Wer zu Castells neuem Bürgermeister Christian Hähnlein im Rathaus will, der muss nach wie vor den Hintereingang benutzen. Am Platz davor ist immer noch Baustelle, die mächtige, neue Treppe hat noch kein Geländer. Die Baustelle hat das neu gewählte Ortsoberhaupt von seinem Vorgänger übernommen, sie ist Teil der laufenden Dorferneuerung Castells, das aktuell größte Projekt der Gemeinde.

An seinem neuen Arbeitsplatz im Rathaus fühlt sich Hähnlein ganz wohl. „Die Arbeit macht mir bislang viel Spaß, es ist immer wieder etwas neues dabei.“ Der 35-jährige Agrarbetriebswirt bewirtschaftet mit seiner Familie im Ortsteil Wüstenfelden einen Bauernhof mit rund 100 Hektar Feld. Seinen zuvor ausgeübten Job als Vertreter für eine Landhandel-Firma im Außendienst hat er zugunsten der Tätigkeit als Bürgermeister aufgegeben. „Die Zeit brauche ich für das Amt als Bürgermeister. Auf drei Hochzeiten tanzen wollte ich nicht“, erklärt er.

VG Wiesentheid als große Erleichterung

Vor allem anfangs war für den kommunalpolitischen Neuling ohne Vorkenntnisse viel Zeit erforderlich, um sich ins Alltagsgeschäft einzufinden. „Bis man die Ansprechpartner und Leute kennt, bis man weiß, wo man hin kann und wie es abläuft, das dauert“, hat Hähnlein festgestellt. Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) in Wiesentheid nehme ihm vieles ab, was er als große Erleichterung empfindet.

Christian Hähnlein hat sich zunächst auf die bereits laufenden und noch nicht fertiggestellten Baustellen in Castell konzentriert. Das ist etwa der Rathausplatz, der ein neues Gesicht erhält, den Parkweg, der etwa vom Bistro in den Schlosspark führt und erneuert wurde, oder den Spielplatz im neuen Baugebiet.

„Schnellschüsse bringen nichts, wir müssen uns die Zeit nehmen und dann entscheiden.“
Bürgermeister Christian Hähnlein zur Kläranlage

Dazu gesellt sich mit der Kläranlage ein weiterer großer Brocken, ein Millionenprojekt, das in absehbarer Zeit auf die Gemeinde zukommt. Die Genehmigung für die bestehende läuft aus, eine neue Lösung für das Abwasser muss her. Selbst neu bauen, oder woanders mit anschließen, diese Möglichkeiten bestehen. Bis Jahresende rechnet Hähnlein damit, dass die in Auftrag gegebene Studie vorliegt, was die wirtschaftlichste Maßnahme wäre. „Schnellschüsse bringen nichts, wir müssen uns die Zeit nehmen und dann entscheiden“, meint er.

Auf dem Weg ist dagegen der Ausbau des Weges entlang des Flurstücks an der Klinge in Richtung Wiesenbronn. Die bestehende Verbindung soll künftig als Rad- und Wirtschaftsweg zu nutzen sein. Außerdem ist die Gemeinde dabei, den über 30 Jahre alten Flächennutzungsplan zu aktualisieren, ein weiterer Schritt in die Zukunft. Mögliche neue Bauflächen in allen drei Gemeindeteilen, die Hähnlein gerne hätte, wie auch das anvisierte Gewerbegebiet bei Greuth, sollen da mit rein.

Studie über Leerstände im Ort

Sehr interessant fand der neue Bürgermeister eine Studie über Leerstände im Ort, die kürzlich von Studenten der Universität Coburg erstellt wurde. Castell sei zufällig ausgewählt worden, manch neue Ideen und Tipps gab es bereits, die Auswertung folge noch. Ein Haus oder Räume umzunutzen für Homeoffice-Plätze, war einer; wieder einen kleinen Lebensmittelladen im Ort anzusiedeln, lautete ein anderer.

Was Christian Hähnlein in den ersten Monaten etwas vermisste, sei der direkte Kontakt zu den Bürgern gewesen. Das sei der Corona-Zeit geschuldet, die sonstigen Feste und Treffen mussten ja ausfallen. Anrufe oder Anfragen von Bürgern gingen durchaus bei ihm ein, um die er sich dann kümmert. „Das sind viele Kleinigkeiten, die ich auch ernst nehme.“ Das hat er sich auf die Fahne geschrieben, um an der neuen Stelle anzukommen.