Hervorragende Qualität – aber geringere Erträge: Die Ernte der Süßkirschen ist in vielen Regionen zum Teil sehr gering ausgefallen. Dieses Fazit zieht Hubert Siegler, Obstbauexperte der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim: „Ein langer Winter, eine kurze Blüte, ein kühles Frühjahr und mancherorts Starkregen verursachten nicht nur eine um rund zwei Wochen verspätete Reife. Viele Früchte fielen vorzeitig ab.“

Im Thüngersheimer Versuchsgelände Stutel der LWG zum Beispiel freut sich Siegler über eine gute Ernte in hervorragender Qualität. Und sie ist noch nicht zu Ende. Die Mitarbeiter können noch immer Süßkirschen ernten.

Nicht so gut sieht es in Leinach aus. „Durch den Regen und die ständige Feuchte sind die Blüten von innen verfault“, klagt Obstbauer Christian Haas. „Wir verzeichnen einen Ernteausfall von 70 Prozent“. Der Ertrag hängt vor allem mit der Qualität der Kirschblüte zusammen. Je nachdem also, ob und wie die Bäume geblüht haben, so tragen sie Früchte, erläutert Haas.

Auch Karl Seubert aus Altertheim beklagt Ernteverluste: „Durch die schlechte Witterung sind viele junge Kirschen frühzeitig vom Baum gefallen.“

Gute Qualität

Einziger Lichtblick: Trotz der Ausfälle stimmt die Qualität, denn wenn doch Kirschen am Baum gewachsen sind, hatten die Früchte mehr Platz um gut reifen zu können, sagt Haas.

Besonders stark von Ernteeinbußen betroffen sind Obstbauern im Hauptanbaugebiet der Fränkischen Schweiz. „Daher rechnen die Obstbauern hier bestenfalls mit mittleren, meist jedoch geringen Erntemengen, so Siegler.

Der Anbau von Süßkirschen ist anspruchsvoll. Denn sie gedeihen nicht überall. Die Bäume stellen hohe Ansprüche an ihren Standort. Der Boden sollte nicht zu nass sein und Kaltluft sollte gut abfließen können, denn die Blüten sind frostempfindlich. Die besondere Erziehung zu Spindelbäumen und intensiver Schnitt erfordern viel Geschick und gärtnerisches Können. Neue, dicht stehende Kirschbäume in größeren Anlagen auf schwach wachsenden Unterlagen werden oft mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Um ein Platzen der Kirschen bei Regen zu verhindern, schützen einige Obstbauer ihre Anlagen mit aufwändigen Foliendächern. Netze bieten zusätzlichen Schutz vor Vögeln, die gerne die süßen Früchte anpicken.

Im Versuchsgelände Stutel der LWG werden viele Sorten geprüft, sowohl für den Erwerbsanbau als auch für den Hausgarten. „Freizeitgärtner sollten sich bei der Wahl ihres Baumes für Bewährtes entscheiden: Nur früh reifende Kirschen wie Burlat, Johanna, Merchant, Early Star und die neue ‘Bellise‘ bleiben weitgehend madenfrei. Bei Spätsorten wie der qualitativ sehr hochwertigen Kordia, Regina oder Neuheiten wie Tamara muss leider mit dem Wurm in der köstlichen Frucht gerechnet werden,“ betont Siegler.