte Niveau erreicht. Doch im Hotel fehlen ungefähr 50 Prozent der Gäste. Die Corona-Hilfen der bayerischen Staatsregierung und der Bundesregierung haben gut funktioniert. Das Kurzarbeitergeld kam nach leichten Anlaufschwierigkeiten ebenfalls sehr schnell.

Spannend wird es nun ab September, wenn die meisten Hilfen auslaufen, befürchtet Dauenhauer. "Bei einer halben Million Euro Umsatz, die manchen Unternehmen fehlt, sind 15 000 Euro Corona-Hilfen natürlich ein Tropfen auf den heißen Stein", meint Dauenhauer. Dazu kommt allerdings noch das Kurzarbeitergeld, das der Staat bei Bedarf ebenfalls auszahlt. "Der Herbst wird eine schwierige Zeit für uns", befürchtet Dauenhauer, denn dann fallen die vielen Kurzurlauber, die aktuell beispielsweise mit dem Fahrrad durch den Landkreis unterwegs sind, weg.

An die Maskenpflicht haben sich die Gäste mittlerweile gewohnt. Anders als der Berliner Dehoga  fordert Dauenhauer keine verstärkten Kontrollen der Maskenpflicht im Landkreis. "90 Prozent der Gäste tragen die Maske, der Rest zieht sie nach einem kurzen Hinweis auch auf", erklärt Dauenhauer. "Kontrollen haben wir in der Gastronomie schon genug", findet der Familienunternehmer, der in Dettelbach neben zwei Hotels auch zwei Cafés und ein Eiscafé betreibt.

Masken verursachen Kopfschmerzen beim Personal

Die Maskenpflicht gilt aber nicht nur für Gäste, sondern auch für das Service-Personal und die Mitarbeiter in der Küche. In seiner Backstube sei das schon ab und zu ein Problem, erklärt Dauenhauer. Auch in Iphofen bei Renate Roßkopf verursacht die Maske ab und zu Kopfschmerzen, vor allem wenn sie über mehrere Stunden getragen werden muss. "Die Mitarbeiter machen mehr Pausen und trinken mehr", weiß Dauenhauer. Trotzdem halten beide Gastronomen die Masken für absolut notwendig.

Auch die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) will wissen, wie die rund 2300 Beschäftigten im Landkreis Kitzingen mit den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie zurecht kommen. Neben Fragen zur Maskenpflicht und den Hygieneregeln fragt die NGG derzeit auch, wie sich die Arbeitsverhältnisse geändert haben. "Die Erfahrungen sollen dabei helfen, den Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Gäste zu verbessern. Das Gastgewerbe darf unter keinen Umständen zu einem Corona-Hotspot – wie im Tiroler Skiort Ischgl – werden", teilt der Geschäftsführer der NGG Unterfranken, Ibo Ocak, mit.