Gemachtes Nest im Neubauviertel, solarbetriebener MP3-Player mit heimeligem Koloniegezwitscher, astreiner Sound: Das neue Schwalbenhaus lockt mit viel artspezifischem Komfort und Technik und steht mitten in Mönchsondheim.

Morgens, mittags und abends ertönt Schwalbengezwitscher – zu den Hauptflugzeiten der Mehlschwalben. Das soll Koloniebetrieb vorgaukeln, um Tieren auf der Nestsuche den Weg in das neue Schwalbenhaus zu weisen. Denn auf der benachbarten Hofstelle, dem ehemaligen Gasthaus Goldene Krone, werden gerade die Nebengebäude abgerissen. Die Museumspädagogik des Kirchenburgmuseums wird hier einen Neubau erhalten. Die Museumsschänke selbst wird saniert. Es ist ein Drei-Millionen-Euro Projekt mit einem besonderen Augenmerk auf Mehlschwalben.

Schwalben haben Probleme, Brutplätze zu finden

Diese hatten bis zuletzt hier gebrütet. 15 bis 18 aktuelle und ältere Schwalbennester wurden gezählt. Ein Fall für Christian Söder, der von der Stadt Iphofen mit der Umweltbaubegleitung beauftragt ist. Er regte für die sehr brutorttreuen Vögel das Schwalbenhaus an. "Schwalben haben viele Probleme geeignete Brutplätze zu finden, von der neuen Architektur mit geschlossenen Stallsystemen bis zu hochmodernem Fassadenputz", begründet Söder das Haus. "Wenn die jetzt brüten, reiße ich denen die Hütte nicht weg. Das ist eine reine Charaktersache", sagt er über den Wegfall ihrer Brutplätze. Zumindest aber werden neue angeboten.

Für Bürgermeister Dieter Lenzer ist die neue Nisthilfe nicht nur eine der vielen Umwelt- und Naturschutzprojekte der Stadt Iphofen, sondern gleichzeitig vorbeugende Konfliktbewältigung, indem er die Nester von den Hauswänden fern hält, wenn die Schwalben Ausweichquartiere suchen. Ob sie das Angebot auf städtischem Grundstück annehmen, bleibt abzuwarten. Drei neue Nester pro weggefallener Brutstätte sind der Standard, so Söder. Weiter nördlich, wo Schwalbenhäuser bereits weiter verbreitet sind, würden sie gut angenommen, nachdem es auch für Schwalben kräfteschonender ist, vorhandene Nester zu nutzen und dies zu ihren natürlichen Verhaltensweisen gehört.

Lockrufe aus dem MP3-Player

Allerdings hat der Corona-Lockdown zumindest den Zeitplan zunichte gemacht. Das Schwalbenhaus hätte vor der Rückkunft der Vögel aus dem Winterquartier bezugsfertig sein sollen. Aber es ist anzunehmen, dass die früheren Bewohner am Gasthaus eine andere Bleibe gefunden haben. Zumindest wenn man sieht, wie in einem nahen Kuhstall die Schwalben ein- und ausfliegen. "Wir haben hier noch Rinderhaltung", erklärt Stadtrat und Landwirt Gerhard Heubach das Ausweichquartier. Aktuell seien es drei Ställe in der Umgebung des Schwalbenhauses.

Ob die Mehlschwalben den Lockrufen des MP3-Players mit dem Koloniegeplauder ihrer Artgenossen bei nächster Gelegenheit folgen werden, wo sie untergekommen sind und was sie präferieren, will sich Söder nun genauer ansehen. Er wird seine Erkenntnisse und Beobachtungen protokollieren, um zu erfahren, wie die Schwalben reagieren.

Schwalben folgen dem Menschen

Dass in Mönchsondheim jetzt ein Schwalbenhaus steht, möglicherweise das erste in ganz Unterfranken, ist für Söder besonders faszinierend. Immerhin kosten die 40 Nistplätze 10 000 Euro. "Da muss die Kommune schon mitmachen", freut er sich. Aber wo, wenn nicht hier, fragt er sich. Zum dörflichen Leben im letzten Jahrhundert, wie es im Kirchenburgmuseum konserviert ist, gehören die Mehlschwalben jedenfalls dazu. Für Söder, der als Fledermaus-Experte bekannt ist, ergänzen sich die Tiere im Tageslauf: Die Schwalben jagen Insekten am Tag, die Fledermäuse nachts.

Es gehe darum, das Miteinander von Tier und Mensch in die Jetzt-Zeit zu transportieren – auch die Veränderung, für die das Schwalbenhaus vielleicht schon ein Stück weit in die Zukunft gedacht ist. Die Mönchsondheimer Schwalben jedenfalls dürfen nach den Baumaßnahmen auch wieder am Gasthaus nisten, wo sie jetzt mit einer Plane vergrämt wurden. Und auch die Neubausiedlung wird bleiben, um noch mehr über die Grundlagen der Schwalbenkolonien zu erfahren, die als klassische Kulturfolger jeweils auf die dörflichen Gegebenheiten reagieren.