Da steckt schon was dahinter bei dem neuen Einsatzmittel: grobstollige Reifen bei hoher Bodenfreiheit, Rammschutz, verstärkte Schutzbleche und eine Sicherheitssignalfarbe. Dazu kommen bullige 60 PS, die den Allradantrieb in Bewegung halten. Das neue Fahrzeug bringt Notfallsanitäter Bernd Pfaff zum Schwärmen. Er ist einer der Multiplikatoren bei der Schulung der Volkacher Rot-Kreuz-Mitglieder, die sich für dieses Rettungsquad ausbilden lassen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) tun das in ihrer Freizeit, um in Not geratenen Personen auch unter schwierigsten örtlichen Gegebenheiten helfen zu können. Doch bevor der spannende Teil der Praxis auf dem Quad losgeht, steht Theorie auf dem Stundenplan. Zusammen mit dem weiteren Ausbilder Alexander Kortus erklärt Bernd Pfaff die gesamte Elektronik am Fahrzeug. Schalter und mehrfarbige Signallichter sowie diverse Fahrassistenzsysteme gilt es zu verstehen. Ebenso der spezielle Transportanhänger, der ebenerdig abgesenkt werden kann, damit das "All Terrain Vehicle" (Englisch für Geländefahrzeug, abgekürzt ATV),  sofort hinauf- oder herunterfahren kann.

BRK als innovative Gemeinschaft

"Das Ansinnen der Bereitschaftsleitung ist, ihre Gemeinschaft als innovativ und modern darzustellen und den Mitgliedern attraktive Einsatzmittel zur Verfügung zu stellen," sagt Bereitschaftsleiter Harald Erhard. Bereits acht Mitglieder sind eingewiesen, an diesem Wochenende sind fünf Weitere dran.

Der Praxisteil am Nachmittag ist dann schweißtreibend. Bernd Pfaff hat ein knackiges, brachliegendes Gelände ausgesucht. Mit Hügeln, Sträuchern und Gräben. Sabrina Wiener fährt als Erste. Ausbilder Alexander Kortus sitzt dahinter auf dem Sozius. "Nein, Angst habe ich nicht", sagt er. Ob das auch stimmt? Die ausgebildete Rettungsassistentin hat das Gefährt aber voll im Griff. Kein Hügel ist ihr zu steil: Frontal geht's hoch und schräg wieder runter, direkt an dichten Hecken vorbei. Das ganze Programm. "Absoluter Wahnsinn, was da alles machbar ist", berichtet sie und strahlt unter ihrem Helm hervor.

"Radfahrer und Wanderer sind vermehrt im Mainvorland Outdoor unterwegs. Dabei bewegen sie sich oft im absolut unzugänglichen Gelände."
BRK-Bereitschaftsleiter Harald Erhard

"Wir müssen uns auf neue Gegebenheiten einstellen", mahnt der BRK-Chef Erhard. "Radfahrer und Wanderer sind vermehrt im Mainvorland Outdoor unterwegs. Dabei bewegen sie sich oft im absolut unzugänglichen Gelände, und es passiert immer mehr." Für die Einsatzfahrzeuge sei das eine große Herausforderung. Es komme vor, dass sie weit vor dem Einsatzort abgestellt werden müssen, erläutert Erhard die Notwendigkeit der Anschaffung. "Mit dem geländegängigen ATV haben wir die Möglichkeit, Einsatzkräfte in entlegene Waldstücke, unwegsame Weinbergsabschnitte oder an das unbefestigte Mainufer zu bringen. Und das bei jeder Witterung."

Zwischenzeitlich sind die Praxisübungen im vollen Gange. Fabio Röhner übt gerade das Fahren mit größerer Geschwindigkeit auf unbefestigten Wegen. Eine große Staubfahne zeigt den Instruktoren seinen Weg. Fünf Teilnehmer wurden an diesem Tag eingewiesen. Bernd Pfaff gibt ihnen mit: "Trotz aller elektronischen Assistenzsysteme: Wenn die Fahrphysik nicht stimmt, geht’s ab in den Graben." Hat sich das Gefährt einmal festgefahren, kann es sich sogar selbst wieder herausziehen. Mit einer elektrischen Seilwinde, die fest am Frontteil verankert ist.

Erster erfolgreicher Einsatz

Das Spezialfahrzeug hatte übrigens schon vor seiner offiziellen Indienststellung den ersten erfolgreichen Einsatz hinter sich: Vor einigen Wochen hat sich im Bereich des Schwanbergs eine Frau verletzt und im Gelände verstiegen. Bernd Pfaff wurde mit dem Quad mitalarmiert. Nachdem die Frau an einem Hang gefunden worden war, brachte das ATV die notwendige Ausrüstung den Helfern, die zu Fuß unterwegs waren.