Keine seltsamen Einteilungen mehr, keine verschiedenen Fahrscheine: Die Fahrten mit Bus und Bahn werden im Landkreis immer einfacher.

Sowohl der Großraum Nürnberg als auch Mainfranken mit Würzburg können vom Landkreis Kitzingen inzwischen bequem erreicht werden.

Seit September gelten beide Verbünde – bis auf die Buslinien, die erst noch umgerüstet werden müssen – flächendeckend im Kitzinger Land. Dazu Fragen an Günter Rauh, den Nahverkehrsbeauftragten des Landkreises im Landratsamt Kitzingen.

Frage: Zwei Verkehrsverbünde in einem Landkreis– wie kam es dazu?

Günter Rauh: 1994 hat der Landkreis Kitzingen sein Interesse bekundet, dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg – VGN – beizutreten, um der Bevölkerung eine günstige Möglichkeit zu bieten, nach Nürnberg zu fahren. Im Dezember 2006 konnte dann der Schienenhaltepunkt Iphofen in den VGN integriert werden und ein Jahr später, im Dezember 2007, der Bahnhof Kitzingen.

Da der größte Teil der Pendler aus dem Landkreis Kitzingen nach Würzburg fährt, wurde auch mit dem Verkehrsverbund Mainfranken (VVM) verhandelt. 2009 erfolgte die Ausdehnung des VVM auf den gesamten Landkreis, deshalb kommt auch im Binnenverkehr des Landkreises der VVM-Tarif zur Anwendung.

Wie ungewöhnlich sind zwei Verbünde in einem Landkreis?

Rauh: In der Regel gibt es nur einen Verbundtarif. In den Überlappungsbereichen von zwei Verbünden kann es dennoch sinnvoll sein, auch zwei Verbundtarife anzubieten, wenn in beide Richtungen verkehrliche Verflechtungen bestehen.

Mit welchem Verbund geht was?

Rauh: Ich kann in beiden Verkehrsverbünden das jeweilige Fahrscheinangebot nutzen. Im Landkreis Kitzingen und im ausbrechenden Verkehr in Richtung Würzburg gilt der VVM. Für Fahrten Richtung Nürnberg oder Ansbach, die über Markt Bibart oder Uffenheim hinaus gehen, gilt der VGN.

Von wo nach wo reicht das Gebiet?

Rauh: Von Lohr am Main oder Marktheidenfeld bis nach Amberg, Bayreuth, Lichtenfels oder Treuchtlingen.

Wie lange wurde der Beitritt in den VGN vorbereitet?

Rauh: 2007 beantragte der Landkreis Kitzingen die Einbeziehung der Bahnhöfe Buchbrunn-Mainstockheim, Dettelbach und Marktbreit in den VGN. Da noch andere Regionen in den VGN zu integrieren waren, wurde unser Antrag zunächst zurückgestellt. Nachdem uns der VGN informierte, dass einzelne Bahnhöfe nicht mehr integriert werden, sondern nur ganze Landkreise, hat der Kreistag 2012 beschlossen, den Landkreis Kitzingen in den VGN zu integrieren.

2015 war es dann soweit. Der Landkreis war an der Reihe. Die notwendigen Erhebungen und Berechnungen wurden durchgeführt als Entscheidungsgrundlage für die verschiedenen Gremien. Nachdem im April 2016 alle Beschlüsse vorlagen, konnte die Vollintegration in Angriff genommen werden

Was hat das gekostet?

Rauh: Die Einmalkosten betragen 450 000 Euro. Zudem sind noch etwa 10 000 Euro jährlich auszugleichen für die entstehenden Mindereinnahmen bei den Verkehrsunternehmen, da der VGN-Tarif oftmals günstiger ist als der bisherige DB-Tarif.

Wie kompliziert ist so eine Umstellung? Gibt es Anlaufprobleme?

Rauh: Das Angebot von zwei Verbundtarifen stellt schon eine gewisse Herausforderung dar. Neben den technischen Voraussetzungen ist insbesondere auch die Einnahmenaufteilung zu klären, Qualitätsstandards und Fahrpläne abzustimmen, Fahrerschulungen durchzuführen und und und. Die Tarifmatrix ist aufwendig, mit hohem Aufwand zu erstellen, da ja alle möglichen Relationen abgebildet werden müssen, was bei dem großen Verbundraum sehr zeitaufwendig war oder noch ist. Alle Verkehrsunternehmen arbeiten sehr kooperativ und konstruktiv mit, sonst wäre diese Aufgabe nicht in so kurzer Zeit machbar gewesen.

Da der Aufwand gerade beim Busverkehr sehr hoch ist, werden diese im Landkreis Kitzingen voraussichtlich erst im Januar 2017 in den VGN einbezogen werden können. Die Bahnhöfe sind seit 1. September im VGN-Tarif.

Was sind die Vorteile für den Kunden?

Rauh: Ein Fahrschein für die Fahrt in den jeweiligen Verbund. Alle Verkehrsmittel können mit nur einem Fahrschein genutzt werden. Auch der Umstieg in die U-Bahn in Nürnberg.

Ein Beispiel, was genau einfacher ist?

Rauh: Sei dem 1. September sind die Bahnhöfe Buchbrunn-Mainstockheim, Dettelbach und Marktbreit in den VGN integriert. Beim Einsteigen in den Zug kann ich die Fahrkarte für den gesamten Verbundraum VGN lösen. Das Kaufen einer weiteren Fahrkarte beim Umsteigen ist nicht mehr notwendig. Wenn alles klappt, kommt zum 1. Januar 2017 auch auf den Buslinien im Landkreis Kitzingen der VGN-Tarif zur Anwendung. Dann kann ich bereits beim Einsteigen in den Bus meine Fahrkarte in den VGN-Raum kaufen. Das Nebeneinander eines VVM-Bustickets, einer DB-Fahrkarte und zum Beispiel eines Fahrscheines im Stadtverkehr Nürnberg entfällt. Statt drei Fahrscheinen nur noch ein Fahrschein – und dieser meistens billiger.

„Der VGN hält unzählige Freizeittipps vor. “
Günter Rauh, Nahverkehrbeauftragter Wie kompliziert ist der Fahrkartenkauf aus Ihrer Sicht?

Rauh: Eigentlich eine einfache Sache über die Automaten an den Bahnhöfen. Verbund, also VGN, auswählen sowie Ziel und Fahrscheinart eingeben. Mehr ist nicht notwendig. Im Bus muss ich beim Einsteigen dem Busfahrer nur das Ziel nennen.

Wie nutzen Sie persönlich die Verbünde?

Rauh: Bei den Fahrten nach Nürnberg oder Würzburg nutze ich regelmäßig das Angebot. Schnelle Fahrzeiten und günstige Fahrpreise machen die Entscheidung leicht.

Ihr Ausflugs-Tipp, wenn man sich an dem neuen VGN-Tarif mal testen will?

Rauh: Mein letzter Ausflug ging nach Neumarkt in der Oberpfalz. Dort gibt es einen schönen Rundwanderweg mit guten Einkehrmöglichkeiten. Der VGN hält unzählige Freizeittipps vor. Einfach über das Internet unter www.vgn.de informieren oder beim VGN anrufen.