Kurzabeit! Bei der Nachricht kann man erstmal Trübsal blasen oder einen Silvaner trinken. Das hat Elias Plömpel getan. Im Sommer erst schloss der 20-Jährige sehr erfolgreich seine Ausbildung als Restaurant-Fachmann ab. Dann im November die schlechte Nachricht: Plömpel und seine Kollegen vom Würzburger Hotel Rebstock müssen nach Hause.

Auf den Schock machte er erstmal mit einer Kollegin einen Bocksbeutel auf. Beiden war schnell klar, dass sie trotzdem etwas arbeiten wollen. Am nächsten Morgen hatte der Albertshöfer, der jetzt in Würzburg lebt, eine Idee: Franken soll nicht nur Silvaner trinken, sondern auch Silvaner tragen. "Genauer: Silvanerschorle", erklärt Plömpel. Erstens trinkt er sie selber gerne und zweitens ist ihm bei der Arbeit aufgefallen, wie viele eine Schorle bestellen und ein "Mit Silvaner bitte" hinterherschieben.  

Mit Hilfe einer App gestaltet er sein Logo – ein liegender Bocksbeutel mit dem Schriftzug Silvanerschorle. – sucht im Internet nach bedruckbaren Kleidungsstücken und einer Druckerei. Mit Ersparnissen lässt er die ersten 30 Kapuzenpullover bedrucken, gestaltet mit Hilfe einer ehemaligen Kollegin Homepage, Online-Shop, meldet ein Gewerbe an und wird auf Instagram und Facebook aktiv. "Viel hatte ich nicht zu verlieren", berichtet er von den Anfängen. "Und ich hatte immer das Gefühl 'Das läuft!'" Mitte November war es so weit: Der Shop geht online. "Gleich am ersten Tag hatte ich zwei Bestellungen", sagt Plömpel und wirkt auch nach vier Monaten immer noch total überrascht darüber.

Alexander Herrmann trägt schwarz, der Reiser rot

Schneller als gedacht waren die Pullis weg und der Jungunternehmer sammelte erste wichtige Erfahrungen. Freitag und Samstag wird am meisten bestellt, seine Zielgruppe ist zwischen 25 und 50 Jahre alt und ohne Familie und Freunde geht es nicht. Standen die ersten Kartons mit der Ware noch in seiner winzigen Würzburger Wohnung, wird jetzt nach Buchbrunn geliefert. Seine Freunde, Melina und Joel, haben dort eine Wohnung. "Und die ist Gott sei Dank groß genug", sagt Plömpel und lacht. Die zwei helfen ihm auch, die Bestellungen einzupacken und versenden.

Sollen die Kleidungsstücke auf der Homepage präsentiert werden, müssen die Freunde kurzerhand im Weinberg modeln. Die Fotos macht – natürlich – eine Freundin. Auch seine Mutter und seine Tante unterstützen ihn, letztere hilft als Betriebswirtin und die Mama ist eine "sehr fähige Näherin". Qualität der Produkte, eingenähtes Logo-Etikett, bei solchen Fragen ist sie die richtige Ansprechpartnerin. 

Bleibt noch die Oma. Die hat selbstverständlich auch eine Rolle. Sie beobachtet die Internetaktivitäten ihres Enkels. "Ich habe ihr gezeigt, was ich mache und jetzt schaut sie immer", sagt Plömpel und schmunzelt. Auf Instagram hat sie beispielsweise Sebastian Reichs Amanda mit einem Silvanerschorle-Lätzchen gesehen, Reich trug dazu den passenden Pulli. Und da das Nilpferd auch so einen Hoodie wollte, ließ Plömpel einen anfertigen. "In Größe 6, schwarz. Das macht schlank und mit pinkfarbenen Amanda-Schriftzug unter dem Logo", erklärt Plömpel.

Auch der Sternekoch Alexander Herrmann hat einen bekommen, ebenso der Würzburger Kickers-Spieler Stefan Maierhofer und schon etliche Weinprinzessinnen in der Region. "Der Fränkischen Weinkönigin will ich demnächst einen schicken", sagt Plömpel. Der Würzburger Küchenstar Bernhard Reiser trägt schon eine weinrote Schürze aus der neuen Kollektion. Im Frühjahr setzt Plömpel auf mint- und bocksbeutelgrün. Seit Anfang März kann die neue Kollektion gekauft werden. Der Besteller – der Hoodie in grau – bleibt im Unisex-Sortiment. 

Ein Stück Normalität

Ob Plömpel in der Gastronomie bleibt, ist noch nicht ganz so sicher. "Ich gehe nicht auf die Arbeit. Das macht mir richtig Spaß", sagt Plömpel. Eine Ausbildung zum Sommelier könnte er sich gut vorstellen. Noch kann er seine berufliche Leidenschaft gut mit seinem Online-Shop verbinden. "Ganz ehrlich, ich möchte mich nicht entscheiden müssen."

Klar war dagegen die Entscheidung für einen weiteren Nebenjob in der Kurzarbeit: Er serviert das Mittagessen in einer Würzburger Seniorenresidenz. "Ich habe einen Tag im Lager gearbeitet, aber ich brauche den Kontakt zu Menschen", erklärt Plömpel. "Das gibt mir ein Stück Normalität." Seine Kollektion darf er bei der Arbeit nicht tragen, aber vielleicht hat er bald neue Kunden, die deutlich älter als der übliche Kundenstamm sind.