Das gab es noch nie bei einer Freisprechungsfeier der Kitzinger Frisörinnung: Erstmals waren 50 Prozent der Freigesprochen junge Männer, was im Lieblingsberuf der Frauen einst undenkbar war. Ein zweites Novum war die Zahl von nur vier jungen Frisören, die den Gesellenbrief erhielten, so wenige waren es noch nie. "Bei uns im Handwerk zählt noch der Mensch", betonte Innungsobermeisterin Monika Henneberger bei der Feierstunde im Rödelseer Löwenhof.

Die menschliche Komponente der Freisprechungsfeier lieferte Hossein Rezae, der im Salon 2 wie Lewring in Kitzingen seine Ausbildung absolviert hatte. Der 31-Jährige war vor vier Jahren aus seinem Heimatland Afghanistan nach Deutschland gekommen und packte seine Chance beim Schopf. Nach einem Praktikum war bei ihm die Begeisterung für den Frisörberuf geweckt und jetzt durfte er seinen Gesellenbrief  in den Händen halten. Rezae bedankte sich bei den Ausbildern für ihre Bereitschaft, Auszubildenden Chancen zu geben und überreichte den Innungsverantwortlichen Blumen. Freuen durfte sich Janina Milanov aus Wiesentheid, sie bekam die Glückwünsche als Prüfungsbeste.

Es werden immer weniger Frisöre

Monika Henneberger meinte, dass gutes Aussehen im Leben immer wichtiger werde und das Erscheinungsbild mehr in den Vordergrund rücke. "Im Moment haben wir keinen einfachen Beruf weil wir acht Stunden Schutzmasken tragen müssen", gab Henneberger zu bedenken. Die Frisöre würden von Jahr zu Jahr weniger, deswegen hätten die Freigesprochenen beste Aussichten in ihrem Beruf. Wer seinen Beruf als Berufung empfinde, der sei bei den Frisören richtig, um kreativ tätig zu sein und tue das am besten mit Herzblut.

"Unser Berufsstand braucht kreative und motivierte Menschen, die mit Freude und Ideen auf die Kunden eingehen", sagte die Innungsobermeisterin und Kreishandwerksmeisterin. Michael Bissert, Vizepräsident der Handwerkskammer für Unterfranken, ging auf anstrengende Monate wegen der Corona-Pandemie ein und lobte das Frisörhandwerk für das Engagement. "Bleibt dem Frisörhandwerk treu", appellierte Bissert an die jungen Gesellinnen und Gesellen und attestierte ihnen ein gutes Fundament. Kreativität, Mut und Freude seien Elemente dieses Berufs, der zu den schönsten in unserer Gesellschaft zähle. Die stellvertretende Landrätin Susanne Knof gratulierte ebenfalls zur bestandenen Gesellenprüfung nach einem Endspurt unter erschwerten Bedingungen. Sie ging auf den Wohlfühlfaktor bei den Frisören ein und fand, dass das Personal immer wichtiger für Betriebe werde.

Vier von fünf Prüflingen haben bestanden

Die Prüfungsausschussvorsitzende Karola Gartmann erläuterte die Prüfungsinhalte und die terminlichen Probleme während des Lockdowns. Sie würdigte auch das Wirken der Gesellenbeisitzerin Maria-Elena Nese. Letztlich hatten vier von fünf Prüflingen die Gesellenprüfung bestanden und nahmen ihre Gesellenbriefe entgegen (in Klammern die Ausbildungsbetriebe): Hurd Ashley aus Kitzingen (2 wie Lewring, Kitzingen), Jossef Jabiri aus Mainbernheim (Hairdesign by Daniela Nikola, Volkach) Janina Milanov aus Wiesentheid (Spekta Cool Hair by Jessica, Wiesentheid) und Hossein Rezae aus Kitzingen (2 wie Lewring, Kitzingen).