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Köhler

Praxis-Test an der Mainschleife: Wird weiterhin zum falschen Zeitpunkt gemäht?

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" weckte Hoffnungen - auch was beispielsweise das Mähen von Wiesen anbelangt. Hat sich etwas geändert? Ein Praxis-Test an der Mainschleife.
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Edgar Sauer auf der Fläche zwischen Köhler und Sommerach, die zu früh gemäht wurde und jetzt wieder grünt. Aber längst nicht so wie erwünscht. Foto: Alexander Rausch
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Idyllisch an der Mainschleife zwischen Köhler (Gemeinde Volkach) und Sommerach liegt das Naturschutzgebiet Mainaue. Die Fläche grünt nach dem jüngsten Regen. Die Vögel zwitschern, die Insekten fliegen über die Wiesen. Auch ein Reh läuft über die Fläche. Alles scheint in bester Ordnung. Jedoch nicht für Edgar Sauer. Denn nach Aussagen des Jägers könnten die dortige Flora und Fauna noch vielfältiger sein, als eben beschrieben.

Der Ursprung von Sauers Ärger liegt schon einige Wochen zurück. Mitte Mai wurde die Fläche, die öffentlicher Hand ist und in Sauers Jagdgebiet fällt, gemäht. Ein Vorgang, den der Nordheimer keineswegs kritisiert. Was ihm aber mächtig aufstößt, ist der Zeitpunkt: "Es wird schon Mitte Mai rigoros bis zur Bodennarbe heruntergemäht. Dabei gibt es eigentlich keine Notwendigkeit dafür." Denn es beeinflusst die Natur und der Entwicklung beträchtlich. Noch keine Pflanze hätte zu diesem frühen Zeitpunkt reife Samen gebildet. Und auch die Gelege der Säugetiere seien noch nicht fertig.

Zuflucht im dichten Gras

"Von meinem Hochsitz direkt an der Fläche kann ich auch die Bodenbrüter beobachten. Und vor einigen Wochen sah ich eine trächtige Rehgeiß, die auf der Suche nach einem geeigneten Ort war, ihr Junges abzulegen", berichtet Sauer. Säugetiere, wie Rehe oder auch Hasen, verstecken ihren Nachwuchs nämlich auf freiem, geschütztem Feld. Hasen kommen dann nachts, um ihn zu säugen und ihn dann wieder zu verstecken. Auch weitere Bodentiere wie Igel finden im dichten Gras Zuflucht.

Doch diese natürlichen Vorgänge sind Mitte Mai, zum Zeitpunkt des Mähens, noch nicht abgeschlossen. "Die Landwirte machen auch nur ihren Job. Sie sind sicher nicht die bösen Buben. Ich möchte nur sensibilisieren", sagt Sauer. Ihm sei bewusst, dass die Bauern mähen dürfen, wann sie es für richtig erachten. Laut Dieter Lang, Fachreferent für Naturschutz und Landschaftspflege, ist landschaftliche Nutzung in Naturschutzgebieten erlaubt und auch das Silieren Anfang/Mitte Mai nicht verboten. "Wiesen leben von der Mahd. Zu früh sollte diese nicht sein, ist aber aus landschaftlicher Sicht meist notwendig", erläutert Lang.

Ende Juni als perfekter Zeitpunkt

Allerdings konnte der Jäger auch schon die Pächter der anliegenden Flächen davon überzeugen, die Gräser stehen zu lassen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt zu mähen. Denn Ende Juni, Anfang Juli hätten die Pflanzen Samen gebildet und die Tiere hätten das Feld verlasen.

"Wir bringen es noch nicht einmal in den Naturschutzgebieten vor unserer Haustüre fertig, die Natur wirklich zu schützen. Es gibt eine Vogelwelt, die ist gigantisch. Mein Appell ist, den Tieren ihren Schutzraum und der Natur soviel Freiraum wie möglich zu lassen, damit sie sich entwickeln kann", fordert Sauer.

"Die Landwirte sind nicht die bösen Buben!" 
Edgar Sauer will keine Schuldzuweisungen - sondern sensibilisieren 

Besonders vor dem Hintergrund des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" und der Bewegung "Fridays for Future" könne er die bisherige Ignoranz nicht nachvollziehen. Sollte auch im kommenden Jahr wieder so früh gemäht und Sauer erneut nicht informiert werden, würde er klagen. Denn rechtlich gesehen, ist der Landwirt dazu verpflichtet, den Jagdausübungsberechtigten zu benachrichten, um das Feld nach toten Tieren absuchen zu können oder lebende aus der Fläche zu entfernen. Damit es aber soweit nicht kommt, ist ein Ortstermin geplant, um die Wogen zu glätten und um eine gemeinsame Lösung zu finden.